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  • 03 Januar 2010

    Das Kronos Projekt

    Die längste Zugfahrt der Welt: das Kronos Projekt. Ich enthalte mich zum großen Teil eigener Worte und greife auf Texte zurück, die das (künstlerische) Projekt selbst zur Verfügung stellt.

    Ende der zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhundert begonnen, gibt es Hinweise darauf, dass das Experiment noch heute andauert. Die ersten Versuche haben etwas Mitte der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts stattgefunden. Versuche mit sogenannten antichronischen Vehikeln, die wahrscheinlich auf dem Gelände der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt ausgeführt worden.

    Von der Öffentlichkeit abgeschirmt, da man wohl die Beunruhigung der Berliner Bevölkerung befürchtete als auch aus Erwägungen der Rüstungsindustrie wurden die unterirdischen Tunnelanlagen der Berliner U-Bahn, in der Nähe der U-Bahnstation Rathaus Steglitz genutzt. Aus Kostengründen wurden alte Tunnelanlagen der bis heute nicht realisierten U-10 genutzt, als Trajekt wurde auf einen gebräuchlichen U-Bahnwaggon zurückgegriffen, der entsprechend aufwändig umgebaut wurde:

    „Der Wagen wurde verkürzt und elektrisch hermetisch abgeschlossen, d.h. er funktionierte nach dem Prinzip eines doppelt gesicherten Faradayschen Käfigs. Fenster wurden entfernt und mit Eisen-Asbest-Verbundplatten verschlossen. Lediglich vorn befand sich eine mit einem Drehverschluß versehene Einstiegsluke, die nur von außen zu öffnen war. Der gesamte Wagen war mit einem lichtabsorbierenden schwarzen Teer-Lithium-Anstrich versehen. An Stelle der Räder wurden paddelartige Excenter montiert, die für eine annähernd in der Form einer Sinuskurve verlaufende Bewegung sorgten. Angetrieben wurden diese durch einen Synchronmotor, der wiederum primär durch damals gänzlich neuartige Radium-Isotopen-Batterien gespeist wurden. Offensichtlich wurde aber auch bereits eine sekundäre Energieversorgung mittels sogenannter induktiver Lorentz-Transformatoren (elektrodynamische Zug-Druck-Pumpen) installiert.”

    Der geplante Versuch wurden mit Freiwilligen besetzt. Den Insassen war, und ist es bis heute, nicht möglich Einfluss auf den Verlauf des Experimentes zu nehmen.

    Die Wirkungsweise des Kronos-Gerätes bestand darin, einen Körper mit einer großen Masse in eine gleichförmige, vertikal schwingende und asymptotisch gegen null gehende Bewegung zu versetzen.

    „Die Bewegung des Körpermittelpunktes, wo sich der sogenannte Resonator (ein mit etwa 105 Kilogramm Quecksilber gefüllter Zylinder aus hochreinem Kupfer mit Osmium-Versiegelung) befand, entsprach dabei der einer epsilon-verzerrten Sinuskurve. Die Anfangsgeschwindigkeit des Gerätes betrug lediglich 4 mm pro Tag. Durch ein komplexes Rückkopplungsverfahren nach dem Phasenverschiebungsindex des Bode-Diagramms sollte die Geschwindigkeit dem quantenphysikalischen Resonanzverhalten des Higgs-Feldes automatisch angepaßt werden. Um eine Resonzkatastrophe zu vermeiden, mußte durch eine Verzögerungs-Entkopplung die resultierende entzerrte Geschwindigkeit um den Faktor 0,000034 verändert werden.
    Die nach einer bestimmten Zeit diskret durch spontane Symmetriebrechung auftretenden Interferenzen mit dem Higgs-Feld führen zu einer lokalen Verkrümmung des Raum-Zeit-Kontinuums. Es kommt zu einer Veränderung der Lagrange-Dichte der globalen Dimensionalität und in dessen direkter Konsequenz zu einer signifikanten stabilen Abweichung von der Realzeitachse. Dieser Effekt, der auch bei Geschwindigkeiten nahe der Lichtgeschwindigkeit eintritt, hier aber enorme Energiemengen benötigt, führt innerhalb der bewegten Entität quasi zu einer Verlangsamung des Zeitablaufs bis hin zum Zeitstillstand. Daneben verringert sich die lokale Masse der bewegten Objekte bis gegen null, da die Trägheitspartikel keine Reibungsverluste mehr aufweisen. Möglicherweise wird sogar durch Bosonen-stabilisiertes Flatterverhalten eine Umkehr des Zeitpfeils ermöglicht, dies wurde im Kronos-Gerät aber primär nicht angestrebt. Aus der Menge des verwandten Quecksilbers und der Nullgeschwindigkeit läßt sich ein interpolierter Verlangsamungsfaktor von F=112.000 ableiten.”

