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  • 11 Dezember 2009

    Kunst und Leben

    „Bevor man sich niedersetzt zum Schreiben, muss man aufstehen zum Leben.“

    Ich weiß nicht mehr, wo ich das gelesen habe. Ein schönes Aperçu. Nicht allein, weil hier ein ausgewogenes Verhältnis von Arbeit und Leben propagiert wird. Nicht, weil es mahnt über dem Schreiben das Leben nicht zu vergessen und das eine mit dem anderen nicht auszulöschen. Diese Bemerkung ist schön, weil sie zu Recht anmahnt, dass man die Erfahrungen, die man beschreiben möchte, aus dem Leben schöpfen sollte. Dass Imagination und Realität ein Verhältnis miteinander haben. Ein Verhältnis, das manchmal bloß eine Liebelei ist, ein Flirt am Rande, eine wilde kleine Affäre, die am nächsten Morgen schon wieder vergessen ist. Eine unabsehbare Reihe von Enttäuschungen und Hoffnungen und erneuten Enttäuschungen. Oder eben eine lebenslange, intensive und befruchtende Beziehung.

    Die Äußerung gefällt mir aber vor allem, weil hier ein dritter Zustand angedeutet wird, jenseits von Leben und Schreiben, jenseits von Sitzen und Stehen. „Bevor man sich niedersetzt zum Schreiben“, heißt es da, „muss man aufstehen zum Leben.“ Man soll aufstehen, obwohl man ja noch gar nicht sitzt? Man kann sich doch von einem in einen anderen Zustand nur dann bewegen, wenn man in dem einen ist. Um von A nach B zu gelangen, muss ich doch erst einmal bei A sein.

    Das ist keine bloße Wortspielerei. Und schon gar keine Ungenauigkeit (Das wäre übrigens ein schönes Promotionsthema: Sprache zwischen Genauigkeit und Ungenauigkeit). Hier wird ein Zustand beschrieben, für das kein Wort gebraucht wird. Weil es vielleicht keines dafür gibt. Vielleicht weil es sich nicht in die oppositionelle Struktur, in dieses binäre Gegenüber von Stehen und Sitzen einpassen lässt. Weil man diesen Zustand direkt nicht beschreiben kann, man kann ihn nur umschreiben. Man kann sich ihm nähern, aber man kann ihn nicht erreichen.

    Das ist das mehr als nur eine pfiffige Bemerkung. Mehr als nur die Umschreibung eines künstlerischen Zustandes. Womöglich trifft das etwas Generelles im Leben: Dass man eben aufstehen muss, um zu leben. Aufstehen, bevor man sich niedersetzt, um das Gelebte zu verstehen, zu verarbeiten, zu reflektieren; zumindest aber es anzuerkennen und zu erkennen: dass dies mein Leben ist. Das ist gar nicht so einfach wie es klingt. Vielleicht ist das sogar sehr schwer. Zumindest für einen Künstler.

    Das ist ein Beispiel für Kunst, das ich sehr schätze. Das Leben eines Künstlers ist jenseits dieser Zustände von Sitzen und Stehen, in einem nicht benennbaren Zustand. Zwischen den beiden geforderten, Sitzen und Stehen, bzw. Schreiben und Leben. Das ist ein Zustand, den kann nicht benennen kann, man kann auch nicht hinein oder herausfinden. In dem kann man nur sein.



    Kommentare

    Kommentar von anna
    Datum/Uhrzeit 12. Dezember 2009 um 09:42

    Nota bene – merke wohl.
    Der Satz ist von Henry David Toureau (1817-1862).
    Der Mann lebte zeitweilig in einem sebstgebauten Blockhaus, favorisierte das einfache Leben usw.. Die Triebfeder des Satzes ist wohl eher utilitaristischer Natur.

