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  • Silvia Kühnel: Lieber Claus, habe schon mal vor einigen Jahren geschrieben, weil ich die Idee mit der Kunstfigur gut finde. Ein frohes Fest und ein gutes neues Jahr und viel Freude mit dem Stipendium. Silvia (Buchhändlerin in Dortmund)
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  • nadine schmid: Ich habe mit Thien an der Uni Koeln studiert. Wir ware zeitweise befreundet, aber ich hatte wenig verstaendnis fuer seinen ‘Mangel’ am akademischen Streben und habe, trotz meiner Anerkennung seines Talents, sein Lebensziel, aus seiner Dichtung etwas zu machen, als...
  • bersarin: Es muß natürlich, entdecke ich beim zweiten Lesen, Monika Rinck heißen. Ich kann mir Namen nie merken.
  • Aléa Torik: Ja, Bersarin, seinerzeit hat‘s ziemlich gut funktioniert: es war Literatur und die Leute waren mittendrin. Manche, ohne es zu merken. Manche haben hinterher zufrieden gelächelt, weil sie bei etwas Neuem mitgemacht haben. Oder weil sie selbst zu einer Art literarischer Figur dadurch...
  • bersarin: Literarisches Bloggen, liebe Aléa Torik, funktioniert durchaus. Freilich nur bei den wenigsten. Das meiste, was geschrieben wird, stammt aus dem Klein-Klein der Halbgarküchen, ist Poesiealbumsprosa von Minderleistern, Befindlichkeitsscheiße ohne Form. Ich schreibe dahingehend und als...
  • Aléa Torik: Never ride a dead horse – das hätte auch als Überschrift dieses Beitrags herhalten können. Gestern Nacht bin ich mit dem Rad 35 km durch das ausgestorbene Berlin gefahren, bis weit jenseits der Stadtgrenze. Da ich ziemlich kaputt war, konnte ich dabei nichts denken, aber wenn...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, Du hast überschüssige Energie!? Da werden Dich viele drum beneiden, umso besser also, wenn sie in etwas fließt, was Sinn zu machen verspricht. Was soll man also dazu sagen? Ich sage: Es lebe die Literatur! Und Gratulation natürlich zum vollzogenen Ausstieg aus...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, verflixt, hab‘ ich schon wieder Recht? Ich kann sagen, was ich will, ich habe immer recht. Dabei schrieb ich das eigentlich, um zu provozieren. Entweder lässt sich keiner provozieren oder die Provokation im Netz ist so allgegenwärtig, dass man zu ganz anderen Kalibern...
  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, da triffst Du mal wieder den Nagel auf den Kopf wie die Faust das Auge: fiktional und ein Sein als solches hat ein literarisches Blog zu sein und nicht einfach noch ein weiterer Mitspieler auf dem Markt- und Kampfplatz realer Eitelkeiten. Als Schriftsteller:in...
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  • Aléa Torik: Dann bin ich gespannt, was du von dem Essay hältst.
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  • Aléa Torik: Lieber holio, ganz verstehen kann ich die Ottos und Ottisten ja tatsächlich nicht. Vielleicht ist das so, dass Otto und Otta, was ihr Leseverhalten betrifft, auch nicht ganz schlau aus sich werden. Sie greifen immer nur nach dem, wonach auch die anderen greifen. Das zeichnet die...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, man ist ja einiges gewöhnt bei den Autoren. Was die alles tun, um gelesen zu werden, beispielsweise das Schreiben seltsamer Bücher. Ich fände es allerdings doch etwas übertrieben, wenn sich ein Autor nach dem Schreiben seines Buchs sogleich aus dem Leben verabschiedet:...
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  • Norbert W. Schlinkert: Liebe Aléa, noch habe ich Deinen Essay ja nicht gelesen – kommt aber noch! Bin gespannt wie ein Flitzebogen! Und was meine durch eigenes Lesen hervorgerufene Belebung von Texten inzwischen leiblich von uns gegangener Autor:inn:en angeht, so ist es nicht Trost, den ich da...
  • Aléa Torik: Lieber holio, Sie haben recht, die Politik lassen wir hier außen vor. Richtig glücklich bin ja auch nicht mit dem Etikett der Postmoderne. Aber irgendwie müssen wir es ja benennen. Sagen wir Transmoderne. Die wesentliche Information ist allerdings angekommen, schon lange: dass Sie...
  • Aléa Torik: Lieber Norbert, fein, dass ich dich zum Assoziieren bringe. Dass steter Tropfen den Stein höhlt, habe ich bisweilen schon gehört. Aber hat mal jemand gefragt, was mit all den ausgehöhlten Steinen anzufangen ist? Wozu Steine höhlen? Was Cărtărescu betrifft, ich habe es in dem Essay...

  • Archiv vom Januar, 2010

    31 Januar 2010

    Des Weibes Leib ist ein Gedicht

    Ich lebe mit Olga zusammen in einer Drei-Zimmer-Wohnung. Gestern Abend waren wir zum Kochen verabredet. Wir hatten das einen Tag zuvor besprochen und sind sogar gemeinsam einkaufen gegangen. Um sieben sollte es bei uns in der Küche losgehen. Obwohl wir in derselben Wohnung wohnen, führen wir verschiedene Leben. Und wir haben auch verschiedene Auffassungen vom Leben. Aber wir verstehen uns gut. Wir lachen viel. Gestern kurz vor sechs Uhr bekomme ich eine SMS: „Baby, ich kann nicht“ steht da. Immer, wenn es ein Problem gibt, nennt Olga mich Baby. Und immer wenn es ein Problem gibt, hat das was mit Männern zu tun. Bei Olga hat alles was mit Männern zu tun.

    So ist die Lieb! So ist die Lieb!
    Mit Küssen nicht zu stillen:
    Wer ist der Tor und will ein Sieb
    Mit eitel Wasser füllen?
    Und schöpfst du an die tausend Jahr,
    Und küssest ewig, ewig gar,
    Du tust ihr nie zu Willen.

    Die Lieb, die Lieb hat alle Stund
    Neu wunderlich Gelüsten;
    Wir bissen uns die Lippen wund,
    Da wir uns heute küßten.
    Das Mädchen hielt in guter Ruh,
    Wie’s Lämmlein unterm Messer;
    Ihr Auge bat: nur immer zu,
    je weher, desto besser!

