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  • Aléa Torik: Lieber Norbert, fein, dass ich dich zum Assoziieren bringe. Dass steter Tropfen den Stein höhlt, habe ich bisweilen schon gehört. Aber hat mal jemand gefragt, was mit all den ausgehöhlten Steinen anzufangen ist? Wozu Steine höhlen? Was Cărtărescu betrifft, ich habe es in dem Essay...

  • 25 Oktober 2009

    Ich bin die Richtige

    Ich habe die ganze Nacht nicht schlafen können, wegen dieses Mannes. Wegen Hemd und Haaren, dachte ich zuerst. Aber der Grund für meine Schlaflosigkeit war ein anderer. Ich war gekränkt, dass er nicht gekommen ist. Bis zum letzten Moment habe ich gehofft, er würde sich doch noch überwinden können. Wir drei haben alle Anzeichen des Aufbruchs von uns gegeben. Ich habe mich von den anderen separiert, ich wollte einen freien Raum schaffen, Platz für diesen Mann. Ich habe in meinem Herzen Platz für ihn geschaffen. Ich habe ihm einen Blick zugeworfen, einen fragenden, einen bittenden, einen flehenden. Aber er ist nicht gekommen. Er hat mich mit all dem Platz alleine gelassen.

    Ich habe nicht schlafen können und wie meistens, wenn ich nicht schlafen kann, wende ich mich an die Worte. Lieber hätte ich die Nacht mit ihm verbracht, in seinen Armen, mit seinem Mund und seinen Händen. Jetzt habe ich sie mit Worten verbracht, in innigster Umarmung, Mund an Mund. Ich habe ihn betrogen, bevor ich ihn gekannt habe. Mit derselben erotischen Energie, dieselbe Menge, dieselbe Leidenschaft. Ich habe mich so sehr, so unfassbar nach seinem Mund gesehnt und nach seinen Händen.

    Ich bin die Richtige.
    Ich bin die Richtige um gewollt zu werden, berührt und begrabscht,
    in den Himmel gehoben und fallen gelassen.
    Ich bin die Richtige um angebetet zu werden und verachtet,
    angelächelt und verlacht.
    Ich bin die Richtige um fokussiert zu werden und zentriert,
    ignoriert, umgangen, links liegen gelassen.
    Ich bin die Richtige um geliebt zu werden und gehasst,
    vergöttert und mythisiert, imaginiert, halluziniert,
    entzaubert und zum Teufel gejagt.
    Ich bin die Richtige für Antagonismen und Parallelitäten.
    Extreme und Ausschläge,
    Durchschnitt und Mittelmaß,
    Gemeinsamkeiten und Gegensätze,
    zyklisch und linear, elaboriert und böotisch,
    versteinert und erweicht, erhöht und erniedrigt,
    angenommen und abgelehnt, polyphon und eintönig.
    Ich bin die Richtige um aufzuleben und auszusterben.
    Ich bin die Richtige für einen einzigen, ephemeren Augenblick
    und für die Äonen und Ewigkeiten.
    Ich bin die Richtige um filetiert zu werden,
    decantiert, flambiert, souffliert,
    gratiniert, kandiert, pochiert und püriert.
    Ich bin die Richtige um potenziert zu werden und quadriert,
    dividiert und multipliziert.
    Ich bin die Richtige um dekuvriert zu werden und desavouiert,
    diplomiert, diktiert und distinguiert.
    Ich bin die Richtige um alphabetisiert zu werden oder legasthenisiert.
    Ich bin die Richtige um verschüttet zu werden und evakuiert.
    Ich bin die Richtige um taxiert zu werden,
    inventarisiert, kategorisiert, katalogisiert und aussortiert.
    Ich bin die Richtige um zu den Akten gelegt zu werden und zu verstauben.
    Aber ich bin nicht die Richtige um einem Mann das Wollen beizubringen.
    Dafür bin ich die Falsche.

    Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
    geschehn aus unablässigem Bestreben.
    Aléa hat’s hierher gestellt,
    und zwar soeben.