    Aber:

    Halberzogen.-

    Die Erlebnisse des Alltages dürfen das Schreiben nicht angreifen, schwächen. Oft werden Schreiben und “Leben” derart miteinader konterkariert, dass eines das andere verhindert. Dies ist eine unreife Ansicht ohne alle Raffinesse. Das Leben ist kein Ersatz für die Literatur und die

    Kommentar von david
    Datum/Uhrzeit 12. Dezember 2009 um 09:48

    Nota bene – merke wohl.
    Der Satz ist von Henry David Toureau (1817-1862).
    Der Mann lebte zeitweilig in einem sebstgebauten Blockhaus, favorisierte das einfache Leben usw.. Die Triebfeder des Satzes ist wohl eher utilitaristischer Natur.

    Aber:

    Halberzogen.-

    Die Erlebnisse des Alltages dürfen das Schreiben nicht angreifen, schwächen. Oft werden Schreiben und “Leben” derart miteinader konterkariert, dass eines das andere verhindert. Dies ist eine unreife Ansicht ohne alle Raffinesse.-
    Das Leben ist kein Ersatz für die Literatur und die Literatur ersetzt auch das Leben nicht. Sie gegeneinander ausspielen bedeutet aber weder leben noch schreiben zu können.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 12. Dezember 2009 um 12:02

    Guten Morgen ihr beiden,

    ich vermute David steht fürs Leben und Anna fürs Schreiben. Oder umgekehrt? Aber da Anna eine Sekunde eher dran war, antworte ich lediglich ihr, in der Hoffnung, dass sich David nicht zurückgesetzt fühlt.

    Ich wollte in keiner Weise das eine gegen das andere ausspielen – Leben oder Schreiben – ich wollte den dritten Zustand hervorheben, der sich weder durch das Leben noch durch das Schreibern erreichen lässt. Und der dementsprechend auch gar nicht benannt wird. Außer in diesem erratischen Zustand des Nicht-benannt-werdens. Eine erste Kunst der Schreibenden ist es, etwas zu benennen. Die zweite, und vielleicht sogar größere Kunst ist es, etwas nicht zu benennen.

    Kommentar von anna&david
    Datum/Uhrzeit 12. Dezember 2009 um 16:15

    Anna:
    Eine größere Achtung gegenüber dem Material drückt sich in dem Wort “Fragment” aus. Aber Sie meinen, will mir scheinen, ein ewig unbenennbares. Vielleicht gehen Sie sogar auf ein Agens des Unbenennbaren, mit dem etwa bei Lacan operiert wird.

    David:

    Die blaue Blume ist auch der Hinweis auf ein nur der Möglichkeit nach Seiendes; aber dieses Abwesende entfaltet sich fortwärend im Material und ist somit gleichwohl da.

    Anna:

    Wenn ich sage: “Die Kraft des Geistes ist nur so groß als ihre Äußerung”, dann stehe ich vor einem gigantischen Gebirge, und ich tröste mich mit dem Vehikel der Inkommensuarbelität.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 12. Dezember 2009 um 17:15

    Liebe Anna, lieber David!

    Ich war sehr gespannt, wie ihr reagieren würdet. Die Lösung des Problems empfinde ich als höchst gelungen: die Vereinigung von euch beiden im Dialog. Was anderes ist denn ein Dialog als die Konfrontation zweier, letztlich, wie Anna sagt, inkommensurabler Positionen?

    Aber neben den beiden getrennten Personen / Positionen und der vereinten dritten gibt es doch noch eine vierte, nicht? Die so genannte Realität. Auch wenn es die nach Lacan nicht gibt. Aber so neu ist diese Erkenntnis nun nicht, denken wir an Kant und die Lebenskrise, die seine These von der Unerkennbarkeit der Realität bei Kleist ausgelöst hatte.

    Wie heißt es so schön im Blog zu Unendlicher Spaß (und da habe ich euch doch her, oder?): Ich bin paranoid. Aber bin ich paranoid genug? Dabei kann ich mit dem Wort Paranoia eigentlich nichts anfangen.

    Ihr mögt die Frage als langweilig empfinden, aber ich stelle sie dennoch, die Frage des Dr. Faust im Angesicht des Teufels: „Nun gut, wer bist du denn?“. Auch wenn ihr beiden hoffentlich nicht die Antwort des Mephistopheles geben werdet: „Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft“.

