27 März 2010
Moderne Kommunikation
Meine Mittagspause, vorgestern, ein Chat bei Facebook, mit Uhrzeiten.
11:58 Nicolas: hallo
11:58 Aléa: na, lange nichts gehört
11:59 Nicolas: ja, geht‘s gut?
11:59 Aléa: so lala
11:59 Nicolas: nämlich?
12:00 Aléa: ich sitze an einer Arbeit und komme nicht vorwärts; ist aber wichtig
12:00 Nicolas: über Anerkennung? äh, Identität
12:00 Aléa: wieso Anerkennung?, ah
12:00 Nicolas: das hängt ja bisweilen zusammen
12:01 Aléa: bisweilen hängt so einiges zusammen, nein über Wallace, ich schreibe einen Artikel, einen Essay
12:01 Nicolas: aha, ich verstehe
12:01Aléa: wie viel verstehst du? kannst du das für mich zu Ende schreiben?
12:02 Nicolas: ich muss selber einen Artikel schreiben; aber ich muss erst noch anfangen, wenn ich im richtigen Gefühl eingelullt bin, dürfte das dann aber gehen. aber das mache ich irgendwann nachts. am Montag ist Abgabedatum
12:02 Aléa: da hast du es gut, du kannst dir noch einbilden, dass es wer weiß wie gut laufen wird
12:02 Nicolas: richtig, und ich werde von dieser Illusion nicht ablassen, bevor er fertig ist. das ist das Programm.
12:03 Aléa: sehr gutes Programm, hatte ich aber auch!
12:03 Nicolas: dieses Gefühl kann gesteigert werden, indem ich das beginnen weiter verzögere.
12:04 Aléa: ja, bis Montagmorgen und dann möchte ich nicht mit dir tauschen
12:04 Nicolas: ich höre auf mit Ratschlägen.
12:05 Nicolas: sonst? Any news?
12:05 Aléa: ich habe mich mit ANH getroffen, wie kennen uns von US, hatten uns aber noch nie gesehen, er hat etwas über das Treffen geschrieben ich auch und seither kann ich Schweinerein aus meinem Blog löschen.
12:06 Nicolas ich habe es heute gelesen. du bist selber schuld.
12:06 Aléa: Das war ein sehr nettes Treffen
12:06 Nicolas: wobei man ja vorher nur begrenzt was wissen kann, also bist du vielleicht doch nicht selber schuld; ja, aber unter falschen Bedingungen
12:07 Aléa: welche Bedingungen?
12:07 Nicolas: wie du geschrieben hast; beide denken an ihre Blogs. wie du geschrieben hast; beide denken an ihre blogs.
12:07 Aléa: ja, das stimmt, aber nicht nur!
12:07 Nicolas: eben. das ist Masturbation ohne Masturbation.
12:07 Aléa: aber Masturbation ist super!
12:08 Nicolas: ja, aber nicht Masturbation ohne Masturbation.
12:08 Aléa: das kann ich gar nicht, ich will Leute kennenlernen, die auch schreiben.
12:09 Nicolas: es ist ein so tun als ob man Masturbieren würde, um eine Reaktion zu bekommen. aber wenn Masturbation gut ist, dann in Selbstvergessenheit.
12:09 Aléa: zumindest kann ich mit ihm über Literatur reden
12:09 Nicolas: der typ weiss auch nicht viel mehr. allenfalls hat er kontakte.
12:09 Aléa: aber ich glaube, das reden reicht dem nicht; er schreibt auf eine sehr eigene Weise
12:10 Nicolas: ich habe nichts von ihm gelesen ich will dich da nicht bequatschen.
12:10 Aléa: der schreibt nicht komisch, sondern eigensinnig, außerdem: ich bin ja schon groß!
12:11 Nicolas: grösser als ich, vermutlich.
12:11 Aléa: darauf achte ich nicht; eher find ich‘s gut. Ich mag es auf Männer herunterzuschauen! haha!
12:11 Nicolas: kannst ja vorbeikommen. ich bin der scheue Typ, von dem du schreibst.
12:11 Aléa: du hast das tatsächlich gelesen!
12:12 Nicolas: jaja. ich habe mich auch nicht aufgeregt, aber das Ganze war schon etwas doof, der Anfang mit der Mitbewohnerin ist süss.