    Da das Kronos Gerät bis heute nicht aufgefunden wurde, wird vermutet, dass es noch immer unterwegs sein könnte.

    „Dazu existieren heute 3 verschiedene Erklärungsmodelle. Einmal wird vermutet, daß sich das Gerät optisch um den Verlangsamungsfaktor F=112.000 zusammengezogen hat und damit nur noch eine Stärke von etwa 0,05 mm in Längsrichtung aufweist. Die zweite Theorie basiert ebenfalls auf einer Längenänderung, geht jedoch von einer entsprechenden Verlängerung um den Faktor F, einhergehend mit einer gleichzeitigen optischen Verdünnung, aus. Das würde bedeuten, daß das Gerät für Außenstehende eine Länge von etwa 1.200 km hätte, jedoch aus einer extrem verdünnten, quasi ätherischen Substanz bestünde. Die dritte Theorie, der geometrische Ansatz, geht davon aus, daß sich das Gerät in einem verzerrten Raum-Zeit-Kontinuum sich praktisch hinter dem Raum-Zeit-Horizont befindet und deshalb nicht sichtbar ist.”

    „Nachdem das Projekt ohne öffentliche Verlautbarung wohl Mitte April 1926 gestartet wurde, sollen die entsprechenden Tunnelsegmente versiegelt worden sein. Da sich bereits 22 Minuten nach Beginn des Experimentes die für Zeitdilatationen typischen auratischen Lichterscheinungen an den Ableitungsbolzen zeigten, konnte von einem erfolgreichen Start des Vorhabens ausgegangen werden. Vorgesehen war es, den Großversuch über einen Zeitraum von 10 Jahren laufen zu lassen. Nach dem berechneten Verlangsamungsfaktor F sollte dann für die Probanden erst eine reichliche Stunde vergangen sein. In regelmäßigen Zeitabständen wurde versucht, einen akustischen Fernkontakt zu den Probanden herzustellen. Während in den ersten Minuten des Versuchs noch artikulierte Laute vernehmbar waren, konnte man später nur mittels komplexer Tonbeschleunigungsverfahren verzerrte Lebenszeichen empfangen. Die Arbeitsgruppe “Entschleunigungsbahn Steglitz” wurde nach dem Beginn des Experimentes stark reduziert. Durch personelle Fluktuation und Etateinschränkungen im Zuge der wirtschaftlichen Notlage Ende der 20er Jahre wurde die wissenschaftliche Begleitung des Projekts weiter eingeschränkt und schließlich im Zuge der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 als ein Produkt der diffamierten sogenannten “jüdischen” Physik Einsteins eingestellt. Es darf jedoch vermutet werden, daß es der verkleinerten Arbeitsgruppe noch bis 1932 gelang, eine externe sekundäre Energieversorgung entlang der Versuchsstrecke zu vervollständigen. Diese basierte auf induktionsgepumpten Druck-Zug-Adaptern, welche aus Gründen der Praktikabilität in den heute als U-Bahnhöfen genutzten Stationen Rathaus Steglitz und Schloßstraße installiert worden. Mit diesen Geräten, die an das energetische Netz der Berliner U-Bahn angeschlossen waren, war es technisch so möglich, den Ablauf des Kronos-Projekts autonom zu gewährleisten (bei kurzzeitigen Ausfällen greift das System automatisch auf die eigenen Radio-Isotopen-Batterien zurück). Wenn man bedenkt, daß das Berliner U-Bahnstromnetz selbst während schwerer Bombardierungen und im Endkampf um Berlin 1945 nur sehr geringe Ausfälle zu verzeichnen hatte, muß man davon ausgehen, daß die Energieversorgung des Kronos-Gerätes permanent gewährleistet war und ist. Durch das Heereswaffenamt gab es 1943 einen dokumentierten Versuch (Anlage eines “Kennblattes”), auf das Projekt zurückzugreifen und eine eventuelle militärische oder politische Nutzung in Erwägung zu ziehen. Es sind aber keine diesbezüglichen Konsequenzen oder Entwicklungen bekannt. Nach der Besetzung Berlins durch die Rote Armee im April 1945 suchte eine Arbeitsgruppe des NKWD unter Major J. S. Smertschinsky intensiv nach dem Verbleib des Gerätes. Kenntnis hatte die sowjetische Seite wahrscheinlich, wie weiter oben bereits angedeutet, durch den früh in die Vorbereitung des Projekts involvierten späteren Generals von Niedermayer, der 1948 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft verstarb. Darüber hinaus gab es wohl mehrfach Berichte von Angehörigen des sowjetischen 6. Garde-Panzerkorps, welches in Wilmersdorf / Steglitz in nördlicher Richtung angriff, über eigentümliche bläuliche Lichterscheinungen an Panzerkanonen, worauf die Soldaten den Einsatz neuartiger deutscher Strahlenwaffen vermuteten.
    Obwohl seitens der Sowjetbehörden einiger Aufwand betrieben wurde, konnte das Kronos-Gerät weder gefunden noch geborgen werden. Die im Juli 1945 in den Berliner Südwesten einrückenden US-amerikanische Truppen zeigten kein Interesse an Nachforschungen zum Kronos-Gerät. Durch die Notlage der Nachkriegslage und den Tod zahlreicher in die Entwicklung des Projekts beteiligter Personen geriet das Projekt nun immer mehr in Vergessenheit.”