    Ist es nicht normal, dass wir uns eine Vorstellung von den Menschen machen wollen, mit denen wir zu tun haben? Ist es nicht sogar ein Zeichen psychischer Gesundheit, das, was bei Rilke in den Sonetten an Orpheus heißt „Dieser Stolz aus Erde“. Das geerdet sein der menschlichen Natur. Und nicht der Himmel leerer Versprechungen.

    Kommentar von anna&david
    Datum/Uhrzeit 12. Dezember 2009 um 18:33

    Sie, geschätzte Alea, haben natürlich, indem Sie klare Verhältnisse in Ihrem Blog anmahnen, vollkommen recht.

    Aber es muß eben unsererseits eine Lösung gefunden werden. Diese Lösung darf nicht illiterarisch ausfallen. Der desavouierende Härtegrad des Realen!
    Wir lassen uns etwas einfallen. Lassen Sie das unsere Sorge sein.
    Hier endet der Notenwechsel.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 12. Dezember 2009 um 18:48

    Anna&David

    Da bin ich definitiv gespannt. Ich hoffe, ich habe niemanden vertrieben, das war nicht meine Absicht. Absicht war lediglich, ein bisschen durchzusehen mit wem ich es so zu tun habe. Wobei ich nicht nach absoluter Klarheit strebe (ich bin ja nicht wahnsinnig!), lediglich nach eingeschränkter Klarheit. Das kann, dem Wetter entsprechend, ruhig ein bisschen trüber sein. Zum Beispiel würde mich interessieren, ob sie noch mehr werden oder zu zweit bleiben und wer denn da gerade von Ihnen beiden spricht.
    Aléa

    Kommentar von JesusJerkoff
    Datum/Uhrzeit 13. Dezember 2009 um 00:17

    Liebe Frau Torik,

    das hatten wir schon mal angesprochen. Damals wollten Sie nicht weitermachen, aber ich greife es trotzdem nochmal auf. Die erste Frage wäre, wie oft das Wort “transzendieren” auf den ersten fünfhundert Seiten von US auftaucht. Ich habe es nicht gezählt, aber mich auch nicht gewundert, weil das die Antwort ist. Das ist wie mit Gerüchen, Sie werden nie einen beschreiben können, den sie nur vom Hörensagen kennen, weil man ihnen die Details nicht abnimmt. Ihre einzige Möglichkeit ist, sich, so gut wie Sie können, in die Lage hineinzuversetzten, wobei Lage dann wieder x hoch n wird, was die Sache als aussichtslos erscheinen läßt, aber dann kommt die Gun-Konstante ins Spiel, Schritt für Schritt und dann wird das schon. Was würde Schtitt dazu sagen?

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 13. Dezember 2009 um 12:56

    Lieber Herr Jerkoff!

    Es hat sich hier in meinem Blog das duzen bewährt. Wollen wir das nicht auch so halten? Dann käme ich auch um Ihren Nachnamen herum, der mir, zugegeben, nicht ganz so leicht von der Zunge geht.

    Kommentar von JesusJerkoff
    Datum/Uhrzeit 13. Dezember 2009 um 19:12

    Liebe Frau Torik,

    gerne nehme ich Ihr Angebot an, sofern Sie nicht unbedingt den Vornamen meines Avatars verwenden, denn soweit reicht mein Selbstbewußtsein dann doch noch nicht aus.

    Du kannst ja einen Vornamen auswürfeln oder einfach im Netz stöbern, irgendwo gibt es da auch meinen Realnamen.

    Zu dem anderen Kommentar wollte ich noch anmerken, daß ich dachte, es wäre die Entelechie eines Blogs, gelesen zu werden und da möchte ich nicht im Wege stehen. Solltest Du also mal nicht wissen, was Du denkst, einfach fragen ;-)

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 13. Dezember 2009 um 20:18

    Hey Jesus,

    wenn es eines gibt, was ich nicht tue, dann würfeln. Das widerspricht meiner Auffassung von Wahl. Nenne mir einfach (d)einen Namen, sonst sage ich Nearkarlsruhe zu dir.