    So ist die Lieb, und war auch so,
    Wie lang es Liebe gibt,
    Und anders hat Herr Salomo,
    Der Weise, nicht geliebt.

    (Eduard Mörike, Nimmersatte Liebe)

    Warum sie nicht kann, hat sie nicht geschrieben. Es ärgerte mich, dass irgendein dahergelaufener Kerl wichtiger war, als unsere Verabredung zum Abendessen. Wir wohnen und wir leben immerhin zusammen. Da kann man ja wohl erwarten, dass man einmal in der Woche einen Abend miteinander am Tisch sitzt und sich eine oder zwei Stunden lang unterhält. Vielleicht ist genau das der Grund für die Absage, sie will sich nicht mit mir unterhalten. Vielleicht langweile ich sie? Als die SMS kam, wollte ich gerade meine Sachen zusammenpacken. Ich habe an dem Ort gesessen, wo ich am liebsten sitze, im Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum, der Bibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin.

    Die schlaue Dorilis hat Augen in dem Kopfe,
    so hat ein Luchs sie nicht;
    Man denkt, sie sieht uns ins Gesicht.
    Und sie sieht nach dem Hosenknopfe.

    (Gotthold Ephraim Lessing, Dorilis)

    Ich habe bestimmt zwei Minuten reglos auf das Display gestarrt. Ich konnte es nicht glauben. Dann habe ich meine Bücher zusammengepackt und die Bibliothek verlassen. Mein Tag war nicht sonderlich erfolgreich oder erfreulich, ich habe nicht viel von dem geschafft, was ich mir vorgenommen hatte. Meine Stimmung war nicht gut. Normalerweise bin ich nicht so abhängig davon, aber gestern war ich es. Die kurzfristige Absage hat das noch verstärkt. Ich wusste, als ich bei dem trüben Wetter draußen vor der Türe stand, ausnahmsweise einmal nichts mit mir anzufangen. Ich hätte auch auf der Stelle stehenbleiben können.

    Da hat mir plötzlich und mitten im Bett
    Eine Studentin der Jurisprudenz erklärt:
    Jungfernschaft sei, möglicherweise, ganz nett,
    besäße aber kaum noch Sammlerwert.

    Ich weiß natürlich, Daß sie nicht log.
    Weder als sie das sagte,
    noch als sie sich kenntnisreich rückwärts bog
    und nach meinem Befinden fragte.

    Sie hatte nur Angst vor dem Kind.
    Manchmal besucht sie mich noch.
    An der Stelle, wo andre moralisch sind,
    da ist bei ihr ein Loch…

    (Erich Kästner, Moralische Anatomie)

    Diese kurzfristige Absage ging mir nicht aus dem Kopf. Diese Art, mich abzustempeln, das verletzte mich. Zum Schlendern war nicht das richtige Wetter. Er regnete. Ich bin dann bei Dussmann gelandet und habe CDs und Bücher angeschaut. Ohne sie eigentlich zu sehen. Dann habe ich mich in einen der spärlich gesäten Sessel gesetzt. Ich hatte ein Buch in der Hand und blätterte von vorne nach hinten und wieder zurück. Das dauerte in bisschen, bis ich aus diesem Zustand der Enttäuschung und des Ärgers über Olga herausfand. Ich argwöhnte wieder einmal einen Mann dahinter. Obwohl ich es nicht wusste und es im Grunde auch keine Rolle spielte. Aber gerade der Mann störte mich an der Sache. Wenn sie wenigstens mit einer Frau verabredet gewesen wäre, dachte ich. Ich schaute mir das Buch etwas genauer an. „Des Weibes Leib ist ein Gedicht“ stand da.

    Des Weibes Leib ist ein Gedicht,
    Das Gott der Herr geschrieben
    Ins große Stammbuch der Natur,
    Als ihn der Geist getrieben.

    Ja, günstig war die Stunde ihm,
    Der Gott war hochbegeistert;
    Er hat den spröden, rebellischen Stoff
    Ganz künstlerisch bemeistert.

    Fürwahr, der Leib des Weibes ist
    Das Hohelied der Lieder;
    Gar wunderbare Strophen sind
    Die schlanken, weißen Glieder.

    O welche göttliche Idee
    Ist dieser Hals, der blanke,
    Worauf sich wiegt der kleine Kopf,
    Der lockige Hauptgedanke!

    Der Brüstchen Rosenknospen sind
    Epigrammatisch gefeilet;
    Unsäglich entzückend ist die Zäsur,
    Die streng den Busen teilet.

    Den plastischen Schöpfer offenbart
    Der Hüften Parallele;
    Der Zwischensatz mit dem Feigenblatt
    Ist auch eine schöne Stelle.

    Das ist kein abstraktes Begriffspoem!
    Das Lied hat Fleisch und Rippen,
    Hat Hand und Fuß; es lacht und küßt
    Mit schöngereimten Lippen.

    Hier atmet wahre Poesie!
    Anmut in jeder Wendung!
    Und auf der Stirne trägt das Lied
    Den Stempel der Vollendung.

    Lobsingen will ich dir, o Herr,
    Und dich im Staub anbeten!
    Wir sind nur Stümper gegen dich,
    Den himmlischen Poeten.

    Versenken will ich mich, o Herr,
    In deines Liedes Prächten;
    Ich widme seinem Studium
    Den Tag mitsamt den Nächten.

    Ja, Tag und Nacht studier ich dran,
    Will keine Zeit verlieren;
    Die Beine werden mir so dünn –
    Das kommt vom vielen Studieren.

    (Heinrich Heine, Das Hohelied)

    Olga ist ein bisschen lockerer als ich. Oder unbefangener. Sie kann mal eben mit jemandem ins Bett gehen und am nächsten Morgen geht sie wieder ihre eigenen Wege. Ich habe vor einigen Jahren gelernt, dass so etwas machbar ist. Ich habe es gelernt und kann‘s dennoch nicht. Oder ich will‘s nicht können. Aber ich merke, dass ich zu Olga herüber starre. Ich will sehen, was sie da macht. Oder wie sie das macht.

    Ich bin die Hure an der Bar,
    die ich vor hundert Jahren war.

    Ich bin was du vergessen hast.
    Der ausgestorbene Palast.