    In diesem Video ist die Entscheunigungsbahn zu sehen, wie sie (möglicherweise) seit vielen Jahren im Berliner Untergrund unterwegs ist.

    Es handelt sich hierbei um ein künstlerisches Porjekt, an dem man wunderbar die Vermischung von Realität und Fiktion beobachten kann. Oder auch nicht beobachten kann. Sondern nur vermuten. Ahnen. Argwöhnen.

    Hier.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.



    Kommentare

    Kommentar von JesusJerkoff
    Datum/Uhrzeit 3. Januar 2010 um 22:19

    Liebe Aléa,

    argwöhnen. 150 bis 300 Milligramm Quecksilber inkorporal und Sie sind tot. Äußerst unwahrscheinlich, davon “etwa 105″ Kilogramm zu erwerben und dann ein Genaues 0.000034 als Abweichung zu errechnen und definieren. Aber die Idee ist interessant ;-)

    Herzlich
    rolf

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 3. Januar 2010 um 22:51

    Lieber Rolf,

    das ist nicht meine Idee, sondern ein künstlerisches Projekt, das in der Berliner U-Bahn plaktatiert wird. Da ich viele der naturwissenschaftlichen Ingrendenzien nicht nachvollziehen konnte, habe ich mir zu einem mehr oder minder langen Zitat entschlossen.

    Kommentar von alice
    Datum/Uhrzeit 4. Januar 2010 um 16:15

    Liebe Aléa,

    was für eine wunderbar skurrile, absurde und gerade dadurch erhellende Geschichte / Metapher haben Sie da für Ihre Leser aufgetan: Komplizierteste Berechnungen sind vonnöten, absolute Abschottung erforderlich, dazu eine monströse eiserne Maschine (die mich an den Film “Metropolis” erinnert), um – wenn denn das Experiment gelänge -den “modernen” Menschen aus der fortschreitenden Lebens-Beschleunigung zu befreien. Der Preis ist das eigene Leben.