    Kommentare

    Kommentar von Kristan Milon
    Datum/Uhrzeit 27. Oktober 2009 um 22:03

    Oh. Aha, okay, ach so. Das war mir am Samstag tatsächlich nicht aufgefallen. Merkwürdig eigentlich. Ich hatte nicht mit Literarisierung gerechnet. Sonst hätte ich wohl auch nur mit den Schultern gezuckt und nicht geantwortet. Für mich klang das tatsächlich wie eine Art öffentlicher Tagebucheintrag. (Ich hatte es immer so verstanden, dass Blogs eigentlich so was Ähnliches sein sollen.) Irgendwie enttäuscht mich das. Naja. (Irgendwie finde ich das auch, das sollten Sie deutlicher auseinander halten, ich meine die literarischen und die essayistischen Beiträge. An anderen Stellen sprechen doch ganz eindeutig Sie, zum Beispiel als Sie die zwanzig nominierten Buchpreisbücher besprechen. Das sind doch klar Sie, ohne Ironie, ohne literarischen Schleier. Und plötzlich soll dann so ein lyrisches Ich auftauchen? Verstehen Sie mich nicht falsch-als literarischen Text finde ich den Eintrag sehr interessant und gut, als naive Frauenfigur, deren Naivität im Verlauf der weiteren Erzählung aufgedeckt wird oder sich verändert, oder zu Problemen führt, etc.), aber in den Zusammenhang ihrer sonstigen nüchternen, klar aus ihrer individuellen Perspektive geschriebenen Beiträge verwirrt er mich. (Das ist aber natürlich Ihre Sache.)
    Zuneigung I und II hatte ich übrigens auch am Samstag schon gelesen, ich finde aber, das schlägt alles in die gleiche Kerbe. Auch das kommt mir wie ein weit verbreitetes Klischee vor, diese Idee, Frauen seien schon dann selbstständig, wenn sie die Zuneigung der Männer zurückweisen können. Dass Frauen auch selber nehmen wollen, das erwähnen Sie ganz selbstverständlich nicht. Interessant finde ich auch hier Ihren Versuch, (wenn Sie schreiben »Wir entflammen nicht ganz so leicht«) sich eine passivisch gedachte Begehrensstruktur als besondere Qualität auszulegen und dies erinnert mich, ehrlich gesagt, auch wieder nur beispielsweise an den so häufig von weiblicher Seite spitz betonten Begriff »anspruchsvoll«, »wir sind halt etwas anspruchsvoller«, obwohl der Anspruch dann häufig nur darin besteht, von den Schuhen, die der Mann bezahlt, das teuerere Paar auszuwählen.
    Sie schreiben »Wenn Männer ihren Part nicht lernen, bleiben sie lebenslang alleine.« Das sind doch jetzt Sie, die da spricht. Und in ihrem schönen Gedicht (vielleicht liegt die Ironie ja da auch in der weiblichen Hüftformung der Zeilen, aber wieder: ich glaube, Sie meinen das ernst) wird all das, wofür dieses lyrische Ich sich richtig fühlt, immer nur passivisch formuliert. Dazu gäbe es noch sehr viel zu sagen, aber dann wird das hier zu lang. Ich finde nur, Sie sollten mal eine Verbindung ziehen, zwischen diesen weiblichen Ansichten und dem Erfolg von Pornographie, die Sie an anderen Stellen ihres Blogs mit scheinbar so literarisch gerümpfter Nase übergehen. Wie gesagt: der Weg von diesen Ansichten bis zur Frauenverachtung ist sicherlich nicht ganz kurz, (und es ist natürlich auch kein schuldhafter Weg, es geht mir bestimmt nicht darum, den Frauen die Schuld für männliche Behandlung wieder selbst zuzuschieben), aber ich halte ihn doch für vorhanden.
    (Nebenbei: wie stellen Sie sich das überhaupt konkret vor: dass ein Mann lernt, einer Frau seine Zuneigung zu zeigen? Wie geht das eigentlich vor sich?)
    Nur ganz kurz: wenn Sie vom Mann einen Willen verlangen, dann ist das doch nichts als die ewige Rekonstruktion des starken Mannes, der nicht zweifeln darf. Aber die schlichte Wahrheit ist: Männer zweifeln ständig, Männer sind ständig unsicher. Doch weil sie wissen, dass die Frau dies nicht möchte (und mir klingt in diesem »doch dafür, einem Mann das Wollen beizubringen..«, so als wäre er ein Kind, als könne man den schwachen Mann dann nur noch als Kind ansehen, auch eine gewisse Häme an), tun sie ständig so, als seien sie stark. Wie ein Fels zum Beispiel. Der zweifelt ja auch nicht. Oder ein Löwe. Der weiß ja auch, dass er das Gnu will. Der Löwe ist nicht so ein unmännlicher Zögerer wie zum Beispiel der Hase. (Das meine ich gar nicht abwertend oder beleidigend, aber es ist so: Sie sind da völlig auf einer Linie mit MensHealth, die ihr Geld ja auch aus der Lücke zwischen tatsächlicher Unsicherheit und weiblich-verlangter Sicherheit verdienen).Wenn Sie in Berlin leben, dann achten Sie doch mal in der U-Bahn auf diese Halbstarken: vielleicht könnte man sagen: ihr Gesicht ist verzerrt von dem Wunsch nach Stärke, die sie zeigen wollen, und doch nicht in sich bemerken. Also was tun denn dann diese Männer? Was sollen Sie machen? Tja, sie suchen sich Kompensationen. Sie reden von den Scheißbitchs. Sie gucken sich Filme an, in denen Wollen und Kriegen plötzlich ganz nah beieinander liegen. Undsoweiter. Jetzt ist das schon wieder so lang geworden.

    Übrigens: es liegt mir vollkommen fern, Sie wegen dieser vermeintlichen Kritik irgendwie unsympathisch zu finden. Ich kenne Sie ja gar nicht. Aber ich finde Ihren Blog sehr sympathisch. Für Männer ist es doch immer sympathisch, wenn Frauen sich weiblich verhalten. Wirklich, und das meine ich gar nicht zynisch, Sie werden doch nicht dadurch unsympathisch, dass Sie weibliche Rollen bekleiden. (Schließlich habe ich meinen Part schon gelernt.) Höchstens ein bißchen vorhersehbar.

    Herzliche Grüße, Ihr Kristan Milon

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 27. Oktober 2009 um 22:30

    Lieber Kristan Milon,

    ich will jetzt nur kurz antworten. Nach wie vor möchte ich Ihnen eine ausführliche Antwort schreiben. Aber ich schaffe das im Moment nicht, vor allem wegen meiner Aktivitäten bei Unendlicher Spaß. Aber eiien Antwort bekommen Sie. Das muss ich schon für mich selbst machen, über das nachdenken, was Sie da sagen. Ich finde Ihre Perspektiven nach wie vor sehr interessant. Auch, wenn ich ein wenig verletzt war. Oder eben einfach schockiert über die Wirkung die das bei Ihnen hinterläßt. Ich muss auf all das genauer eingehen, auf Klischees, wie dir wirken bei den Geschlechtern. Das geht nicht in drei Minuten. Was aber in drei Minuten geht ist dies: Glauben Sie mir bitte, ich lege keinerlei Wert auf Klamotten oder Äußeres. Der Mann hätte auch einen Sack anhaben können. Das war der Zauber eines Moments. Und das Schlimme war, dass er diesen Zauber auch gespürt hat und keiner die beiden Beteiligten die Grenzen durchbrechen konnte. Hemd und Haare habe ich in dieser Beschreibung aus rein äthehtischen Gründen gewählt: das ist eine Alliteration. Ich komme aus einem der ärmsten Länder Europas und Klamotten interessieren mich wirklich gar nicht (also, um ganz ehrlich zu sein: fast gar nicht). Frauen wollen sich gerne schön machen. Weil Sie begehrt werden wollen. Aber jetzt geht’s schon wieder in die Richtung über die ich eigentlich erst mal nachdenken will. Dazu brauche ich ein wenig Ruhe.

    Danke für Ihre Rückmeldung.