    Kommentar von JesusJerkoff
    Datum/Uhrzeit 14. Dezember 2009 um 16:25

    Verzeihung, daß mit dem Würfeln wußte ich leider nicht, außer in Zusammenhang mit einem Einsteinzitat.

    Gestatten: Rolf

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 14. Dezember 2009 um 18:11

    “Gott würfelt nicht” : Schau dir bitte in diesem Zusammenhang einmal meine erste Eintragung in diesem Blog an.
    Übrigens: Hallo Rolf!

    Kommentar von platero y yo
    Datum/Uhrzeit 14. Dezember 2009 um 20:04

    Hallo zusammen!

    Was das Würfeln angeht, bitte auf das Licht mancher Dichter achten!
    Gerhard Falkner beispielsweise schreibt am Ende seines Langgedichtes “Ich, bitte antworten!”(aus: “wemut”, 1989) quasi eine Einsteinrepratur vornehmend:

    “es, von dem wir nicht wissen, ob es
    mit uns spielt, ist nicht.
    seine innere irre ordnet der geist
    grundlos
    es, das uns bricht, rät uns nur

    gott würfelt”

    Kommentar von lotte eisen
    Datum/Uhrzeit 14. Dezember 2009 um 20:56

    Sartre war auch einmal Dichter:
    “Das Ich ist nicht was es ist; aber es ist was es nicht ist.”

    Progressiv dagegen Shakespear: “Der Narr hält sich für Waise, aber der Waise weiß daß er ein Narr ist.”

    lotte

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 14. Dezember 2009 um 23:07

    Lieber Jens,

    ich freue mich, von dir zu hören. Ich freue mich immer über qualifizierte Kommentare.

    Wenn Gott würfelt, mit was für einer Art Würfel macht er das dann? Doch sicher nicht mit so einem primitiven Hexaeder? Der hat doch etwas besseres zur Hand, etwas elitäres. Bestimmt hat er das. Das ist doch nicht irgendwer, sondern Gott.

    Kennst du die alte Frage: Kann Gott einen Stein erschaffen, der so schwer ist, dass er ihn nicht aufzuheben vermag? Wenn nicht, ist er nicht allmächtig. Und wenn doch, ist er ebenfalls nicht allmächtig. Wenn Gott also würfelt, was nimmt er dann zur Hand?

    Kommentar von lotte eisen
    Datum/Uhrzeit 15. Dezember 2009 um 01:13

    …das ist die Frage nach der Rationalität des Faktischen.
    Der große Leibniz: “Um zu Ihren anderen Zweifeln zu kommen, so glaube ich jetzt, dass Sie sehen werden, wie ich es verstehe, wenn ich sage, dass eine körperliche Substanz sich ihre Bewegung selbst gibt (oder vielmehr das, was es Wirkliches in der Bewegung in jedem Augenblicke gibt), denn die Bewegung, die eine Erscheinung ist, fordert andere Erscheinungen, weil jeder gegewärtige Zustand einer Substanz eine Folge ihres vorangegengenen Zusandes ist. Wohl kann ein Körper, der keine Bewegung oder vielmehr keine Handlung oder Tendenz zur Veränderung in sich hat, sich auch keine solche geben; aber ich behaupte, dass es einen sochen Körper gar nicht gibt.”
    Damit ist die Welt als in sich selbst autonom behauptet, weil sie selbst Ursprung und Prinzip ihres eigenen Tätigseins ist. Die Hypothese eines “ersten Bewegers” wird damit in der Tat hinfällig; aber Leibniz hat ja auch eine solche Hypothese nie aufgestellt. Gott nur als Grenzbegriff.

    l.e.