12:12 Aléa: was war doof?
12:12 Nicolas: aber ich verschwende meine Zeit ja auch. eben diese Bespiegelungen.
12:13 Aléa: welche Bespiegelungen? Womit? Zeit meine ich. Ich verschwende nichts
12:13 Nicolas: was ihr halt da inszeniert habt.
12:14 Aléa: ich muss immer wissen was doof und was gut ist an meinen Sachen; war das eine Inszenierung?
12:14 Nicolas: er hat ein zwei sehr gute Punkte in seinem Artikel. er schreibt, dass du ihn nicht aus seiner Inszeniertheit hinauslässt. und dass du erstaunlich stark an den Literaturbetrieb glaubst; zweiteres finde ich uninteressant. aber das jemanden nicht aus seiner Inszeniertheit herauslassen ist noch interessant.
12:16 Aléa: ich glaube nicht an den Betrieb, aber an die Literatur, vielleicht nicht einmal das
12:16 Nicolas: es deutet auch auf eine Schwäche seinerseits hin. wie gesagt, die Literaturbetriebsgeschichte interessiert mich nicht.
12:17 Aléa: bin ich dran?
12:17 Nicolas: ja.
12:17 Aléa: o.k.
12:17 Nicolas: ich will nicht nerven
12:18 Aléa: wenn es eine Inszenierung war, dann war sie aber gelungen; finde ich; für mich war sie das; aber für mich war es auch keine Inszenierung
12:19 Nicolas: ja, aber die Inszeniertheit ist ja der Punkt, nicht ob gut oder schlecht inszeniert wurde.
12:19 Aléa: ich schicke dir mal eben ein Video, ich muss zur Toilette
12:19 Nicolas: für die Inszenierung war früher, glaube ich, so etwas wie die gesellschaftliche Konvention zuständig. heute scheint sie sich zwischen der Idiosynkrasie der Leute abzuspielen.
12:21 Aléa: vielleicht hast du recht, die Reaktionen der Leute auf seiner Seite sind jedenfalls interessant, ich lerne etwas daraus, ich weiß nur noch nicht was es ist; ich schreibe den Artikel zu Ende und dann kann ich endlich wieder an meinem Roman arbeiten; da freue mich drauf, wie Urlaub, nur besser; wie gefällt dir die Musik?
12:24 Nicolas: ich bin nicht so ein Fan dieser Musik, aber die Klassiker sind schon schön.
12:24 Aléa: welche Klassiker? Wann ist dein Umzug?
12:25 Nicolas: Orbital; das waren ja so trip-hop Pioniere oder so, oder? mein Umzug ist Mitte April, es wird ein wahnsinniges Chaos.
12:26 Aléa: ah, die kenne ich wieder nicht, ich kenne nur dieses Lied; wahnsinniges Chaos klingt gut, mir schreibt doch gerade jemand in meinem Blog: „sie sind echt ein Grund nicht mehr zu bloggen“; wieso schreibt der das?
12:27 Nicolas: keine Ahnung. vielleicht solltest du mal in die Provinz.
12:27 Aléa: da komme ich her!
12:28 Nicolas: jaja, aber man muss ja mit geschärften Augen dahin zurück.
12:28 Aléa: ich gehe im Sommer vielleicht für zwei Wochen nach Siebenbürgen. Ich muss mich erholen, glaube ich jedenfalls
12:28 Nicolas: ich lese gerade Sein und Zeit von Heidegger. das ist ultra provinziell, aber zugleich sehr modern. ich finde es enorm reich.
12:28 Aléa: mit geschärften Fingernägeln
12:28 Nicolas: hmhm
12:29 Aléa: ich finde Heidegger nicht gut, der Mann schreibt nicht gut
12:29 Nicolas: aber er hat relativ gut gedacht
12:29 Aléa: aber beim Aufschreiben hat‘s gehapert
12:29 Nicolas: und er schreibt schon auch gut
12:29 Aléa: ja, denken konnte er, er schreibt aber scheiße, haha
12:30 Nicolas: nein nein.