    Kommentar von Ulrike Berretz
    Datum/Uhrzeit 27. Oktober 2009 um 23:30

    Guten Abend Alea,

    da oben müsste doch stehen : einen Kommentar schreiben , statt ein Kommentar schreiben , oder ?!
    Ich habe eben ein erstes Mal ” Der blinde Fotograf ” gelesen . Ich bin sehr angetan – mehr dazu später .
    Ulrike

    Kommentar von Ulrike Berretz
    Datum/Uhrzeit 28. Oktober 2009 um 00:02

    Guten Abend Kristan Milon ,
    ich mische mich jetzt mal ein in die Diskussion.
    Ist es nicht so , dass Frauen und Männer oft zweifeln ? Dass wir mal dieser und mal jener Rolle den Vorzug geben ? Dass wir (unbewusst)spielen mit verschiedenen Varianten?
    Traditionelles steckt in unseren Köpfen , wir haben gelesen, gelernt, beobachtet , nachgedacht , ausprobiert – d.h. aber noch lange nicht , dass mensch sich sicher fühlen kann . Sicher in seiner Rolle . Ich kenne für mich in unterschiedlichen Lebensphasen beides – erobert werden wollen und erobern wollen . Unsicherheiten – Zweifel gibt es , immer in dem Maße , wie ich in Versuchung gerate , mich an dem zu messen , was andere tun bzw. nicht tun .In der Situation , die Aléa in ihrem Text beschrieben hat , hätte ich den Mann – wenn ich mich sehr gut gefühlt hätte – angesprochen .So viele Männer , die mich erst mal rein äußerlich ansprechen und die den Blick drauf haben , gibts nicht . Wobei die Äußerlichkeit sich erst Mal auf groß und mit wenig Haaren beschränkt, ansprechende Stimme , die auch viele Worte kennt , die Mischung macht es aus – die Wirkung auf mich für alle Sinne.
    Ulrike

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 28. Oktober 2009 um 09:47

    Liebe Ulrike,
    du hast absolut recht. Ich kämpfe immer mit der Legasthenie. Vor allem, wenn ich einen anstrengenden Tag hinter mir habe, da entfällt mir die Rechtschreibung und die Grammatik. Eigentlich dürfte ich nach zwanzig Uhr nichts mehr schreiben. Jedenfalls nichts, was ich am nächsten Morgen nicht noch Korrektur lesen kann.

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 28. Oktober 2009 um 10:17

    Liebe Ulrike,
    schön, dass du dich einmischt. Du hat ja bemerken können, dass ich sehr verletzt war von dem Kommentar von Kristan Milon. Nicht weil er in irgendeiner Weise Grenzen überschritten hat. Ich finde sehr gut, was er da formuliert. Er hat mit vielen Dingen wahrscheinlich Recht. Deswegen war ich ja schockiert. Weil Männer und Frauen offenbar wirklich in manchen Punkten aneinander vorbeileben. Ich hoffe sehr, er antwortet auf deinen Einwurf.
    Das finde ich ja sehr amüsant, dass du große Männer mit wenig Haaren magst. Also ich meine, dass es dir gefällt, dass an einer Stelle etwas nicht ist , Haare auf dem Kopf nämlich.
    Was, ich gehe jetzt zum Du über bei allen Beteiligten; was Kristin gesagt hat, zu dem Mann hingehen und ihn ansprechen, ist keine Lösung. Weil es nämlich kein Problem gegeben hat. Lösungen sind Lösungen für Probleme. Es gab kein Problem, sondern einen Reiz. Und der wäre vielleicht verschwunden, wenn ich hingegangen wäre. Und genauso ging es dem Mann vielleicht auch (wir haben uns dann ja kennen gelernt und wir haben auch über diese Situation gesprochen: die Angst, dass dieser Reiz verschwindet, dass der Zauber verschwindet, den der andere ausübt) ) Es gab einen Reiz und eine Rätselhaftigkeit. Und das kann man nicht einfach lösen.
    Vor kurzem hat die Mädchenmannschaft eine Umfrage gemacht, was uns Frauen an unseren Körpern gefällt. Da kommen die erstaunlichsten Sachen heraus, eine Frau hat gesagt, ihre Zehen gefallen ihr und als Begründung sagte sie, dass vor Jahren mal ein Mann gesagt habe, dass sie schöne Zehen hätte. Männer wissen das oft gar nicht wie beeindruckend ihr Begehren sein kann. Und manchmal eben auch gleichgültig. Weil es, das was sie wollen, uns aus irgendeinem Grund nicht betrifft. Weil es an uns vorbei geht. Aber das ist bei den Männern auch so. Die finden eine Frau schön und wollen einfach nur Sex. Und dann wollen sie wieder gehen. Und manchmal finden sie eine Frau schön und es ist die Liebe ihres Lebens. Es ist nicht so, dass einer der beiden Beteiligten die Verantwortung dafür hat, was genau passiert und wie es weitergeht.

    Kommentar von Kristan Milon
    Datum/Uhrzeit 29. Oktober 2009 um 14:37

    Liebe Aléa Torik,

    ihr Schreibtempo ist mir leider etwas zu hoch, da komme ich nicht ganz mit. Aber ich bin ja auch kein erfahrener Blogger (sagte ich das schon?). Glauben Sie mir bitte: es tut mir Leid, wenn ich Sie verletzt habe. Ich versuche jetzt mal, nacheinander auf das einzugehen, was Sie in den letzten drei Kommentaren geschrieben haben.

    Sie schreiben »Glauben Sie mir bitte, ich lege keinerlei Wert auf Klamotten oder Äußeres«. Nun, hier frage ich mich zunächst, wieso Sie das so betonen. Wenn jemand sagt: »also jetzt mal ganz ehrlich, das mußt du mir jetzt aber wirklich glauben, etc.«, wird man gewöhnlich auch eher hellhörig. (Und ein paar Zeilen später werden Sie dann ja auch noch »ganz« ehrlich, so als wären Sie es vorher nur halb gewesen, aber vielleicht daher die Betonung, »Glauben Sie mir bitte« meine halben Wahrheiten.) Ich finde, das hört sich sehr schön an. Wer würde auch sagen: »ich lege sehr viel Wert auf das Äußere«? Das sagt sich natürlich sehr leicht. Nein, also ich lege nun wirklich keinen Wert auf Äußeres. Sie schreiben »Der Mann hätte auch einen Sack anhaben können«. Wirklich? Auch das sagt sich natürlich sehr leicht. Denn wer läuft in Kreuzberger Bars schon in einem Sack herum? (Oder entgeht mir da eine tiefere Bedeutung dieses Kleidungsstücks? Ist es vielleicht kein Zufall, dass Ihnen hier als erstbestes Beispiel gerade der Sack einfällt?). Ich bitte Sie, stellen Sie sich das doch konkret nochmal vor. Der Mann ist mit einem Sack bekleidet. Aber das ändere am Zauber des Moments nichts. Es fällt mir wirklich schwer, das zu glauben. Vielleicht wäre das dann so eine Art Metaphysik des Augenblicks. (Und es ist sehr leicht und angenehm, sich das so vorzustellen, was mir immer wie ein Indiz dafür erscheint, dass hier etwas nicht ganz stimmt.)

