29 Dezember 2009
Das tragische Element
Manchmal erscheinen mir Dinge oder Umstände neu und unbekannt, die ich doch seit langem kenne. Ich habe es so oder so ähnlich schon hundert Mal erkannt, gesehen, gedacht. Etwas muss in diesen Momenten anders sein, dass ich das, was mir eigentlich bekannt ist, nicht erkenne. Und manchmal ist es gerade umgkehrt, ich erkenne in etwas Bekanntem etwas Neues. Vielleicht bin ich einfach nicht die hellste, so dass ich wieder und wieder dieselben Umstände zum ersten Mal erkenne. Oder diese Umstände sind nicht die hellsten, sie verdunkeln sich jedes Mal. Oder mein Denken ist ein Verdunkeln. Wenn ich an etwas denke, muss ich es danach irgendwie wieder erhellen.
So weiß ich seit langem, dass es keinen Weg gibt, an der eigenen Sexualität vorbeizukommen. Ich meine nicht, dass ich sie nicht ignorieren kann, weil ich permanent sexuell bin. Ich meine vielmehr, dass ich nicht drum herum komme. Dass es kein Ausweichen gibt. Dass ich nicht einfach zu Hause bleiben kann, die Türe verschließen, alle Ausgänge verriegeln, alle Körperöffnungen gleichermaßen, damit nichts herein oder heraus gelangt. Das ist unmöglich, es gibt kein Ausweichen und kein Vermeiden. Jede Verhaltensweise ist ein Verhältnis zur Sexualität. Jede, absolut jede Art und Weise auf die ich mich verhalte, ist ein Verhalten zur meiner Sexualität. Ich kann Samstagnacht herumstreunen, mir einen Mann suchen und mit ihm ins Bett gehen. Oder ich kann zur selben Zeit zu Hause bleiben, ein Buch lesen und später dann das Licht ausknipsen, ohne einen einzigen Gedanken an einen Männerkörper. Beide Verhaltensweisen sind – gleichermaßen – Verhaltensweisen zu meiner Sexualität.
Aus diesem Verhältnis gibt es keinen Ausweg. Niemals. Das empfinde ich als zutiefst tragisch. Und irgendwie, ich weiß nicht wie und ich will es auch gar nicht wissen, ist es gut so, dieses tragische Element der Sexualität. Diese Unausweichlichkeit. Dass ich mich jetzt (jetzt!) entscheiden muss, ob ich an meinem Notebook sitze und über Sex schreibe. Ob dies meine Unternehmung heute Abend ist. Oder ob ich etwas anderes unternehme.
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Geschrieben: Dezember 29th, 2009 unter Allzupersönliches, Confusion sexuelle, mittel












Kommentar von JesusJerkoff
Datum/Uhrzeit 2. Januar 2010 um 22:36
Liebe Aléa,
lassen Sie mich als Erstes und keineswegs floskelhaft die besten Wünsche für dieses neue Jahr übermitteln. Hoffentlich klappt alles so, wie Sie es nicht geplant haben, d. h. hoffentlich funktioniert Ihre Zukunft.
Was Ihre Sexualität angeht, da bin ich nie weitergekommen als bis zu dem Moment in dem ich mir vorgestellt habe, wie wohl die Haare um Ihren Bauchnabel konzentrisch zusammenlaufen würden, wenn man die gedachte Szenerie im Gegenlicht einer Kerze betrachtet und der Kopf auf Ihrer rechten Beckenschaufel ruht.