12:30 Aléa: sag mir eine gute Formulierung
12:30 Nicolas: manchmal habe ich Lust, Leute (vornehmlich Frauen) zu mir zu locken und ihnen zu zeigen, wie die Dinge funktionieren
12:30 Aléa: das ist von Heidegger?
12:30 Nicolas: ach so, von Heidegger
12:30 Aléa: ich meine die Formulierung, was willst du ihnen zu zeigen? Zeigen meine ich; im rumänischen wurde man den Infinitiv anders setzten, aber du kannst ja kein Rumänisch, du kannst ja nur dieses Heidegger-Deutsch, haha.
12:31 Nicolas: nein nein. ich denke, manchmal kann es nicht so schwer sein, die Leute aus ihren fixen Ideen etwas zu lösen
12:32 Aléa: Heidegger hatte fixe Ideen? dieser Typ bekommt jetzt eine Antwort von mir, so eine gepfefferte, wie nennt man das?
12:32 Nicolas: vielleicht haben und sind wir ja mehr als unsere fixen Ideen
12:32 Aléa: oder vielleicht auch eine freundliche, wer hat fixe Ideen?
12:33 Nicolas: hallo?
12:34 Aléa: hallo? wieso hallo? ich bin doch da, ich? habe ich fixe Ideen?
12:34 Nicolas: ja klar
12:34 Aléa: welche denn?
12:34 Nicolas: ich natürlich auch, alle haben welche
12:34 Aléa: der Typ schreibt schon wieder einen Kommentar in meinem Blog; ich habe keinen fixen Ideen, ich habe gute Ideen ich kann sie nur nicht umsetzen, nicht immer
12:34 Nicolas: ich glaube bei dir ist es auch die Notwendigkeit, reagieren können zu müssen, haha; wie man sieht auch mit Erfolg reagieren können zu müssen. weil das war lustig. “Als geworfenes existierend bleibt das Dasein ständig hinter seinen Möglichkeiten zurück”. Das ist ein guter Satz. aber reden wir lieber über uns als über Heidegger
12:36 Aléa: dass das Dasein hinter den Möglichkeiten zurückbleibt ist eine Phrase. Das wusste ich schon mit fünf, da wollte ich was haben und hab‘s nicht bekommen. Werfen muss man‘s dazu auch nicht, und auch das nicht geworfene Dasein ist zurückgeblieben, der schreibt eben schlecht.
12:37 Nicolas: jaja. lassen wir Heidegger. das habe ich ja schon gesagt.
12:37 Aléa: jetzt kommt Olga, die hat das Blog gelesen, dass ich sie pfählen wollte um zu überprüfen, ob sie noch lebt, ich krieg Ärger, nein, jetzt lacht sie, die andere Freundin ist übrigens Marie, die Schauspielerin, aber die wohnt nicht hier, mit der gehe ich sonntags Kuchen essen
12:39 Nicolas: ich verstehe
12:39 Aléa: bis zum nächsten Kuchen muss ich fertig sein mit meinem Artikel; was verstehst du?, ich schreibe dem Kommentator den Satz von Heidegger; vielleicht macht ihm das bloggen dann wieder mehr Spaß
12:39 Nicolas: dass es die ist, mit der du sonntags Kuchen essen gehst. ja. schreib ihm das dazu.
12:41 Aléa: gibt es eine Möglichkeit den Verlauf des Chats zu markieren und zu kopieren? erst diese Frage beantworten, dann eine eigene stellen
12:42 Nicolas: redest du von unserem Chat?
12:42 Aléa: erst diese Frage beantworten, dann eine eigene stellen!
12:42 Nicolas: ja, es gibt diese Möglichkeit.
12:43 Aléa: sehr schlau, ja ich rede von diesem hier, ich würds gerne einstellen in mein Blog, ich finds gut, mir gefällt das.
12:43 Nicolas: ist erlaubt. ich maile ihn dir. du kannst es ja noch bearbeiten. der Anfang war besser als der Schluss.
12:45 Aléa: ja, ich bearbeite die Rechtschreibung und schicke es dir auf jeden Fall vorher, ob du einverstanden bist; aber wenn ich den Chat schließe, sind die Nachrichten weg, oder?
12:45 Nicolas: gut gut. dann kann ich noch geniale Eingebungen einarbeiten. ja. aber du kannst, wenn er noch geöffnet ist, alles markieren und dann copy pasten.