    Ich glaube, Sie sagen mit diesem Satz »ich lege auf Klamotten oder Äußeres keinen Wert« weniger etwas über die Art ihrer Wahrnehmung oder über ihr tatsächliches Verhalten, als über sich selbst als moralische Person. Sie sagen »ich bin nicht oberflächlich« oder »ich weiß, dass sich Personen nicht auf reine Äußerlichkeiten beschränken« oder »ein Mensch ist mehr als die Klamotten, die er am Leib hat«.

    Am interessantesten finde ich aber die Begründung dieser Aussage mit ihrer Herkunft aus einem armen Land. Wenn ich Sie recht verstehe, sagen Sie damit doch: es ist mir nicht wichtig, weil ich es früher nicht hatte. Meiner Meinung nach ist es aber genau umgekehrt: Gerade das, was man nicht so sehr kennt, begehrt man am Meisten. Gerade wenn Sie es so nicht erlebt haben, (merkwürdig: mir kommt es assoziativ so vor, als sei man in Rumänien öffentlich besser gekleidet als hier), müsste es doch einen besonderen Effekt auf Sie haben. (Ich bin zum Beispiel in einem Neubau mit Teppichboden aufgewachsen. Als ich mit sechzehn zum ersten Mal den knarzigen Parkettboden einer gebildeten Altbauwohnung in Berlin betrat, wollte ganz genau so einen unbedingt auch haben.)

    In ihrem nächsten Kommentar schreiben Sie von »vorbeileben«. Das fände ich gar nicht mal so schlimm. Das ist nicht der Punkt, um den es mir geht. Mich interessiert eher die Möglichkeit einer persönlichen Autonomie, jenseits einer klischeehaft erlernten. Mich interessieren Muster der geschlechtlichen Identität, die systematisch zu bestimmten Hierarchien oder Unfreiheiten führen. Und mich interessiert die Lücke zwischen akademischer oder theoretischer Einsicht (und Sie erscheinen mir ziemlich theoriefest) und tatsächlichem, dann doch wieder libidinös und klischeehaft strukturiertem Verhalten bzw. Denken.

    Jetzt fällt mir auf, dass Sie du schreiben, das mache ich jetzt einfach auch, schließlich muss ich sowieso schon die ganze Zeit das s großkorrigieren. (Allerdings fällt mir dabei auch gleich auf, dass unser Dialog mit »du« vielleicht nicht unbedingt ehrlicher wird. Denn das, was ich in meinem ersten Kommentar geschrieben habe, konnte ich dir (!) zu einem guten Teil ja nur deshalb schreiben, weil wir uns nicht persönlich kennen. Distanz erzeugt also manchmal die Möglichkeit größerer Nähe, weil Nähe möglicherweise auch immer Abhängigkeit bedeutet, also Kompromisse in dem, was man sagt und also eine gewisse Unehrlichkeit, durch die man sich dann wieder voneinander entfernt. Ich spüre in diesem »du« sofort den Willen, freundlicher zu sein. Ich möchte sofort mehr Harmonie.)

    Das mit dem Reiz finde ich sehr interessant und mir leuchtet das auch ein. Die Frage ist doch aber jetzt, wie Reiz und Klischee miteinander zusammenhängen. Ich würde sagen, diese Klischees liegen häufig so tief (körperlich, emotional) wie ein Reiz. Und das würde doch auch erklären, dass man diesen Klischees theoretisch nur sehr schwer beikommt. Tatsächlich erscheint mir aber die Haupttätigkeit der heutigen feministischen Selbstvergewisserung als eine theoretische – frau liest z.B. Beauvoir und Butler; frau tauscht sich mit Gleichgesinnten in Blogs aus; frau verfasst unheimlich viel über weibliche Filmperspektiven; etc. Aber freitagabends in der Bar denkt sie dann doch: »wieso kommt er nicht? Ich habe ihn doch so aufmunternd angeschaut.« Um hinter die Klischees dieser (automatischen) Reize zu dringen, bedürfte es also ganz anderer Übungen.

    Ich habe mir auch Teile dieser Umfrage von der Mädchenmannschaft durchgelesen. Die Idee finde ich irgendwie schön, aber ich kann mir nicht helfen, letztlich kommt mir das auch nur wieder so vor, wie der eine Tag im Jahr, an dem der Mann mal den Abwasch macht. Dass viele Frauen darauf so positiv und (ja wirklich) dankbar reagieren, zeigt doch nur die Realität ihres (anderen) Alltags.

    Bei den Zehen weiß ich nicht. Zugegeben, das klingt irgendwie rührend. Aber umgekehrt kann ich es mir einfach nicht vorstellen. Und im Kern ist das doch ganz genau das, was ich die ganze Zeit bemängele. Die Frau sieht sich selbst durch die Augen des Mannes. So wie du, bzw. die beschriebene Frau an der Bar. Sie fragt sich: bin ich zu leicht zu haben oder nicht schwer genug? Und ja: natürlich betrachten sich auch Männer durch die Augen einer Frau, aber die Frage ist doch: wer hat in den Augen des jeweils klischeehaft anderen einen größeren Spielraum? Und da glaube ich eben: der Spielraum des Mannes ist größer. Er kann hingehen, oder eben nicht. (In dem Beispiel ihrer Bar-Geschichte ist ja alles noch viel verwickelter, weil der Mann offenbar ja seine Rolle nicht richtig gelernt hat, du hingegen schon. Übrigens, wenn du schreibst »wir haben auch über diese Situation gesprochen: die Angst, dass dieser Reiz verschwindet, dass der Zauber verschwindet, den der andere ausübt«, dann sprichst du, wie mir scheint, mehr von dir selbst, als von ihm. Denn ich glaube nicht, dass ein Mann Angst hat, der Zauber der Frau könne verschwinden, wenn er sie anspricht. Er hat lediglich Angst, sein eigener Zauber könne verschwinden. Aber ich kann mir gut vorstellen, wie er, weil er dies nicht sagen will, irgendwas vom allgemeinen Zauber des Augenblicks erzählt.)