    Der Mund bin ich, der dich verzehrt.
    Ich bin die Nacht, die wiederkehrt.

    Ich war, ich werde sein, ich bin
    die maulbeerfarbne Negerin,

    das Meer, das dir zu Füßen schäumt.
    Ich bin der Hund, der von dir träumt.

    Das Haschisch bin ich, das du rauchst.
    Ich bin der Strom, den du verbrauchst.

    Der Tropf, an dem du hängst,
    der Haufen Geld, an den du denkst.

    Ich bin das Auge, das dich sieht,
    die Zarin, die vor dir hin kniet,

    Und die dich in die Wüste schickt.
    Ich bin der Stricher, der dich fickt.

    Ich bin dein Engels und dein Marx.
    Ich bin der Deckel deines Sargs,

    das Fleisch, das du zu Abend ißt.
    Ich bin dein Abgott und dein Mist.

    Ich bin, ich werde sein, ich war
    die Fledermaus in deinem Haar.

    (Hans Magnus Enzensberger, Ich bin was du vergessen hast)

    Ich ärgerte mich. Ich las da im Sessel sitzend Liebesgedichte, während Olga Liebe machte. Sicher war das ja nicht, aber ich stellte es mir so vor. Ich stellte mir ganz konkret Olga und einen gutaussehenden Mann im Bett vor. Bei Olga sind das immer gutaussehende Männer. Olga ist Model und das sieht man. Und die Männer, die sie so anschleppt, die sehen meistens ähnlich gut aus wie sie selbst. Ich stellte mir Olga beim Liebesspiel vor. Was man so Spiel nennt, das wird ja in der Regel auch schnell ernst. Bei mir jedenfalls. Ist das bei Olga anders? Berührt sie der Sex vielleicht gar nicht so sehr? Ich stellte mir Männerhände auf ihrem Frauenkörper vor. Ich ärgerte mich immer mehr. Ich regte mich auf. Ich erregte mich.

    Öl Schweiß Gerüche Schweißkolben Treppengeruch
    Bettgeruch da muß man die Hand die anfaßt umfaßt
    um Hartes um Weiches Metall Zebedäi reinschicken
    sich hin und her gerollt Kastanien Kopf ganz wie sagt

    man voll von schmutzigen schmutzige Phantasie ge-
    steigert zu dem Bedürfnis zu sagen von mannigfaltig
    Verwicklung in der sich konkret durch die Umstände
    auseinandergebogener Schenkel verrenkt Geschmack

    der Pulpa Klitorides Anastatica Hierochuntica Dös-
    chen zu bürsten es tun Nummer schieben Stoßgeschäft
    verkrampfte Vagina aus Angst Kinder zu kriegen die
    Sacknaht zu lecken die immer die gleiche Figur kopf-

    über verzerrt kürzer sich außer von unten geschraubter
    Hintern stumm sich verschiebende Phase verbraucht
    unverbraucht schlapp ausgehöhlt ausgearbeitet
    schwach besetzt und kräftig ausgebildet schwach aus-

    gebildet und kräftig besetzt sperrbeinig sperrfleischig
    Spalt spalten glatt kalt weich heiß Rückbezug Rücken-
    zug besonders ermüdend Ausschweifungen
    vor dem Spiegel Damenbesuch nur an Nachmittagen

    Schlüpfer- jagd als Ventil and the question as to how
    many times a night a man can do it is a favorite
    topic of grau still des Juli morgens Wand lila sperr-
    beinig auseinandergebogen talsohlenflach naß erschöpft

    was ist der des Sexuellen Tropfenglanz Zauber warum
    so gro ßen ersten Blicks dans des cas pareils
    sperrbeinig sperrbildrig fenstersturzläuternd c‘est
    toujours unbedacht blindlings die gleiche Sache

    (Helmut Heissenbüttel, Gedicht über Phantasie)

    Wenn ich rauskriege, dass da schon wieder ein Kerl dahinter steckt, drehe ich Olga bei der nächsten Gelegenheit den Hals um.

    O
    fick mich
    fick mich
    schnell.

    und er
    fickte sie
    fickte sie
    schnell

    hinter
    einem Busch?
    Es gab keinen
    Busch. Schien

    der Mond?
    Es gab kein
    Licht. Die
    Birne war

    kaputt.

    (Rolf Dieter Brinkmann, Liedchen)





    26 Januar 2010

    Ein grauenhaftes Geräusch

    Wo ich gerade schon wieder dabei bin, möchte ich ein kleines Beispiel der Fähigkeiten von David Foster Wallace aus „Unendlicher Spaß” bringen. Dieser Autor hat ein erhebliches Gespür für Situationen, aus denen sich etwas machen lässt. Und er macht dann auch etwas aus ihnen.

    Ortho Stice sitzt eines Morgens im Flur auf einem Stuhl und lehnt mit der Stirne am Fenster. Dort trifft ihn sein Freund und Kollege Hal Incandenza. Das dauert ein bisschen bis man begreift, was da vor sich geht. Ortho lehnt mit dem Kopf am Fenster und erzählt den Witz über die drei Statistiker, den ich gestern hier nacherzählt habe. Erst nachdem Hal ihn darauf anspricht, berichtet Stice, dass er, im November bei Eiseskälte gegen Mitternacht, offenbar von Alpträumen gequält, verschwitzt aus seinem Zimmer gegangen ist, sich auf diesen Stuhl gesetzt und den Kopf an die Scheibe gelehnt hat. Und dass er da immer noch sitzt, weil er mit seiner Stirne an der Scheibe festgefroren ist. Er gehört zu jenen Menschen, bei denen das Gesicht und der Rest ihrer Erscheinung nicht zusammen passen. Auf seinem durchtrainierten und muskulösen Körper sitzt ein fettes, schwabbeliges Gesicht. Hal schlägt vor, Ortho von der Fensterscheibe loszureißen. Und das hört sich in Wallace‘ Worten so an:

