06 Dezember 2009
Wittgensteins wahres Gesicht
Ich lese nicht nur Belletristik. Gerade eben lese ich den „Tractatus logico philosphicus” von Ludwig Wittgenstein. Ich lese nicht den ganzen Text, sondern nur Teile. Diese äußerst strenge Logik in der Sprache, das missfällt mir. Aber es beeindruckt mich auch. Aus demselben Grund missfällt mir auch Paul Valery. Diese Mathematisierung von Sprache, der Versuch Sprache wie ein Seziermesser zu benutzen, das trifft überhaupt nicht mein eigenes Gefühl für die Sache. Es widerstrebt mir, aber es beeindruckt mich dennoch. Erst beim letzten Satz, der wahrscheinlich am häufigsten zitierte des ganzes Buches – „Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen” – wird mir die Sache klar. Da zeigt sich Wittgensteins wahres Gesicht, das des Belletristen. Da wo das Reden angeblich aufhört, da wird er poetisch. Da reicht die Mathematisierung der Sprache nämlich nicht mehr hin. Den letzten Schritt kann nur die Poesie gehen. Was für eine schöne Nachricht! Schade, dass Wittgenstein keine Gedichte geschrieben hat. Aus dem hätte was werden können.
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Geschrieben: Dezember 6th, 2009 unter mittel, Paralipomena












Kommentar von anna
Datum/Uhrzeit 8. Dezember 2009 um 00:28
Wittgenstein verteilte als Volksschullehrer schallende Ohrfeigen. Einmal, als er schon ein anderer war, ereilte ihn die Klage eines ehemaligen Schülers, welcher unter Gehörstörungen litt.
Der Denker Wittgenstein war allerdings so groß, dass er von Russell für den Messias der Logik gehalten wurde.
Sie haben in Ihrem Paralipomenon eine Tragödie berührt.
Woraus er hinaus wollte war allerdings nicht die Poesie.
Fragen Sie mich jetzt bitte nicht, worauf er hinaus wollte.