    Entschleunigen gelingt nachhaltig nur von innen nach außen und nicht umgekehrt. Es erfordert die Entscheidung, aus dem Strom herauszutreten, mein Zeitmaß zu spüren, es als das richtige für MICH anzunehmen und ihm Raum in meinem Leben zu geben: “Ich bin mir selbst ein Freund. Ich nehme ernst, was ich denke und empfinde. Die Zeit, die ich dafür brauche, ist nie vertan. Dasselbe gestehe ich auch anderen zu.” (John Franklin in Stan Nadolny: Die Entdeckung der Langsamkeit).

    Ich wünsche Ihnen und den Menschen, die Ihnen am Herzen liegen, ein segensreiches und glückliches Neues Jahr.

    Herzlichst, Ihre Alice

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 4. Januar 2010 um 23:15

    Liebe Alice,

    nur ganz kurz (ich stecke bis zum Hals in Arbeit, aber gute Arbeit, positiver Stress, wie man das wohl nennt).

    Was mir an dem Projekt gefallen hat, war gerade die Unmöglichkeit einer Unterscheidung von Fiktion und Realität. Mit (scheinbar) mathematischer Genauigkeit wird da etwas (womöglich) vollkommen Irreales vorgeführt. Liegen Kunst und Mathematik wirklich so weit voneinander entfernt? Sind Genauigkeit der objektiven Wissenschaften und die Ungenauigkeit der Poesie und der Kunst wirklich einander ausschließende Positionen? Eigentlich müsste ich mir sehr ausführlich Gedanken drüber machen, aber ich kann mich jetzt nicht ablenken lassen und verschiebe das auf einen späteren Zeitpunkt.

    Ich bedanke mich für die guten Wünsche und wünsche Ihnen dasselbe. Demnächst habe ich mal wieder mehr Zeit.

    Ich lese übrigens als nächstes Clemens Setz, „Die Frequenzen“. Ich habe gute Sachen gehört und freue mich auf die Lektüre.

    Sind Sie eigentlich noch mit „Unendlicher Spaß“ zugange?

    Kommentar von Alice
    Datum/Uhrzeit 6. Januar 2010 um 01:35

    Liebe Aléa,

    zum Später-lesen, wenn Sie Lust und Zeit haben, ein paar Impulse, nur unzulänglich verbunden:

    Die Frage nach den Berührungspunkten oder Schnittmengen von Naturwissenschaft auf der einen und Poesie und Kunst auf der anderen Seite ist in der Tat eine spannende Frage.
    In der frühkindlichen Entwicklung treffen ja bereits beide Komponenten aufeinander. Dazu ein Mini-Exkurs in neurobiologische Gefilde: Jeder Mensch verfügt über 10 – 100 Milliarden Neuronen, die bei der Geburt bereits komplett ausgebildet sind. Was zu diesem Zeitpunkt noch fast völlig fehlt, sind funktionsfähige Verbindungen zwischen ihnen (jedes Neuron bildet 10.000 bis 100.000 synaptische Kontakte zu anderen Neuronen aus), diese Verbindungen sind notwendig, um von bloßer Wahrnehmung zu Erkenntnis zu gelangen. Neuronale Verknüpfungen entstehen durch Lernen im Sinne eines kreativen, individuellen und – wenn Sie so wollen – poetischen (im Sinne von schöpferisch / ver-dichtend) Gestaltungsprozesses. Jedes auf diese Weise entstehende neuronale Netzwerk ist einmalig und unverwechselbar und repräsentiert das Weltkonstrukt, das heißt, die Realität des jeweiligen Individuums (also ein Kunst-Werk im Wortsinn).

    Herzlich, Ihre Alice

    PS. Danke für den Buchtipp, das ist immer Gold wert! Und zum Unendlichen Spaß (wie nett, dass Sie das behalten habe, dass ich so „hinterher lese“): Er ist mir zu schwer (kilomäßig) und zu anstrengend, meine Zeitfenster sind im Moment zu klein um wirklich hineinzufinden. Also er liegt auf Abruf (Sommerferien?) quer im Bücherregal. Das, was ich gelesen habe, hat mich fasziniert, sprachlich, inhaltlich; welch tiefen Blick hatte Wallace auf die Menschen…!