12:46 Aléa: Strg + A funktioniert nicht
12:47 Nicolas: nein, du musst über den ganzen Text drüberfahren, ich gehe kurz eine rauchen. bist du dann noch da?
12:47 Aléa: ja klar, drüberfahren? kann ich deinen Namen angeben?
12:55 Nicolas: mein Vorname ist okay
12:55 Aléa: mit einer mail-adresse?
12:55 Nicolas: nein
12:55 Aléa: dann könntest du dich einmischen, wenn ein Kommentar kommt, ok.
12:56 Nicolas: ich kann mich ja im Zweifelsfall anmelden, aber ich kommentiere eigentlich nicht in Blogs.
12:56 Aléa: ein Mann von Grundsätzen; Wie denn? ach so als Kommentar natürlich.
12:57 Nicolas: ja
12:57 Aléa: klar; ist das in Ordnung, wenn ich jetzt aussteige? Mein Artikel wartet
12:57 Nicolas: ja, ich muss eh baden
12:58 Aléa: bade! fein
12:58 Nicolas: mach‘s gut, liebes Torici
12:58 Aléa: nein nicht fein, das Wort fein ist nicht fein, schön meine ich, also nicht schön
12:58 Nicolas: doch, das ist okay
12:58 Aléa: mach‘s auch gut, lieber Nici
12:58 Nicolas: tust du mir einen Gefallen?
12:58 Aléa: ja; absolut jeden; haha!
12:58 Nicolas: liest Pünktchen und Anton von Kästner. lies
12:58 Aléa: jawohl mache ich
12:58 Nicolas: es gibt auch ein Bild dazu
12:58 Aléa: kann man‘s mit Bild leichter verstehen?
12:59 Nicolas: ich habe es neulich gepostet; bei meinen Fotos
12:59 Aléa: ich schaus an, das Bild
12:59 Nicolas: es sind erst zwei Bilder da, ah, du kennst die eh schon
12:59 Aléa: ich erinnere mich sogar
12:59 Nicolas: gut
12:59 Aléa: es ist gelb.
12:59 Nicolas: gut
12:59 Aléa: das Buch, gelb, ist das ein Kinderbuch?
12:59 Nicolas: unabhängig davon, lies das buch
13:00 Aléa: ich lese es
13:00 Nicolas: das ist in einer guten Stunde oder so zu machen
13:00 Aléa: jawohl, bis bald
13:00 Nicolas: du bekommst es antiquarisch sicher günstig, bis bald
13:00 Aléa: ciao
Vielen Dank an Nicolas für die Zustimmung zur Veröffentlichung!
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Geschrieben: März 27th, 2010 unter Allzupersönliches, monströs, Paralipomena












Kommentar von cellini
Datum/Uhrzeit 28. März 2010 um 00:01
Liebe Aléa,
ich versuch’s jetzt nochmal mit einem Kommentar. Irgendwie klappt das nicht beim ersten Mal. Der Kommentar erscheint nicht, wenn ich dann das Captcha nicht richtig eingegeben habe, erscheint der Kommentar vielleicht garnicht? Mach ich was falsch? Wenn der Kommentar jetzt zwei Mal bei Ihnen ankommt, dann bitte einen löschen.
Hab’s jetzt schon mehrere Male gelesen. Versuch eine Begrifflichkeit zu finden. Feinsinnig fällt mir spontan ein. Ist aber trotzdem nicht das richtige Wort dafür… feinsinnig dann doch… weil ein spürbar feiner Sinn einen Zwischenraum ermöglicht. Jeder ausgesprochene Satz sendet eine Schwingung aus, übers Netz geführt, trifft diese meistens sofort…. auf ihre Gegenbewegung, hat aber trotzdem eigenen Raum für die eigene Strecke zur Verfügung. Hätte diese Unterhaltung sich direkt gegenüber sitzend stattgefunden, wäre dieser Raum für die eigene Strecke mit kurzem Abstand zur Körperlichkeit des anderen von diesem sofort vereinnahmt worden.
Übers Netz geführte Unterhaltungen erzeugen ganz andere Frequenzen, als direkt geführte.
Tat gut, d a s zu lesen.