17 Februar 2010
Der kleine Unterschied
Ich will Sport machen. Laufen scheint mir den geringsten Aufwand zu erfordern. Schuhe anziehen und loslaufen. Ich wohne in der Nähe eines Parks. Alle Menschen in Berlin wohnen in der Nähe eines Parks. Park ist bei mir übertrieben, die nächste Graduierung nach unten hieße wohl Grünstreifen, aber Grün ist in dem betreffenden Fall leider total falsch. Das liegt nicht an der Jahreszeit. Dieser Grünstreifen heißt Mauerpark und so sieht er auch aus. Als wenn da Mauern wachsen. Da stand mal eine Mauer. Die Mauer, die alle in Berlin “die Mauer” nennen, und die die Welt in Ost und West geteilt hat. Jetzt ist da nur noch dieser Mauerstreifen der absolut keine Ähnlichkeit mit Park hat. Allerdings auch keine mit Ost und West.Vielleicht ist das der höhere Sinn dieses Mauerparks: jede Erinnerung auszulöschen. Da laufen jedenfalls massenhaft Menschen. Ich müsste mich lediglich einreihen. Mit den Laufschuhen klingt das bei einem der führenden Hersteller von Laufschuhen (so die Worte des Verkäufers) folgendermaßen:
„Die Composite Parallel Wave von Mizuno SmoothRide Engineering: Im Fersenbereich bietet VS-1 eine optimale Dämpfung, die Wave Platte aus Pebax® bis in den Mittelfuß sorgt für ein dynamisches und geräuscharmes Abrollverhalten. Die neu entwickelte DynaMotion Fit Technologie garantiert einen optimalen Sitz während des gesamten Abrollvorgangs. Um den biomechanischen Unterschieden weiblicher und männlicher Laufstile besser Rechnung zu tragen, wurden die Außen- und Zwischensohlen den unterschiedlichen Krafteinwirkungen und Achs-Geometrien entsprechend neu konfiguriert. Dank Gender Engineering berücksichtigt der Wave Rider 12 nun auch die kleinen Unterschiede zwischen Mann und Frau.“
Ich bin nicht ganz sicher, ob Gender Engineering das richtige für mich ist. Und die kleinen Unterschiede zwischen Mann und Frau hatte ich auch nicht gerade in der Biomechanik und im geräuscharmen Abrollverhalten verortet. Vielleicht entscheide ich mich doch noch für Yoga.
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Geschrieben: Februar 17th, 2010 unter mittel, Paralipomena












Kommentar von ANH
Datum/Uhrzeit 19. Februar 2010 um 11:00
Das enzückt um ein Weitres meinen Tag: “Ich bin nicht ganz sicher, ob Gender Engineering das richtige für mich ist.” Vor allem, wenn bedacht wird, daß dieses Ingenieuren zum Fetisch die Äquivalenzform hat, – welche Bemerkung wiederum zur Mauer paßt. Hoffe ich.
(Bei dem “nur einen” Wort, das ich angeben soll, entschied ich mich spontan für tomcats. Mal sehn, ob man mich damit durchläßt.)