Archiv vom November, 2009
01 November 2009
Mit dem Stock auf Chelowka
„In eine jüdische Gemeinde Polens kommt ein Wunderrabbi, der die Gabe besitzt, Blinde sehend zu machen. Von allen Seiten strömen die Bresthaften nach Chelowka – das ist der Name der Gemeinde -, und so wandert auch Leib Schekel die staubige Landstraße dahin. Seine Augen sind von einem grünen Schirm beschattet, und in seiner Hand trägt er den Tappstock des Blinden. Trifft ihn ein Bekannter. „Oi, Leib Schekel, Ihr geht auf Chelowka.” – „Ja, ich geh auf Chelowka zu ihm.” – „Was, nebbich, ist geschehen mit Euren Augen?” – „Mit mei Augen?, was soll geschehen sein mit mei Augen?” – „Wenn Eure Augen ünberüfen gesünd sind bis hundert, warum habt Ihr dann zu gehen mit dem Stock auf Chelowka?” Leib Schekel schüttelt den Kopf: „Das ein Mensch, ünberüfen bis hundert, so bled sein kann. Begreift Ihr denn nicht? Wenn ich wird vor ihm stehen, dem Großen, dem Echten, werd ich blind sein, und er wird mich machen sehend.”
Hermann Broch, Einige Bemerkungen zum Problem des Kitsches
Hermann Broch, der dieses Beispiel zur Illustration seiner These von der Unterscheidung zwischen Kitsch und echter Kunst nutzt, schließt mit den Worten: „Und so ist es mit dem echten Kunstwerk. Es blendet den Menschen bis zur Blindheit und macht ihn sehend.”
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Thema Hier wird gemangelt, mittel | Eintrag von Aléa Torik | um 22:02 eingtragen | Kommentare: keine | Kommentieren