    Kommentar von Alice
    Datum/Uhrzeit 6. Januar 2010 um 13:26

    Kleine Ergänzung

    Von daher bildet das Kronos-Projekt die neuronalen Vorgänge individueller Weltkonstruktion sehr gut ab: es spielt mit Fiktion und Wirklichkeit, driftet in einem changierenden Zwischenbereich, der dem Beobachter (Leser/ Betrachter) ein weites Spielfeld für eigene Denk-, Handlungs-, und Schöpfungsprozesse eröffnet.

    Gruß, Alice (die sich eigentlich um eine Neuerfindung ihrer nicht mehr aktuellen Website kümmern müsste, sich aber gerne ablenken lässt und dabei feststellt, dass Ablenkung ein durchaus produktives, weil belebendes Potential bereithält)

    Kleine Ergänzung

    Von daher bildet das Kronos-Projekt die neuronalen Vorgänge individueller Weltkonstruktion sehr gut ab: es spielt mit Fiktion und Wirklichkeit, treidelt in einem changierenden Zwischen-bereich (wie ein Kipp-Bild), der dem Beobachter (Leser/ Betrachter) ein weites Spielfeld für eigene Denk-, Handlungs-, und Schöpfungsprozesse eröffnet.

    Gruß, Alice (die sich eigentlich um eine Neuerfindung ihrer nicht mehr aktuellen Website kümmern müsste, sich aber gerne ablenken lässt und dabei feststellt, dass Ablenkung ein durchaus produktives, weil belebendes Potential bereitshält)

    Kommentar von Christoph
    Datum/Uhrzeit 17. Januar 2010 um 19:51

    Liebe Aléa,

    diese Idee finde ich interessant. Leider ist die Umsetzung furchtbar. Der Text oben ist nur Bling-bling. Da hat jemand das Wikipedia Physik-Portal aufgerufen und sich dort auf die Suche nach Begriffen gemacht, die möglichst fancy klingen, und die dann in willkürlicher Abfolge zu einem Text zusammengesetzt hat. Vergleicht man das mit “Phantastischen Fahrten” von Poe oder Verne, dann ist hier nicht einmal der Versuch unternommen worden dem Projekt einen Anschein von Wahrscheinlichkeit zu geben. Das ist umso bedauerlicher, da ja das Video und die Photos auf der Seite des Kronos-Projekts durchaus glaubhaft wirken.

    Schöne grüße
    Christoph

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 17. Januar 2010 um 23:04

    Lieber Christoph,

    vielen Dank für deinen Kommentar.

    Ich muss zugestehen, ich habe die ganze Angelegenheit nicht auf ihre mathematische oder physikalische Richtigkeit geprüft. Das wär aussichtslos gewesen. Ich habe hier auch etwas getan, was ich selten tue, im Grunde nämlich nur moderiert. Das alle ist mehr oder weniger Zitat von der angegebenen Webseite. Das war eine Notlösung, weil ich zu wenig davon verstanden habe.

    Was mich bei dem Projekt gereizt hat, war eher der Aspekt der Wahrscheinlichkeit: es sieht sehr wahrscheinlich aus, es werden Namen genannt, es wird Physik und Zeitgeschichte vorgebracht, und dennoch ist es ein künstlerisches Projekt. Und in der Kunst zählt die Wahrscheinlichkeit nicht viel. Und dennoch gibt es da einen Übergangsbereich, wo Physik und Kunst sich treffen. Das ist ein Spiel mit dem Begriff der Wahrscheinlichkeit. Ich kann das gerade nicht gut in Worte fassen, aber die Kunst, dieses eine Kunstwerk, verhält sich als sei sie realistisch, als sei es Mathematik, Physik, Zeitgeschichte. Als sei es überpüfbar und verifizierbar. Als müsse es nur nachgerechnet werden. Und dabei entzieht es sich alledem vollkommen. Es sieht realistisch aus ist aber vollkommern erfunden. Erfindung und Wahrheit treffen sich in der Mitte: bei der Wahrscheinlichkeit. Bist du Mathematiker? Verstehst du etwas von Wahrscheinlichkeitsrechnung?