    Jetzt wird das schon wieder zu lang. Vielleicht ist das hier auch nur der Versuch, eine spontane Bemerkung seitenlang zu theoretisieren.

    Ach übrigens, also ganz ehrlich gesagt, vielleicht tut es mir auch nur ein bißchen Leid.

    Herzliche Grüße von Kristan Milon

    Kommentar von Kristan Milon
    Datum/Uhrzeit 29. Oktober 2009 um 15:05

    Liebe Ulrike Berretz,

    interessant, dass Sie sich einmischen, man weiß ja gar nicht wieviele Leute hier überhaupt mitlesen. Eine Handvoll? Was Sie das aufzählen, klingt mir allerdings etwas allgemein und eher nach dem Versuch einer Übertünchung. Natürlich zweifeln wir alle. Aber wohl doch mehr daran, ob wir in unsere Rolle passen, als an der Frage, welche Rolle wir denn nun heute mal spielen sollen. Sie schreiben »Dass wir mal dieser und mal jener Rolle den Vorzug geben«. Hört sich sehr schön an. So frei und ganz ungezwungen. Aber irgendwie habe ich Schwierigkeiten, das mit der Realität in Einklang zu bringen. Und die Geschichte von Aléa zeigt doch gerade, dass diese Rollen eben nicht ganz zufällig gewechselt werden können. Sie hat ja gerade nicht von ihren Kerben im Pfosten gesprochen, sondern sich eher gefragt, wieso er sie nicht als Kerbengelegenheit in seinem Pfosten ergreift.

    Sie schreiben, dass Sie mal erobert werden und mal selbst erobern wollen. Klingt wirklich total gleichberechtigt. Aber bei Frauen heißt das doch eher »verführen« und es sieht eben auch ganz anders aus, als die männliche Eroberung. Das würde mich wirklich mal interessieren: wie machen Sie das dann konkret, einen Mann zu erobern?

    Dann sprechen Sie davon, den Blick »drauf« zu haben. Auch wieder das klassische Klischee. Die Attraktivität des Mannes wird als eine Leistung beschrieben. Aber was ist mit denjenigen Männern, die diese Leistung nicht erbringen können? Die haben Pech gehabt. Genau das habe ich doch oben bemängelt. Von einem zweifelnden Blick fühlen Sie sich nicht angesprochen. Der Mann muß ihn »drauf« haben. Klar, und schön groß soll er sein und mit wenig Haaren.. (Übrigens Aléa: also das kennen wir doch nun wirklich zur Genüge: dass es einem gefällt, dass irgendwo etwas nicht ist. Zum Beispiel Fett. Zum Beispiel Pickel.) Verstehen Sie mich nicht falsch: ich finde das ja okay, solche Leistung von einem Mann zu verlangen. Aber dann darf man sich andererseits nicht darüber wundern, dass Schwäche zeigen immer noch nicht zu den weit verbreiteten männlichen Stärken gehört.

    Herzliche Grüße Ihr Kristan Milon

    Kommentar von Ulrike Berretz
    Datum/Uhrzeit 30. Oktober 2009 um 00:48

    Lieber Kristan Milon ,
    ich schreibe lieber mit Stift auf Papier, beim Tippen auf der Tastatur gehts nicht so schnell, da fehlen dann Textteile , weil ich im Kopf schon weiter bin .Was versuche ich zu übertünchen? Nichts , scheint mir .
    Schwäche ist für mich Anbiederung , Unterwürfigkeit ; während das Eingestehen von Fehlern ,etwas nicht Können , etwas nicht Wissen kein Zeichen von Schwäche ist.
    Es gibt Menschen, die diesen Blick “drauf” haben ,die faszinieren durch Ausstrahlung – unabhängig von ihrer äußerlichen Attraktivität. Männer , die von der Allgemeinheit als attraktiv bezeichnet werden , ziehen mich nicht in ihren Bann.
    Ecken und Kanten , Umwege im Leben , Lebendigkeit , Offenheit , das zieht mich an. Ich fühle mich wohl in meiner Haut – stehe zu dem , was ich sage und tue . Und ich habe von Erobern geschrieben – verführen ist für mich negatives Wort . Erobern ist ehrlicher . Wie das konkret ist – das Erobern – hängt von der Stimmung , der Situation ab .Und von dem Mann. Und von mir, wie ich mich fühle. Die Faszination der Eroberung ,ein unendliches Thema, das schaffe ich heute nicht mehr .
    Ich habe nirgends geschrieben , dass ich mich von einem zweifelnden Blick nicht angesprochen fühle.Das ist Ihr Umkehrschluss und der ist falsch.
    Ulrike

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 30. Oktober 2009 um 11:24

    Lieber Kirstan Milon,

    Ulrike mischt sich ein, weil das hier ein Blog ist. Einmischung ist gewollt und erwünscht. Sie mischt sich hier mit demselben Recht und aus demselben Grund ein wie du auch. Weil Sie an einer Auseinandersetzung interessiert ist.
    Was mir jetzt auffällt ist, dass du alles was ich dir über diese Situation in der Bar erzähle, was ich als Erklärungen formuliere oder was Ulrike von sich und ihrem Erleben erzählt, egal welche Worte wir benutzen, erobern verführen, Reiz, Zauber etc., alles wird kritisch betrachtet zerpflückt. Und am Ende sind wir nicht feminisiert und nicht emanzipiert genug und eigentlich überhaupt nicht das, was du unter der Überschrift „Frau“ eigentlich erwartest. Bist du sicher, dass die eine feministisch orientierte Frau, oder sagen wir lieber, weil ich gar nicht so feministisch bin, eine Frau die den Mund aufmacht und selber denken kann, dass das überhaupt deinen Erwartungen entspricht? Erzähle doch mal wie du dir das vorstellst mit den Frauen.
    Aléa

    Kommentar von Ulrike Berretz
    Datum/Uhrzeit 30. Oktober 2009 um 13:25

    Hallo Aléa ,
    dein letzter Satz bringt es auf den Punkt .Nach einer Antwort von Herrn Milon meine ich , mich verteidigen – richtig stellen zu müssen . Bin mal gespannt auf die Antwort .
    Schönen Tag
    Ulrike

