14 Dezember 2009
Sieh, er geht und unterbricht die Stadt
„Sieh, er geht und unterbricht die Stadt,
die nicht ist auf seiner dunklen Stelle,
wie ein dunkler Sprung durch eine helle
Tasse geht. Und wie auf einem Blatt
Ist auf ihm der Widerschein der Dinge
aufgemalt; er nimmt ihn nicht hinein.
Nur sein Fühlen rührt sich, so als finge
es die Welt in kleinen Wellen ein:
eine Stille, einen Widerstand -,
und dann scheint er wartend wen zu wählen:
hingegeben hebt er seine Hand,
festlich fast, wie um sich zu vermählen.”
Rainer Maria Rilke, Der Blinde
Es ist mehr als verwegen ein Gedicht über einen Blinden mit dem Imperativ Sieh! zu beginnen.
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Geschrieben: Dezember 14th, 2009 unter Hier wird gemangelt, kurz












Kommentar von JesusJerkoff
Datum/Uhrzeit 18. Dezember 2009 um 00:20
Liebe Aléa,
Grad’ just vor einem Jahr
hat mir ein Mensch,
der weiblich war,
ein Kerzenhaus
geschenkt,
das schattet um sich hin,
wirft Sterne, Glück und Engel
an die Wand
und zittert, wenn die Türe geht.
Ich dreh’ es jeden Tag
damit ich nichts versäume,
was filigran hineingehaucht,
damit ich besser träume.
Grad’ just, es war August,
ward da ein Mann
der weiblich war,
binär gemacht,
verlinkt,
der wörtert um sich hin,
verzweifelt, Eschaton? und
schwyzerdütsch?
Mein armes Hirn macht leise Quietsch.
Sie ist jetzt eine Frau,
einsachtundsiebzig groß und
braunbehaart, von einer Art,
die nicht so kantig, eher rund.
Grad’ just, im Augenblick
dacht’ ich an Dich,
jetzt tapse ich
und weiß noch nicht
warum,
herum, durch halbgare
Gedanken an Dein Sein,
wie und wann,
warum es sich verdreht und geht.
In meinem Lebensplan
steht nicht binäre Liebe
und nichts von Dir und einem
weißen Buch, daß zentnerschwer.
Grad’ just, vor zwölf vielleicht
wenn es noch reicht,
bist Du noch da
und fragst Dich durch
versuchst
und suchst den Weg dorthin,
den kleinsten Hauch von Sinn
denkschwerfrei
weil alles doch so einfach ist?
Mein Dank gilt Deinen Worten,
Deinen Bildern, Deinem Sein,
die Sicht, der Du Dingen gibst
hat mit vielen nicht gemein.