    Dennoch, da sind wir wohl einer Meinung, wäre es schöner gewesen, wenn das physikalisch richtig wäre.

    Aléa

    Kommentar von Christoph
    Datum/Uhrzeit 21. Januar 2010 um 03:17

    Liebe Aléa,

    ich versuche mein Punkt ein wenig zu präzisieren.
    Es geht darum, daß jemand versucht mich zu überzeugen, daß ein mechanisches
    Ungetüm durch die Berliner U-Bahnschächte schleicht.
    Die Existenz von solch einem Monstrum lässt sich, da niemand das Gefährt gesehen hat,
    nicht beweisen.
    Es macht aber keinen Unterschied ob die Geschichte wahr ist, oder ob ich dies nur glaube.
    Es genügt also sie mir mit möglichst schlagkräftigen Indizien glaubhaft zu machen.
    Dazu gibt es das Archiv mit Portraits der beteiligten
    Wissenschaftlern und Ingenieuren, Abbildungen von den wichtigsten technischen Bauteilen,
    eine Konstruktionsskizze und schließlich sogar ein Photo von dem Team vor dem Kronos-Gerät.
    Keine dieser Abbildungen liefert mir einen Grund an der Geschichte zu zweifeln, ich beginne also dem ganzen eine echte Wahrscheinlichkeit einzuräumen.
    Dann komme ich zu dem Punkt an dem ich die Einzelteile zusammensetzen will, dazu braucht
    es aber ein Hilfsmittel. In diesem Fall wäre das, es handelt sich ja um ein physikalisches
    Experiment, eine Erläuterung des Ziels und der Methode. Das Ziel des Experiments ist so gut beschrieben, daß auch für jemanden der mit der dort beschriebenen Physik vetraut ist
    die Hypothese nicht abwegig erscheint. Das trifft aber leider nicht auf die Beschreibung der Methode zu.
    Mir geht es nicht darum, daß es physikalisch richtig ist, es sollte nur den Anschein
    erwecken.
    Es gibt eine Geschichte von Poe, die schön illustriert was ich sagen will.
    Es wird beschrieben wie ein gewisser Hans Pfaall in einem Ballon zum Mond fährt.
    Er muß vor Reiseantritt viele Probleme lösen: Auftrieb des Ballons, Sauerstoffversorgung etc.
    Dazu baut er einige Apparaturen, deren Funktionsweise ausführlichst beschrieben werden. Gleichzeitig bleibt Poe aber gerade an den richtigen Stellen vage, so daß die Grenze von Physik und Fiktion im Schatten verläuft.

    Christoph

    P.S Die Frage nach der Beziehung von Kunst und objektiven Wissenschaften ist etwas was mich, als ein an Kunst interessierter Mathematiker, sehr beschäftigt. Wenn du dir darüber Gedanken machst, würde ich mich über einen Beitrag darüber in deinem Blog freuen.

    Kommentar von Alice
    Datum/Uhrzeit 23. Januar 2010 um 13:09

    Lieber Christoph, ich weiß, Sie warten auf eine Antwort von Aléa, aber da diese gerade auf der Suche nach ihrem Privatleben ist (was ihr von Herzen gegönnt sei) , erlaube ich mir – sozusagen als Pausenfüller – eine kleine Anmerkung zu Ihrer Frage: Für mich ist Mathematik (auch) Kunst, indem sie über das Alltägliche hinausreicht und Perspektiven über alles Erfahrbare hinaus eröffnet. So erinnere ich mich zum Beispiel daran, wie ich als Schülerin fasziniert war von dem Bild der Parabel, die – aus der Unendlichkeit kommend – für die Dauer eines Augenblicks die x-Achse berührt und wieder zurück in die Unendlichkeit strebt. Da war auf einmal Sphärenmusik in der Schulstube.

