06 März 2010
Des Gesagten, des Gemeinten und des Gemurmelten
Ich habe eine Anzeige bei google gesehen: „Rosenkränze: günstig und gut“.
Ich kann vielleicht entscheiden, ob ein Rosenkranz günstig ist. Oder ich kann mir zumindest vorstellen, wie ich das herausfinde. Rosenkränze unterscheiden sich in diesem Punkt nicht von anderen Konsumgütern. Wie aber, frage ich mich, finde ich heraus, ob ein Rosenkranz gut ist? Rollt er leicht zwischen den Fingern hindurch? Ist das wie mit der Tastatur eines Rechners? Bei meinem Laptop schreibe ich, wenn ich Zuhause bin, mit einer externen Tastatur. Weil die viel schneller ist, ergonomischer und sehr viel griffiger. Vielleicht unterscheiden sich Rosenkränze auch hinsichtlich ihrer Ergonomie. Ohne jede Angst vor einer Sehnenscheidenentzündung kann man stundenlang Gebete sprechen. Vielleicht klappt das mit den Texten, die man dabei spricht, besser, wenn der Rosenkranz verschleißfrei durch die Finger läuft. Nach einer Million hingemurmelter Worte ist da womöglich ein Unterschied in der Leichtläufigkeit zu bemerken.
Ich kenne mich mit Rosenkränzen nicht aus. Aber wäre es nicht vielleicht besser, beim Beten hin und wieder zu stolpern, um inne zu halten und sich des Gesagten, des Gemeinten und des Gemurmelten gewahr zu werden? Wäre ein weniger ergonomisch gestalteter Rosenkranz nicht vielleicht das, was man eigentlich bräuchte? Vielleicht wär Stacheldraht der bessere Rosenkranz. Christus hat auch eine Dornenkrone getragen, kein Baumwolltuch. Vielleicht sollte man spätestens beim Beten aufhören, sich das Leben so ergonomisch wie möglich zu gestalten. Wer nebenbei beten kann, der betet vielleicht gar nicht. Der sollte es lieber lassen und das Fluchen üben.
Ist das vielleicht der Versuch, es sich leicht zu machen? Mit dem Beten und der Kontemplation. Das hat zwar etwas mit sich-verlieren zu tun. Aber man muss sich dann ja, wenn man sich verloren hat, auch wiederfinden. Und das ist schwer. Das ist schon nicht leicht, wenn man weiß wo und wie man ist. Aber richtig schwer ist es, wenn man das nicht mehr weiß.
Wie gesagt, ich verstehe nichts von Rosenkränzen.
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Geschrieben: März 6th, 2010 unter mittel, Paralipomena












Kommentar von Alice
Datum/Uhrzeit 9. März 2010 um 11:49
Liebe Alea,
ob es einen Rosenkranz aus Stacheldraht gibt, weiß ich nicht, aber es gab einen hinter Stacheldraht: Im Konzentrationslager Dachau fand sich ein Rosenkranz, dessen Perlen aus Brotkrumen geformt waren. Die Perlen waren auf aus der Häftlingskleidung gezogenen Fäden aufgefädelt.
Herzlichst, Alice