    Kommentar von Ulrike Berretz
    Datum/Uhrzeit 30. Oktober 2009 um 13:53

    Herr Milon ,
    ich habe mich eingemischt , weil Mann – Frau ein interessantes , aufregendes, unerschöpfliches Thema ist . Ich habe für mich im Laufe des Lebens festgestellt , dass die Beziehungsvarianten , die ich erlebt habe, für mich nicht gut sind . Ich lebe mit meinen Söhnen alleine, mache meine Jobs , kann noch nicht wieder rausgehen , kann aber – und das ist für mich entscheidend – neben den Pflichten – z.B. soviel lesen wie ich möchte , wann ich möchte , hier schreiben , mitten in der Nacht aufstehen ….Ihr Umkehrschluss ist falsch : ich bin zwar nicht mehr jung , aber auch nicht alt und nicht frustriert !
    Ich mag die Freiheit- die Freiheit vor mich hin denken zu können , die Ruhe und die Stille , meine nicht Erwartungen erfüllen zu müssen .
    Ich fühle mich wohl und werde bestimmt noch die eine oder andere Eroberung erleben .
    Ich schließe mich Aléas Frage an : Was erwarten Sie von der Frau ?
    Und schreiben Sie bitte nicht Ihr Kristan Milon – man – Mensch – gehört nur sich selbst !
    Ulrike

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 30. Oktober 2009 um 14:59

    Liebe Ulrike,
    jetzt bin ich sehr gespannt auf die Antwort. Ich bin an einer Auseinandersetzung interessiert und dazu gehört ja auch, dass er etwas sagt, was über das bisherige hinausgeht. Ich meine das kritisieren. Er soll eigene Positionen formulieren. Ich hoffe, dass er das macht. Ich freue mich, dass du dich einmischt. Sich einmischen: das ist etwas was mir gefällt. Dann ist man nicht mehr so alleine, wenn man das kann.
    Aléa

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 30. Oktober 2009 um 15:13

    Lieber Kristan Milon,
    nicht dass du das falsch verstehst, als Solidarisierung unter Frauen, ich freue mich auch, dass du dich einmischt.
    Aléa

    Kommentar von Ulrike Berretz
    Datum/Uhrzeit 30. Oktober 2009 um 15:26

    Liebe Aléa,
    bin gespannt , ob etwas von Herrn Milon kommt.
    Mir gefällt was du schreibst , sobald ich Zeit und Ruhe habe , lese ich hier (und beim Unendlichen Spass, ich habe das Buch und hatte es mir vorgenommen , bin aber nicht weit gekommen , weil mir die entsprechende Ruhe fehlt ).
    Ist Der blinde Fotograf zu Ende geschrieben ?
    Noch was anderes : was fällt dir zu Rainald Goetz ein ?
    Ich freue mich , deine Seite gefunden zu haben !
    Ulrike

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 30. Oktober 2009 um 15:49

    Liebe Ulrike,
    ich freue mich, das dir meine Seite gefällt, sehr sogar.
    Der Roman ist fertig. Und ich bin total stolz drauf! Der liegt in meiner Schublade, oder vielmehr auf meiner Festplatte und auf diversen USB-Sticks. Und da wird er auch erst einmal bleiben. Ich kenne jemanden der schreibt. Der schreibt richtig gut, hat absolut keinen Erfolg und ist inzwischen richtig depressiv. Der hat hunderte Absagen in einer realen Schublade. Diesen Weg werde ich nicht gehen, definitiv nicht. Ich werde keine Umschläge an Verlage schicken und monatelang warten und warten auf irgendwelche Formbriefe. Ich habe gelesen, dass die Chance dabei an eine Veröffentlichung zu kommen bei 1/1000 liegt. So viele Verlage gibt es gar nicht, die meinen Roman verlegen würden. Das sind nur eine Handvoll großer und zehn kleine Verlage. Das ist nicht mein Weg. Ich versuche Kontakte zu machen, mir einen Namen zu machen und gute Texte zu schreiben. Über diese Schiene lerne ich vielleicht mal jemanden kennen. Ich glaube, dass das so läuft. Jedenfalls werde ich das so machen bis mir etwas Besseres einfällt. Eine andere Möglichkeit wäre, es zu übersetzen und zuerst in Rumänien zu probieren (die Übersetzung aus dem Rumänischen habe ich ja schon und könnte sie mir von einem deutschen Verlag bezahlen lassen). Aber etwas sträubt sich dagegen. Es ist ein Buch auf Deutsch, in Deutsch und es ist auch ein deutsches Buch. Daraus eine rumänische Übersetzung zu machen, um es dann einzudeutschen: das gefällt mir gar nicht. Das Buch wird nicht schlecht vom herumliegen. Einziger Nachteil ist natürlich, und das wurmt mich auch gerade sehr, dass man Anerkennung braucht. Die bekommt man nicht, wenn das Produkt in der Schublade liegt.
    Aléa

    Kommentar von Ulrike Berretz
    Datum/Uhrzeit 30. Oktober 2009 um 17:47

    Liebe Aléa ,
    das ist ein Dilemma hier in unserer Gesellschaft, entweder man hängt sich an den mainstream ( das lehne ich ab ) oder man hängt in der Luft – mit allem was einem wichtig ist. Alleine , ohne Anerkennung und Würdigung des Geschaffenen.
    Umschläge an Verlage schicken , das bringt nichts – auf den großen Zufall oder Sponsor warten auch nicht wirklich – es lässt vielleicht einen Funken Hoffnung .
    Was ist mit selber machen ?? Auf Deutsch , ohne Umweg über Rumänien ??
    Ich kenne die Einwände – ich habe vor langer Zeit eine Ausbildung als Verlagskauffrau gemacht – den Plan mal im Kopf durchspinnen…..
    Ulrike

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 30. Oktober 2009 um 19:21

    Liebe Ulrike,
    Ob mainstream oder nicht: Umschläge an Verlage schicken ist kompletter Unsinn. Da kann man den Umschlag besser aus dem Fenster werfen, in der Hoffnung es trifft den Kopf eines Lektors, der gerade nichts zu tun hat, sich hinsetzt und das alles liest und man selbst nichts weiter tun muss als ein bisschen Essen und Trinken runter zu werfen, damit er da unten auf dem Bürgersteig nicht verhungert und um ihn bei Laune zu halten.
    Und selber machen klingt in meinen Ohren nicht gut: du brauchst einen Verlag, die machen aus Papier nicht nur Bücher, die machen Werbung die schicken ihre Vertreter in die Buchhandlungen, die schicken Rezensionsexemplare an die Zeiten und Zeitschriften, die kennen den Betrieb, die kennen die Leute, die haben die Kontakte etc: das kannst du nicht alles alleine machen. Außerdem will ich schreiben.
    Ich schulde dir noch eine Antwort, das hatte ich vergessen: ich kann dir gar nicht zu Rainald Goetz sagen. Ich kenne seinen Namen ich kenne Titel wie “Irre” und “Jahrzehnt der schönen Frauen”, aber ich habe noch nie etwas von ihm gelesen. Warum fragst du? Hast du etwas gelesen.
    Ach ja: warum liest du eigentlich “Unendlicher Spaß”?
    Aléa