    „Sein Holzstuhl knarrte, als ich ihn mit dem Knie fixierte. Er atmete schnell und tief. Seine parotitischen Wangen flappten ein bisschen beim Atmen. Unsere Wangen hatten wir fast aneinandergelegt. Ich sagte, bei drei würde ich ziehen. Ich zog dann aber bei zwei, damit er sich nicht dagegen wehrte. Ich riss ihn mit aller Kraft zurück, und nach kurzem Widerstand riss Stice mit.
    Man hörte ein grauenhaftes Geräusch. Seine Stirnhaut dehnte sich als wir seinen Kopf zurückrissen. Sie weitete und dehnte sich, bis sich zwischen seinem Kopf und dem Fenster eine Art Bord aus gedehntem Stirnfleisch von einem halben Meter Länge erstreckte. Das klang wie ein Gummiband aus der Hölle. Die Dermis von Stice‘ Stirn klebte immer noch, aber das überreichlich vorhandene Fleisch seines Bulldoggen-Gesichts wurde hochgezogen, dehnte sich und verband seinen Kopf mit der Fensterscheibe. Sekundenbruchteile lang sah ich gewissermaßen Stice‘ richtiges Gesicht; wie seine Gesichtszüge ausgesehen hätten, wenn sie nicht von schlabberigem Wangenfleisch aus der Prärie umhüllt gewesen wären; als jeder mm verfügbaren Fleischs zur Stirn hochgezogen und gedehnt wurde, erhaschte ich einen Blick darauf, wie Stice nach einer radikalen Gesichtsstraffung ausgesehen hätte: ein schmales und feingeschnittenes, wenn auch irgendwie nagerhaftes Gesicht, in Flammen dank einer Art Offenbarung, sah unter dem rosaroten Schirm gedehnten Restfleischs aus dem Fenster.” (David Foster Wallace, “Unendlicher Spaß, S. 1252)

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    25 Januar 2010

    Was man so unter „haben“ versteht

    Ich erzähle einen Witz. Der stammt von David Foster Wallace aus „Unendlicher Spaß”.

    Gehen drei Statistiker auf Entenjagd. Gekleidet in die typische Montur, die Jäger nun einmal so tragen, Hosen und Jacken und Hüte. Dieses Zeug, was man vielleicht wirklich braucht, wenn man auf die Jagd geht. Ich kenne mich da nicht gut aus. Gewehre haben sie auch, die Enten fallen ja nicht von alleine vom Himmel. Und dann haben sie noch diese Entenpfeifen, Wildlocker heißen die (hier geht’s zur Hörprobe). Als eine Ente auffliegt, legt der erste Statistiker an und schießt. Der Rückstoß seines Gewehrs haut ihn aus den Latschen und er landet im Dreck. Die anderen beiden sehen: er hat zu hoch geschossen. Er hat die Ente verfehlt. Dann legt der zweite an und schießt. Auch ihn haut der Rückstoß um. Die anderen sehen: er hat zu niedrig geschossen. Auch er hat die Ente verfehlt. Daraufhin schmeißt der dritte sein Gewehr in den Dreck, tanzt vor Freude und brüllt dabei „Jaaa, wir haben sie, wir haben sie!” Das ist der Witz. Ich habe das nicht sofort verstanden. Der Clou ist: das sind eben Statistiker und Statistiker arbeiten mit Mittelwerten.

    Meine These zu dem Buch war, dass sich mittels gegensätzlicher Begriffspaare und Dichotomien, mittels Oppositionen der für David Foster Wallace zentrale Begriff des Unendlichen verstehen lässt. Denn innerhalb solcher Extreme liegt ein Mittelbereich, der begreifbar und verstehbar ist. Das “Dazwischen” ist das, was man im eigentlichen Sinne hat. Oder haben kann. Zwischen “zu hoch” und “zu niedrig” liegt das, was man hat. Mit diesem Witz in der Hinterhand kann man den ganzen Roman verstehen. Ich habe ihn jedenfalls so verstanden. Es kommt eben ganz darauf an, was man unter „haben” versteht.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    23 Januar 2010

    Was mit Ausländern

    Unweit meines Instituts in der Dorotheenstraße, liegt Dussmann, wo man Bücher und CDs kaufen kann. Das ist ein Laden, der sich „Kulturkaufhaus” nennt: shoppen als kulturelle Leistung, grandioser Einfall!

    Ich mache dort bisweilen, was ich überhaupt gerne mache: ich stöbere. Bei manchen Worten, so auch beim stöbern, habe ich eine bildliche Vorstellung. Wenn ich stöbere, wirbele ich Staub auf. Obwohl ich meist in Buchhandlungen stöbere und es dabei nie staubt, hält sich dieses Bild hartnäckig. Das Bild oder die Vorstellung von dem Wort. Ich kaufe nie bei Dussmann, weil ich einen kleinen Buchladen bei mir um die Ecke habe, mit einem bebrillten Buchhändler, der seinen Beruf und seinen Laden über alles liebt. Und mich liebt er auch. Aber nur solange ich in seinem Laden bin. Wenn ich zur Türe hinausgehe, vergisst er mich sofort wieder.

    In der vergangenen Woche habe ich bei Dussmann ein Gespräch zwischen einer Verkäuferin und einem potentiellen Kunden mitgehört. Ich habe gelauscht. Der Kunde wollte ein Buch für seine Mutter kaufen, ein Geschenk zum Geburtstag. Er hatte aber keine Idee und wollte eine Empfehlung von der Verkäuferin. Er wollte nicht stöbern. Er wollte wahrscheinlich einfach etwas in die Hand gedrückt bekommen. Vielleicht hat ihn auch gestört, dass man vom Umschlag des Buches nicht auf seinen Inhalt schließen kann oder er war einsam und hat sich lieber an eine Verkäuferin gewandt als zwischen den vielen Büchern zu suchen. Nach Zuneigung zu suchen oder nach Worten, die von Zuneigung erzählen. Die Verkäuferin versuchte dem Mann etwas über die Mutter zu entlocken, über bereits gelesene Bücher, ob sie politisch interessiert sei, zeitgeschichtlich, ob sie gerne Krimis lese. Der Mann blockte diese Fragen erstaunlicherweise ab. Das wisse er nicht, antwortete er stereotyp. Und außerdem, er sagte das mit einem Gesichtsausdruck als spiele er einen Trumpf aus, er selbst lese ja nicht. Die Verkäuferin, freundlich wie zuvor, machte weitere Vorschläge, eher ein Roman, oder doch lieber Kurzgeschichten? Der Mann starrte geradezu teilnahmslos an ihr vorbei – resignierter bis lethargischer Gesichtsausdruck -, das war ihm wohl alles egal. Dann hellte sich sein Gesicht auf und er fuhr der Verkäuferin in die Parade und fragte erstaunlich laut, richtig aggressiv: „Ja, haben Sie denn nichts mit Ausländern?”

