08 November 2009
Die Antwort des Dr. Frankl
„Wie durch ein Wunder überlebte der Psychologe Victor Frankl als Einziger seiner Familie das Konzentrationslager. Als er, nach Wien zurückgekehrt, seine Praxis wieder aufnahm, bedeutete das Segen und Zuversicht für viele Menschen, die, durch Kriegserlebnisse erschüttert, ärztlicher Seelsorge bedurften. Da waren ein Mann und seine Frau, die, voneinander getrennt, ebenfalls wie ein Wunder die Jahre in den Lagern überlebten und – sie konnten es kaum fassen – sich in Wien wiedertrafen. Jedoch wenige Monate danach starb die Frau an den Folgen der Gefangenschaft, und ihr Mann zog sich in tiefster Verzweiflung völlig von der Welt zurück. Er wollte mit niemandem mehr sprechen, aß kaum, hatte alle Hoffnung aufgegeben und saß stumm und teilnahmslos in einem Winkel seiner Wohnung. Schließlich gelang es Freunden, ihn zu überreden, Victor Frankl aufzusuchen.
Soweit ich mich an diese Geschichte nach fast vierzig Jahren erinnere, fand dann das Folgende statt. Etwa eine Stunde sprachen die beiden Männer miteinander, da stellte Dr. Frankl die Frage: „Angenommen, Gott gäbe mir die Macht, eine Frau zu erschaffen, die sich von der Ihren nicht unterscheidet. Nicht nur gleicht sie Ihrer Frau in allem Äußeren, in Bewegung und im Sprechen, sondern auch gemeinsame Erlebnisse sind in ihrer Erinnerung so wie in der Ihren. Jede Prüfung, die sie stellen könnten, würde keine Verschiedenheit ergeben. Ich frage Sie nun: Soll ich diese Frau erschaffen?” Der Mann schwieg eine lange Zeit. Dann antwortete er: „Nein.” Darauf verabschiedete er sich und begann langsam, sich dem Leben wieder zuzuwenden.
„Wie war das möglich? Was ging in diesem Menschen vor?” so fragte ich später einmal Dr. Frankl. Und er antwortete: „Wir sehen uns mit den Augen des anderen. So, als sie starb, wurde er blind. Aber als er sah, dass er blind war, konnte er sehen.”
Heinz von Förster, Die Antwort des Dr. Frankl, in: Sicht und Einsicht, Versuch einer operativen Erkenntnistheorie
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Geschrieben: November 8th, 2009 unter Hier wird gemangelt, mittel