    Kommentar von Ulrike Berretz
    Datum/Uhrzeit 30. Oktober 2009 um 20:16

    Liebe Aléa,
    auf einem meiner Stapel liegt “Loslabern”, rutscht vorläufig erstmal weiter nach unten . Von R. Goetz kenne ich nur die Aktion , als sich während einer Lesung die Stirn aufgeritzt hat und das Blut übers Buch hat laufen lassen.
    Ich habe mir “Unendlicher Spass” gekauft , nachdem ich über den Autor gelesen habe. Klang interessant und das hat mich neugierig auf das Buch gemacht. Ich bin bisher nicht wirklich vorwärts gekommen – zuwenig Zeit neben den Kindern und den Jobs – und so bin ich bei 100 Tage US gelandet .Und dann auf deinen Seiten .
    Allgemein treibt mich die Suche nach Neuem – abseits des Gängigen- um , nicht nur bei Büchern .
    Ulrike

    Kommentar von Kristan Milon
    Datum/Uhrzeit 30. Oktober 2009 um 23:38

    Liebe Aléa,
    natürlich soll die Frau selber denken können, schließlich könnte sie sonst nicht einsehen, wie Recht ich habe (vor allem darin, wie feministisch sie sein sollte). Kleiner Scherz.

    Beim Wiederlesen finde ich meinen Kommentar immer unsympathischer. Du hast völlig Recht, es ist natürlich viel einfacher, rumzukritisieren, als selbst etwas preiszugeben. Das Zerpflücken macht ja auch nur kurze Zeit Spaß, dann fühlt es sich aber bald ziemlich schal an.

    Ich habe jetzt nicht soviel Zeit, wollte aber doch noch kurz etwas schreiben. Ich habe eigentlich auch nichts Besseres anzubieten. Ich schwanke genauso zwischen Klischees und Reizen. Einerseits möchte ich eine Frau, die mich irgendwie bewundert oder so, immer schön über meine Witze lacht und total süß ist und schön, die mir Bestätigung gibt und bei der ich mich irgendwie sicher fühlen kann. Andererseits finde ich das dann auch irgendwie ziemlich schnell langweilig.

    Das passiert halt manchmal einfach so und ich bin plötzlich begeistert, ohne groß drüber nachzudenken. Erwartungen? Keine Ahnung. Manchmal denke ich: sie soll vor allem eigenwillig sein. Manchmal denke ich, es kommt auf die poetischen Momente an, auf eine eigene Sprache, und dann sitze ich mit ihr zum Beispiel im Café und da kommt so eine klischeehaft, vollkommen vorhersehbar Schöne an und dann denke ich doch, scheiße, wieso hast du DIE nicht bekommen.

    Vielleicht: ich möchte bei ihr auf Stärke verzichten können, ohne dadurch ihre erotische Achtung zu verlieren.

    Irgendwie sowas. Also nochmal: ich bin dieses Bloggen echt nicht gewohnt und irgendwie erscheint mir das hier immer theoretischer, irgendwie abgehobener und ich werde dann ja auch selbst schon rechthaberisch, was mir gar nicht gefällt. Mir fehlt da die Erdung eines echten, persönlichen Gesprächs. Ich weiß, ich hab das ja selbst losgetreten, aber das war ja wirklich ein spontan motivierter, auch schon ein wenig angetrunkener erster Kommentar von mir. Das ist schon spannend, das immer wieder zu lesen und nochmal zu kommentieren, aber irgendwie strengt mich das zu sehr an, hoffentlich bist du mir deshalb nicht böse.

    Mit deinem Schreiben wünsche ich dir sehr viel Erfolg, ich mag, was ich bisher gelesen habe – übrigens, zum reinkommen in den Betrieb gibt es doch zum Beispiel auch ein paar seriöse Wettbewerbe oder so, da lernt man bestimmt wen kennen..

    Liebe Ulrike,
    ich wollte dir bestimmt nicht verbieten oder so, dich hier einzumischen. Hat das so geklungen? Hoffe nicht. Ich finde es sehr gut, dass du dich zu Wort gemeldet hast. Stimmt, der Umkehrschluß war sicher voreilig. Und übertünchen, wieso habe ich das geschrieben? Ich weiß es nicht mehr. Du hörst dich sehr sympathisch und offen an. Überhaupt nicht frustriert. Zugegeben, wie du schreibst “Menschen, die faszinieren durch ihre Ausstrahlung”, das regt mich schon etwas auf, aber wahrscheinlich sagt das mehr über mich aus, als über dich. Und ihr müßt mir glauben: sich aufzuregen macht mir auch keinen Spaß und das finde ich selbst zu destruktiv.

    Also, schreibe gerne weiter mails oder so (ich weiß, ich hab ja schließlich mit dem Ganzen angefangen), aber hier ist mir das zu öffentlich ungewohnt. (Komisch, ich habe auch die ganze Zeit das Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen und dann klopft mir die ganze Zeit, während ich schreibe, das Herz und das strengt mich einfach zu sehr an.) Nicht, dass ihr jetzt denkt, ich wäre schon siebzig Jahre alt.