    Ich schreibe gerade an meinem zweiten Roman. Ich baue einen Roman. Schreiben ist ein bisschen anders als das Bauen von Brücken. Beim Brückenbau will man vor allem, dass das, was man baut, feststeht. Und zwar von Anfang an. Beim Schreiben von Romanen, bei mir ist das jedenfalls so, steht am Anfang auch einiges fest. Aber es steht auf eine ganz spezielle Art fest, nämlich so, dass das, was ich noch dazu baue, das, was ich bisher gebaut habe, wieder in Frage stellen kann. Ich baue mit der Abrißbirne. Ich glaube, nach diesem Gespräch, baue noch was mit Ausländern ein. Ein paar Ausländer – egal welche – und auch ein bisschen Blut – egal welche Blutgruppe -, ein bisschen Politik – egal welche Richtung – und noch ein bisschen Sex – egal wer mit wem – und dann ist der Schinken fertig. So macht man das. Das sind die Kundenbedürfnisse und so werden die Regale bei Dussmann vielleicht bald umgebaut: Ausländer, Blut, Sex, Politik. Brückenbauen.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    21 Januar 2010

    Aléa wandert ins Archiv II

    Das macht mich nervös, dass mir die Uni Innsbruck ab sofort über die Schulter guckt. Mein Prof guckt mir zwar auch über die Schulter, auf die Finger vor allem, aber immer nur montags zwischen 16.00 und 19.00 Uhr. Bei der Uni Innsbruck weiß man aber nicht wann sie guckt. Und nicht wer. Und auch nicht wie. Gaffen zum Beispiel kann ich nicht ausstehen. Wenn mich jemand angafft, kann ich richtig wütend werden.

    Ich weiß nicht genau, was da eigentlich ins Archiv kommt, ob nur meine Beiträge oder auch die Kommentare. Ich werde aber eines tun und ich bitte auch alle Kommentatoren und Kommentatorinnen darum: sich zusammenzureißen! Nicht, dass mir Klagen zu Ohren kommen.

    Die archivierende Universität ist die von Innsbruck und weil ich da noch nie war, habe ich mir in der Buchhandlung einen Bildband über diese Stadt angeschaut. Das ist ja wirklich ein schickes Städtchen und da war auch ein Foto von der Universität. Allerdings reichlich veraltet. Man konnte gar nicht erkennen, dass ich von denen archiviert werde. Weder war ich auf dem Foto, noch mein Blog, noch konnte ich irgendeinen Hinweis erkennen, dass da ab sofort ein anderer Wind weht. Den Band habe ich auch gleich wieder weggelegt. Erst wollte ich die Bibliothekarin auf diesen Umstand hinweisen, dann habe ich es mir anders überlegt und bin erhobenen Hauptes aus der Buchhandlung stolziert.

    Nicht nur, dass ich selber forsche, ich werde auch noch erforscht. Ich bitte allerdings diese Forscher in Innsbruck, bevor irgendwelche Schlüsse auf meinen Charakter gezogen werden, um kurze Rücksprache. Im Eifer des Gefechtes kann auch einem Forscher mal ein Fehler unterlaufen. Eigentlich bin ich nämlich ganz nett. Nicht, dass die Kollegen und die Kolleginnen da zu anderen Ergebnissen kommen.

    Neben der Forscherei und Schreiberei habe ich zum Glück auch noch ein Privatleben. Glaube ich jedenfalls. Letztens hatte ich noch eins. Ich hab‘s jetzt zwar schon länger nicht mehr gesehen. Aber irgendwo muss das noch sein.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    19 Januar 2010

    Aléa wandert ins Archiv

    Die ersten Wochen und Monate meines Daseins als Bloggerin sind vorüber. Da ich ein bisschen einsam war, habe ich Kontakt zu anderen gesucht. Aber nicht zu ganz anderen. Das wäre mir viel zu  gefährlich. Ich habe Kontakt zu anderen gesucht, die nur eingeschränkt anders sind – das Andere in gemäßigter und erträglicher Form -, nämlich zu Gleichgesinnten. Ich habe mich umgeschaut und auch gefunden, wonach ich gesucht habe: Leute, die mir gefallen. Und, Gegenseitigkeit ist ja nicht selbstverständlich, denen ich ebenfalls gefalle. Wieviel (Liebes-)kummer im Leben ließe sich vermeiden, wenn man nicht auf Gegenseitigkeit hoffen müsste.

    Mit dem heutigen Tag wird mein Blog mit www.litblogs.net verlinkt und alle meine Beiträge hier erscheinen auch dort. Dieses Gemeinschaftsblog wird von Christiane Zintzen (Inadaequat) und Hartmut Abendschein (Taberna Kritika) betreut und von der Universität Innsbruck im Rahmen eines Forschungsprojektes – Dilimag: „Digitale Literaturvermittlung im Internet” – archiviert. Die entsprechenden Links finden sich auf meiner Blogroll. Ich freue mich. Ich freue mich sehr! Einen herzlichen Gruß an die Archivierten und Arretierten, die hier schon länger schmoren!

    Apropos schmoren: Wie ist denn hier so die Verköstigung? Ich esse gerne Couscous und Ziegenkäse, vielleicht so zwischen sieben und acht Uhr abends, wenn das geht. Und ein Glas Buttermilch dazu. Morgens einen schönen Kaffee, ansonsten Wasser und grünen Tee. Gerne Orangensaft. An Sonntagen Kuchen mit Sahne (Schlagobers in Österreich, nicht?). Mir schmecken Suppen. Ich mag die leichte Küche, keine fetten Mehl- und Eierspeisen, und freitags Fisch, leicht in Butter angedünstet mit einer Zitronenscheibe und etwas Dill.