    Gruß, Alice

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 23. Januar 2010 um 15:16

    Lieber Christoph,

    den Punkt, den du betonen wolltest, den hatte ich auch so verstanden. Dennoch freue ich mich, dass du das hier noch einmal dargestellt hast. Ich würde nur an einer einzigen Stelle widersprechen wollen: das Sehen ist nicht die einzige Möglichkeit eine sinnliche Erfahrung zu machen. Nur, weil wir dieses Gefährt noch nie gesehen haben, heißt das nicht, dass es das nicht gibt. Oder hast du, als Mathematiker, schon mal die Maxwellschen Dämonen gesehen? Vielmehr basiert dieses Projekt ja gerade auf einem seltsamen Umkehrschluss: es bewegt sich so langsam, das wir es nicht sehen können. Und das bedeutet, es gibt dieses Kronosgefährt, weil (1) wir es noch nie gesehen haben. Und das wieder läßt den Umkehrschluss zu: Hätten wir das gesehen, würde es das nicht geben.

    Ich denke nicht über über Kunst und Mathematik nach, dazu habe ich nicht die Fähigkeiten. Was mich beispielsweise interessiert ist die Frage, ob Mathematik und Kunst nicht gewisse Ähnlichkeiten aufweisen können. Aber ich meine das in einem ganz abstrakten Sinne und ich bin nicht sicher, ob dir als Mathematiker das etwas sagen würde. Vielleicht wärst du da doch etwas enttäuscht. Ich finde beispielsweise die Mandelbrot`schen Mengen und Figuren sehr interessant, diese Mathmetik von selbstähnlichen Mengen und Untermengen. Aber ich finde auch, dass es sich um Kunst handelt, weil der Begriff der Ähnlichkeit, ein ästhetisches Fundament hat, kein mathematisches. Richtige Gedanken habe ich mir allerdings nicht darüber gemacht. In meinem Hinterkopf habe ich den Plan, etwas über Poetische Genauigkeit zu schreiben. Eine Genauigkeit, die gerade nicht in Exaktheit besteht. Aber das schaffe ich gerade nicht.

    Eine Frage bitte: wie hast du dieses Blog gefunden?

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 23. Januar 2010 um 15:18

    Liebe Alice,

    Ich bin sehr froh, wenn nicht ich der Mittelpunkt dieses Blogs bin, sondern wenn hier (eines Tages vielleicht) auch ohne mich so etwas wie Gespräche und Diskussionen stattfinden. Von daher finde ich es sehr schön, wenn du jetzt das Gespräch mit Christoph suchst.

    Kommentar von Christoph
    Datum/Uhrzeit 1. Februar 2010 um 04:30

    Liebe Alice,

    vielen Dank für Ihre Anmerkung. Ich hoffe Sie sehen es mir nach, daß ich Ihnen bisher nicht geantwortet habe, aber ich habe in der letzten Zeit viel gearbeitet und mag danach nicht vor dem Bildschirm sitzen.

    Die Schilderung Ihrer Eindrücke beim Anblick
    der Parabel im Schulunterricht finde ich sehr
    erstaunlich. Ich habe das noch nie aus dieser, wie ich finde, leicht melancholischen Perspektive wahrgenommen. Das ist eine vollkommen andere Betrachtungsweise als bei mir.

    Christoph

    Kommentar von Christoph
    Datum/Uhrzeit 1. Februar 2010 um 05:36

    Liebe Aléa,

    auf dein Blog bin ich gestoßen als ich vor
    kurzem “Unendlicher Spass” gelesen habe.
    Ich habe gelegentlich auf unendlicherspass.de
    gestöbert und mir haben da deine Beiträge
    gefallen…

    Zu deinem Post möchte ich noch eine Anmerkung machen. Du sagst, daß der Begriff der Ähnlichkeit auf der Ästhetik begründet ist.
    Ich sehe das genau andersrum. Ähnlichkeit ist eine spezielle Form der Symmetrie. Die Suche nach Symmetrien bzw Struktur scheint mir tief
    im menschlichen Denken verankert zu sein.
    Die ganze Mathematik z.B. basiert auf dem Konzept der Symmetrie/Struktur und auch die Ästhetik enstammt davon.

    Christoph