    Kommentar von kid37
    Datum/Uhrzeit 15. Dezember 2009 um 15:54

    Zu Thoreaus Satz möchte ich noch auf den Kontext verweisen. Der Versuch nämlich, sich vom kolonialen, europäischen Erbe zu lösen, selbständig zu werden (im Geist, als Nation) und erwachsen. Die Haltung “erstmal etwas erleben, dann darüber schreiben” setzt sich ja bis in Hemingway’sche Jagdgeschichten fort – und überhaupt mag die US-amerikanische Vorliebe für die erzählte Handlung hier auch ihre Wurzeln haben. Bei Emerson hieß es damals sinngemäß, man solle “man” sein und nicht “bookworm”, rausgehen und Gott in der Natur lesen, nicht in verstaubten Bibliotheken. Sich selbst und den eigenen Erkenntnissen trauen, nicht der Überlieferung (aus “old Europe”). Das “Aufstehen” (vor dem Niedersetzen) kann man verstehen als Aufforderung zum mutigen Losgehen, zum Aufbegehren (der Revolutionsgedanke klingt da vielleicht noch nach) – neuen Grenzen entgegen.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 15. Dezember 2009 um 16:42

    Willkommen in meinem Heim!

    Sich selbst und den eigenen Erkenntnissen trauen: das empfinde ich als eine durchaus ethische Haltung. Aber auch als eine von nur begrenzter Reichweite. Vielleicht ist das gut so, diese begrenze Reichweite. Wir leben in der Zeit, wie ich gestern gelesen habe, der „verkürzten Aufmerksamkeitsspanne“. In der Zeit der Postmoderne. Und diese Zeit stellt seltsame Fragen: Was ist das für ein Ich, dass da etwas erlebt und inwieweit kann ich diesem Erleben trauen? Vielleicht kommen wir nach dieser Krise der Postmoderne auch wieder zu einfacheren Wahrheiten, denen von Holzhütte und Lagerfeuers (und Laptop!).

    Wenn ich von Leben gesprochen habe, dann meine ich nicht nur das Erleben (oder die Handlung), sondern durchaus auch die Reflexion. Der Mensch mit einer Innerlichkeit kann auch reflektierend etwas erleben. Ein abstrakter Maler, auch wenn er vielleicht weniger sieht als ein konkreter Maler; beim Malen kann dieser ebensoviel erleben wie jener. Oder sogar noch mehr, weil er vom konkreten Sehen Abstand genommen hat und sich auf das Innere Sehen verlegt hat.

    Dass die Vorliebe amerikanischer Literatur für die Handlung womöglich in der Loslösung von den europäischen Wurzeln zu suchen ist, als Ablehnung von Reflexion, von Zurückwendung auf Europa und das europäische Denken: das ist ein sehr schöner Gedanke!

    Kommentar von Thorsten Krämer
    Datum/Uhrzeit 15. Dezember 2009 um 23:02

    Um noch mal auf das Eingangszitat zurückzukommen: Was in dem Mel Gibson-Film “The Passion of Christ” entgegen des ganzen Rummels seinerzeit meiner Meinung nach die großartigste Szene ist, ist die Auferstehung. Die wird dort nämlich ganz wörtlich genommen: Man sieht, wie Jesus aufsteht. Er setzt sich auf, hält im Sitzen einen Moment inne, steht dann auf und geht nach rechts aus dem Bild. Das ist in diesem Moment so alltäglich und unspektakulär, und doch der kraftvollste Moment nach all dem Pomp zuvor. Daran musste ich sofort denken beim “Aufstehen zum Leben” – auch wenn ich bezweifle, dass Thoreau dergleichen im Sinn hatte.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 15. Dezember 2009 um 23:30

    Lieber Thorsten,

    ich kenne den Film leider nicht, Filme sind bei mir wirklich eine Bildungslücke. Aber ich glaube, ich kann mir vorstellen, was du meinst, wenn du von einer kraftvollen Szene sprichst. Was Thoreau im Sinn hatte, war wahrscheinlich eher so etwas wie „back tot he roots“. Und was ich im Sinn hatte, war ein Zustand der Entrückung beim Schreiben. Auch wenn er nicht immer und ehrlicherweise, bei mir zumindest, sogar nur selten erreicht wird. Das Meiste ist doch einfach nur Sitzen oder Stehen, Schinderei eben.