    Ich mag gute Gespräche, eine angenehme Gesprächskultur, ich schätze einen zuvorkommenden Umgang miteinander. Ich mag, obwohl selbst Bloggerin und recht häufig im Internet, die ganze analoge Kultur, das Sinnliche, die Gegenwärtigkeit, das Haptische. Bisweilen brauche ich aufmunternde Blicke. Kleine Aufmerksamkeiten, um mich bei Laune zu halten. Und bisweilen brauche ich einfach gar nichts. Da bin ich mit mir und der Welt zufrieden. Manchmal.

    (Wenn jetzt hier nichts schiefgeht, dann müsste dieser Artikel ebenfalls bei litblogs erscheinen.)

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.





    17 Januar 2010

    Die halluzinogene Katze I

    Hier handelt es sich um einen Sammelband der Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik, „Die Horen“. Dieser Band bringt „Träume, Realien – Stimmen und Stimmengewirr aus der Gegenwart Rumäniens“. Herausgegeben von Ernest Wichner, der das Literaturhaus in Berlin leitete, aus dem Banat kommt und sich sehr für die Vermittlung von rumänischer Literatur in Deutschland einsetzt. Ich werde mich in keiner Weise zu der Auswahl der Texte äußern, sondern lediglich bisweilen etwas zitieren oder kommentieren. So stelle ich mir das jedenfalls vor. Ich habe bisher nur ein bisschen geblättert und bin dabei auf eine Zeile gestoßen, die mir gefallen hat. Ich zitiere nicht einmal das ganze Gedicht, sondern nur ein paar Zeilen.

    „Auferstehung“ von Ion Mureşan. Es kommt aus dem Band „Poemul care nu poate fi înţeles / Das unverständliche Gedicht“ und ist von Ernest Wichner übersetzt worden.

    „ …
    Dieses und jenes seelische Phänomen verliert sich, aber
    Dieses und jenes Organ geht nicht verloren. Und doch
    Umarm ich vor dem Spiegel angsterfüllt und nackt meinen
    Eigenen Leib. Was aber fangen wir mit zwei Stimmen an
    Im Mund? Nun geh ich zweifellos – die Würde mit am Stock –
    Spazieren in der Stadt, rühre mit dem Finger im Bewusstsein rum
    Als wär’s ein Joghurtbecher
    Rühr und rühr, bis es weich ist
    weich
    weich.
    …“

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    geschehn aus unablässigem Bestreben.
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    16 Januar 2010

    Die Seite ist wieder da II

    Die Seite ist wieder da. Aber ich noch nicht so richtig. Ich hatte ganz vergessen, dass ich hier ja bisweilen einen Eintrag machen muss. Macht ja sonst keiner. Aber ich habe eine gute Entschuldigung für die Sparsamkeit der letzten Wochen: ich hatte zu tun. Ich habe sehr intensiv an meinem nächsten großen Text gearbeitet. Ich habe mich für ein Stipendium beworben und ich bin nicht die Routinierteste in solchen Bewerbungen. Schließlich kam noch die Modifikation dieser Seite dazu, die hoffentlich am kommenden Montag abgeschlossen sein wird. Das alles hat meine Aufmerksamkeit in Anspruch genommen. Von nun an wird es wieder mehr um das gehen, worum es im Leben eben geht, natürlich um die Literatur.

    Das passiert mir selten, aber momentan ist Literatur bei mir eher ein physikalisches Experiment: wie hoch kann ein Bücherberg anwachsen, bevor er umkippt? Ich werde meinen Berg demnächst abtragen und natürlich davon berichten. Ich finde ja nach wie vor, Mount Everest und Nanga Parbat zum Trotz, dass das Lesen eines der spannendsten Abenteuer im Leben ist. Gleichauf damit, von einem Mann angeschaut zu werden, das kann auch ziemlich spannend sein und das ziehe ich dem Abenteuer im tibetischen Hochgebirge auf jeden Fall vor.

    Wenn ich intensiv an meinen eigenen Sachen schreibe, kann ich mich nicht auf das einlassen, was andere geschrieben haben. Aber demnächst kommen Clemens Setz und Thomas Stangl an die Reihe. Dann liegen hier noch die Erzählungen von Herman Melville und ein Buch von Amos Oz, von dem ich noch nie etwas gelesen habe. Alles von David Foster Wallace und alles von Roberto Bolaño. Und natürlich (!) Frau Müller. Damit bin ich ja wohl das Jahr 2010 ausgelastet. Auf dem Stapel liegt auch noch „Die halluzinogene Katze”. Morgen mehr.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
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    14 Januar 2010

    Die Seite ist wieder da

    So, die Seite ist wieder da. Aber noch nicht ganz so wie ich mir das vorgestellt habe. Der Rest wird am kommenden Montag gemacht. Ich parke in einer kleinen Warteschleife. Demnächst gibt es hier eine Neuigkeit. Das war auch der ausschlaggebende Grund für die Bauarbeiten. Das waren technische Sachen, aber da wir schon mal dabei waren, habe ich hier auch ein bisschen renoviert.

    Ich habe nach wie vor sechs Seiten, von denen ich eigentlich momentan nur diese eine nutzte, das Blog. Auf der ersten Seite gibt‘s die ersten vier Kapitel meines Romans, und die anderen Seiten bieten Platz für Pläne. Da kommen sicher mal Auszüge aus meiner Promotion. Oder kleine Aufgaben, die ich verteile. Ich kann das ja schließlich nicht alles selbst schreiben. Und dann ist da noch Platz für weitere Pläne. Für weitere Würfelwürfe. Obwohl ich Scherze mit meinem Namen seit vielen Jahren strikt ablehne. Ich nicke verständig und nachsichtig mit dem Kopf, wenn andere sie machen. Aber ich selbst bleibe an dieser Stelle ernst.

    Ein Eimer Farbe, ein Pinsel und schon strahlt alles wie neu. Ich habe ein bisschen von links nach rechts geräumt und ein paar neue Schubladen aufgestellt. Und dann gibt’s jetzt RSS-Feeds (die gab es angeblich auch vorher schon, ich habe sie nur nicht gefunden, aber ich wollte sie auch nicht abonnieren), es gibt einen Zugang zu meinem Eintrag bei Facebook. Keine Tweets und kein Twitter. Nach wie vor keine Bilder, nichts Blinkendes, keine Geräusche, keine Gerüche. Keine Werbung.

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    07 Januar 2010

    Woanders behaupte ich genau das Gegenteil

    Anfang kommender Woche geht diese Seite offline. Aber höchstens für vierundzwanzig Stunden. Glaube ich. Da wird an meine Seite geschraubt. Modernisierungsmaßnahmen! Das wird jetzt alles ein bisschen schicker. Ich hoffe, das funktioniert danach auch noch. Wenn nicht, sehen wir uns nie wieder. Logisch betrachtet war das gerade keine richtige Aussage: da wir uns noch nie gesehen haben, können wir uns auch nicht wiedersehen. Und zwar jenseits der Frage, ob wir uns nun wiedersehen oder nicht wiedersehen. Aber das ist, jetzt kommt mein Lieblingsschimpfwort auf Deutsch, das ist Korinthenkackerei!

    Zu Anfang der Modernisierungsmaßnahmen wird alles auseinander genommen und am Ende wird es wieder zusammen montiert. Ich meine mich erinnern zu können, dass ich mal einen Film gesehen habe, wo einer sein Auto auseinandergenommen hat. Nach dem Zusammenbau hatte er ziemlich viele Teile übrig.

    Wenn bei mir nach dem Zusammenschrauben Teile übrig sind, dann mache ich daraus noch ein zweites Blog. Kleiner Nebenverdienst sozusagen (man soll sich ja nicht selbst loben, aber das war gerade einer der besten Witze, die ich je gemacht habe!). Und dort behaupte ich einfach von allem, was ich hier behaupte, grundsätzlich genau das Gegenteil. Nichts liegt einer Sache näher als ihr Gegenteil. Behaupte ich einfach. Behaupte ich hier. Woanders behaupte ich natürlich genau das Gegenteil.

    In meinem zweiten Blog behaupte ich einfach, dass nichts einer Sache fernerliegt als ihr Gegenteil. Behaupte ich hier, dass ich das dort behaupte. Dort behaupte ich dann ja das Gegenteil. Behaupte ich. Behaupte ich hier, dass ich das dort behaupte. Dort behaupte ich dann natürlich das Gegenteil.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
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    03 Januar 2010

    Das Kronos Projekt

    Die längste Zugfahrt der Welt: das Kronos Projekt. Ich enthalte mich zum großen Teil eigener Worte und greife auf Texte zurück, die das (künstlerische) Projekt selbst zur Verfügung stellt.

    Ende der zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhundert begonnen, gibt es Hinweise darauf, dass das Experiment noch heute andauert. Die ersten Versuche haben etwas Mitte der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts stattgefunden. Versuche mit sogenannten antichronischen Vehikeln, die wahrscheinlich auf dem Gelände der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt ausgeführt worden.

    Von der Öffentlichkeit abgeschirmt, da man wohl die Beunruhigung der Berliner Bevölkerung befürchtete als auch aus Erwägungen der Rüstungsindustrie wurden die unterirdischen Tunnelanlagen der Berliner U-Bahn, in der Nähe der U-Bahnstation Rathaus Steglitz genutzt. Aus Kostengründen wurden alte Tunnelanlagen der bis heute nicht realisierten U-10 genutzt, als Trajekt wurde auf einen gebräuchlichen U-Bahnwaggon zurückgegriffen, der entsprechend aufwändig umgebaut wurde:

    „Der Wagen wurde verkürzt und elektrisch hermetisch abgeschlossen, d.h. er funktionierte nach dem Prinzip eines doppelt gesicherten Faradayschen Käfigs. Fenster wurden entfernt und mit Eisen-Asbest-Verbundplatten verschlossen. Lediglich vorn befand sich eine mit einem Drehverschluß versehene Einstiegsluke, die nur von außen zu öffnen war. Der gesamte Wagen war mit einem lichtabsorbierenden schwarzen Teer-Lithium-Anstrich versehen. An Stelle der Räder wurden paddelartige Excenter montiert, die für eine annähernd in der Form einer Sinuskurve verlaufende Bewegung sorgten. Angetrieben wurden diese durch einen Synchronmotor, der wiederum primär durch damals gänzlich neuartige Radium-Isotopen-Batterien gespeist wurden. Offensichtlich wurde aber auch bereits eine sekundäre Energieversorgung mittels sogenannter induktiver Lorentz-Transformatoren (elektrodynamische Zug-Druck-Pumpen) installiert.”

    Der geplante Versuch wurden mit Freiwilligen besetzt. Den Insassen war, und ist es bis heute, nicht möglich Einfluss auf den Verlauf des Experimentes zu nehmen.

    Die Wirkungsweise des Kronos-Gerätes bestand darin, einen Körper mit einer großen Masse in eine gleichförmige, vertikal schwingende und asymptotisch gegen null gehende Bewegung zu versetzen.

    „Die Bewegung des Körpermittelpunktes, wo sich der sogenannte Resonator (ein mit etwa 105 Kilogramm Quecksilber gefüllter Zylinder aus hochreinem Kupfer mit Osmium-Versiegelung) befand, entsprach dabei der einer epsilon-verzerrten Sinuskurve. Die Anfangsgeschwindigkeit des Gerätes betrug lediglich 4 mm pro Tag. Durch ein komplexes Rückkopplungsverfahren nach dem Phasenverschiebungsindex des Bode-Diagramms sollte die Geschwindigkeit dem quantenphysikalischen Resonanzverhalten des Higgs-Feldes automatisch angepaßt werden. Um eine Resonzkatastrophe zu vermeiden, mußte durch eine Verzögerungs-Entkopplung die resultierende entzerrte Geschwindigkeit um den Faktor 0,000034 verändert werden.
    Die nach einer bestimmten Zeit diskret durch spontane Symmetriebrechung auftretenden Interferenzen mit dem Higgs-Feld führen zu einer lokalen Verkrümmung des Raum-Zeit-Kontinuums. Es kommt zu einer Veränderung der Lagrange-Dichte der globalen Dimensionalität und in dessen direkter Konsequenz zu einer signifikanten stabilen Abweichung von der Realzeitachse. Dieser Effekt, der auch bei Geschwindigkeiten nahe der Lichtgeschwindigkeit eintritt, hier aber enorme Energiemengen benötigt, führt innerhalb der bewegten Entität quasi zu einer Verlangsamung des Zeitablaufs bis hin zum Zeitstillstand. Daneben verringert sich die lokale Masse der bewegten Objekte bis gegen null, da die Trägheitspartikel keine Reibungsverluste mehr aufweisen. Möglicherweise wird sogar durch Bosonen-stabilisiertes Flatterverhalten eine Umkehr des Zeitpfeils ermöglicht, dies wurde im Kronos-Gerät aber primär nicht angestrebt. Aus der Menge des verwandten Quecksilbers und der Nullgeschwindigkeit läßt sich ein interpolierter Verlangsamungsfaktor von F=112.000 ableiten.”

    Da das Kronos Gerät bis heute nicht aufgefunden wurde, wird vermutet, dass es noch immer unterwegs sein könnte.

    „Dazu existieren heute 3 verschiedene Erklärungsmodelle. Einmal wird vermutet, daß sich das Gerät optisch um den Verlangsamungsfaktor F=112.000 zusammengezogen hat und damit nur noch eine Stärke von etwa 0,05 mm in Längsrichtung aufweist. Die zweite Theorie basiert ebenfalls auf einer Längenänderung, geht jedoch von einer entsprechenden Verlängerung um den Faktor F, einhergehend mit einer gleichzeitigen optischen Verdünnung, aus. Das würde bedeuten, daß das Gerät für Außenstehende eine Länge von etwa 1.200 km hätte, jedoch aus einer extrem verdünnten, quasi ätherischen Substanz bestünde. Die dritte Theorie, der geometrische Ansatz, geht davon aus, daß sich das Gerät in einem verzerrten Raum-Zeit-Kontinuum sich praktisch hinter dem Raum-Zeit-Horizont befindet und deshalb nicht sichtbar ist.”

    „Nachdem das Projekt ohne öffentliche Verlautbarung wohl Mitte April 1926 gestartet wurde, sollen die entsprechenden Tunnelsegmente versiegelt worden sein. Da sich bereits 22 Minuten nach Beginn des Experimentes die für Zeitdilatationen typischen auratischen Lichterscheinungen an den Ableitungsbolzen zeigten, konnte von einem erfolgreichen Start des Vorhabens ausgegangen werden. Vorgesehen war es, den Großversuch über einen Zeitraum von 10 Jahren laufen zu lassen. Nach dem berechneten Verlangsamungsfaktor F sollte dann für die Probanden erst eine reichliche Stunde vergangen sein. In regelmäßigen Zeitabständen wurde versucht, einen akustischen Fernkontakt zu den Probanden herzustellen. Während in den ersten Minuten des Versuchs noch artikulierte Laute vernehmbar waren, konnte man später nur mittels komplexer Tonbeschleunigungsverfahren verzerrte Lebenszeichen empfangen. Die Arbeitsgruppe “Entschleunigungsbahn Steglitz” wurde nach dem Beginn des Experimentes stark reduziert. Durch personelle Fluktuation und Etateinschränkungen im Zuge der wirtschaftlichen Notlage Ende der 20er Jahre wurde die wissenschaftliche Begleitung des Projekts weiter eingeschränkt und schließlich im Zuge der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 als ein Produkt der diffamierten sogenannten “jüdischen” Physik Einsteins eingestellt. Es darf jedoch vermutet werden, daß es der verkleinerten Arbeitsgruppe noch bis 1932 gelang, eine externe sekundäre Energieversorgung entlang der Versuchsstrecke zu vervollständigen. Diese basierte auf induktionsgepumpten Druck-Zug-Adaptern, welche aus Gründen der Praktikabilität in den heute als U-Bahnhöfen genutzten Stationen Rathaus Steglitz und Schloßstraße installiert worden. Mit diesen Geräten, die an das energetische Netz der Berliner U-Bahn angeschlossen waren, war es technisch so möglich, den Ablauf des Kronos-Projekts autonom zu gewährleisten (bei kurzzeitigen Ausfällen greift das System automatisch auf die eigenen Radio-Isotopen-Batterien zurück). Wenn man bedenkt, daß das Berliner U-Bahnstromnetz selbst während schwerer Bombardierungen und im Endkampf um Berlin 1945 nur sehr geringe Ausfälle zu verzeichnen hatte, muß man davon ausgehen, daß die Energieversorgung des Kronos-Gerätes permanent gewährleistet war und ist. Durch das Heereswaffenamt gab es 1943 einen dokumentierten Versuch (Anlage eines “Kennblattes”), auf das Projekt zurückzugreifen und eine eventuelle militärische oder politische Nutzung in Erwägung zu ziehen. Es sind aber keine diesbezüglichen Konsequenzen oder Entwicklungen bekannt. Nach der Besetzung Berlins durch die Rote Armee im April 1945 suchte eine Arbeitsgruppe des NKWD unter Major J. S. Smertschinsky intensiv nach dem Verbleib des Gerätes. Kenntnis hatte die sowjetische Seite wahrscheinlich, wie weiter oben bereits angedeutet, durch den früh in die Vorbereitung des Projekts involvierten späteren Generals von Niedermayer, der 1948 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft verstarb. Darüber hinaus gab es wohl mehrfach Berichte von Angehörigen des sowjetischen 6. Garde-Panzerkorps, welches in Wilmersdorf / Steglitz in nördlicher Richtung angriff, über eigentümliche bläuliche Lichterscheinungen an Panzerkanonen, worauf die Soldaten den Einsatz neuartiger deutscher Strahlenwaffen vermuteten.
    Obwohl seitens der Sowjetbehörden einiger Aufwand betrieben wurde, konnte das Kronos-Gerät weder gefunden noch geborgen werden. Die im Juli 1945 in den Berliner Südwesten einrückenden US-amerikanische Truppen zeigten kein Interesse an Nachforschungen zum Kronos-Gerät. Durch die Notlage der Nachkriegslage und den Tod zahlreicher in die Entwicklung des Projekts beteiligter Personen geriet das Projekt nun immer mehr in Vergessenheit.”

    In diesem Video ist die Entscheunigungsbahn zu sehen, wie sie (möglicherweise) seit vielen Jahren im Berliner Untergrund unterwegs ist.

    Es handelt sich hierbei um ein künstlerisches Porjekt, an dem man wunderbar die Vermischung von Realität und Fiktion beobachten kann. Oder auch nicht beobachten kann. Sondern nur vermuten. Ahnen. Argwöhnen.

    Hier.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.