    Herzliche Grüße von Kristan

    Kommentar von Ulrike Berretz
    Datum/Uhrzeit 31. Oktober 2009 um 16:00

    Kristan ,
    war das jetzt der Abschiedskommentar ?? Wenn dem so ist , dann bedaure ich das ! Herzklopfen ist ein gutes Zeichen – zumindest, wenn es nicht überanstrengt. Herzklopfen ist Lebendigkeit – ein schönes Lebenszeichen .
    Menschen die faszinieren durch ihre Ausstrahlung , das bezieht ich auf KEINEN Fall auf gängige Schönheitsideale .
    Ist es nicht oft so , dass nach einer Eroberung die Faszination – mal mehr mal weniger schnell – schwindet ?
    Lebenslange Suche nach dem /der Richtigen ? Auf jeden Topf passt ein Deckel ? Viele Menschen verpassen so vieles in ihrem Leben , weil sie ängstlich sind , sich nicht trauen . Das ist schade – denn es gibt so viele Möglichkeiten . Und bevor die Kirche als Institution in das Leben eingriff , da gab es unendlich mehr Lebensformen….
    Das Thema ist unerschöpflich und betrifft uns alle .
    Es gibt viel auszutauschen – Lebensentwürfe -
    Wünsche – Hoffnungen
    Bis zum nächsten Mal , mit weniger Herzklopfen !
    Ulrike

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 1. November 2009 um 22:47

    Guten Abend Kristan!

    Ich stehe gerade vor Schwierigkeiten. Ich habe mir den ganzen Tag gesagt, dass ich keine Zeit habe, deinen Kommentar zu beantworten. Dieser Tag ist nahezu vorbei, bis ich festgestellt habe, dass ich ehe keine Lust als keine Zeit habe. Weil ich spüre, dass ich selbst ein wenig aggressiv werde und weil ich das überhaupt nicht will. Ich bin jetzt wahrscheinlich in einer ähnlichen Stimmung, in der du warst als du deinen ersten Kommentar geschrieben hast.

    Ich habe drei große Kommentare von dir, auf die ich im Detail eingehen müsste, was ich aber wenig produktiv finde, weil du dann im nächsten Schritt auf alles eingehen würdest was ich gesagt habe, und das etwas für ein Gespräch, wo das Gegenüber sofort reagieren kann. Andererseits will ich jetzt nicht pauschal sagen, Vielen Dank für deinen Kommentar, jetzt ist mir einiges deutlich geworden.

    Ich suche mir mal das eine oder andere heraus: Wenn ich schreibe, dass ich keinerlei Wert auf Kleidung bei Männern lege, weil ich aus einem armen Land komme, dann ist das so. Und ob du das glaubst oder nicht, ist mir da ganz egal (du spürst meine Verärgerung), du kennst mich nicht, du weißt wahrscheinlich gar nicht, was richtige Armut ist. Und dennoch stellst du meine Äußerung in Frage, indem du beschreibst wie das bei dir funktioniert: du kommst aus einem Neubau und willst in einem Altbau wohnen, weil du das schöner findest: Das ist bei dir so, aber nicht bei mir! Das ist vielleicht bei jemanden so, der mit seiner Freundin im Cafe sitzt, wie du dich ja beschreibst, und dann kommt eine schönere Frau herein (eine schönere Wohnung) und du fragst dich, warum hat du die nicht bekommen. Aber bei mir ist es nicht so!

    Ich bin eine erwachsene, selbständige und selbständig denken könnende Frau. Feministische Positionen sind mir vertraut. Und trotzdem kann ich abends in einer Bar einen Mann anschauen und mir wünschen, dass er mich anspricht. Ohne auf den Gedanken zu kommen, es selbst zu tun. Ich erwarte von einem Mann keinen Auto, keine Eigentumswohnung und keine schönen Hemden. Ich erwarte von einem Mann, dass er in der Lage ist, mich anzulächeln. Auch schöne Frauen, die von den Männern angehimmelt werden, weil sie schön sind, nicht weil sie was in der Birne haben, die wollen manchmal einfach nur dreckigen Sex mit dem erstbesten Typen (aber meistens machen wir das nicht, weil wir uns nicht trauen). Dass ich dies sagen kann, das vor und das in der Klammer, ist Ausdruck meines Feminismus. Und nicht, dass ich zu dem Mann rübergehe und ihn anspreche. Die Männer, die ich anschaue sind alle miteinander keine fünfzehn mehr. Die müssen das im Leben schon gelernt haben, eine Frau anzugucken. Die müssen gelernt haben, die Aufregung auszuhalten, die sich aus einem Blickwechsel ergibt. Für mich gehört das Anschauen eines anderen Menschen zum Aufregendsten, das ich mir vorstellen kann. Jetzt würde ich dir gerne die Geschichte meiner großen Liebe erzählen, Marian, der der blind war, aber ich möchte nicht, dass du mir dann erklärst, wie bei der Armut, was meine wirklichen Beweggründe waren, mit dem Mann zusammen zu sein; vielleicht weil ich so unattraktiv bin, dass ich keinen sehenden Mann zu einer Emotion bekomme).

    Ich glaube, wenn ich mir deinen letzten Kommentar anschaue, dass ich lange nicht so sehr in Klischees und Rollenverhalten verstrickt wie du. Wenn du in deinem letzten Kommentar von einer „vollkommen vorhersehbaren Schönen“ schreibst und in deinem ersten Kommentar, dass ich so vollkommen vorhersehbar reagiere: wer steckt dann in Klischees?

    Dem ersten und dem zweiten Kommentar konnte man ansehen, dass du ein großes Interesse an dem Kontakt zu mir hast: du hast meine Texte bei US gelesen, hast hier einiges gelesen und dann hast du dich hingesetzt uns zwei richtig lange, mühevolle Mails geschrieben, zusammen viele, viele Seiten. Das schüttelt man nicht aus dem Ärmel. Da steckt auch eine Menge Ärger und Frustration dahinter, für die ich sicher nicht die Ursache bin. Wer sich so viel Mühe macht, der hat ein gewisses Interesse (wie immer das aussieht). Dein letzter Kommentar endet damit, dass dich das alles doch sehr anstrengt und strapaziert und dass das Herz nicht mehr mitmacht.

    Schreiben ist in der Tat verdammt anstrengend, das empfinde ich auch so. Wenn deine inneren und äußeren Organe das aushalten: du bist hier herzlich willkommen! Voraussetzung ist: es strengt dich an! Das ist kein schlechtes, sondern ein gutes Zeichen. Und Herzklopfen: das ist das, was ich von einem Mann spüren will. Wenn er beim Ansprechen und beim Formulieren genauso viel Aufregung empfindet wie wenn er einem toten Fisch gegenübersteht, dann kann er bleiben wo der Pfeffer wächst oder die Fische schwimmen! Wenn er sich aufgrund seines Herzklopfens aus der Affäre zurückzieht, dann war er nicht der Mann, der mir gefällt. Ich will dich hier nicht auffordern mich anzumachen. Ich habe dir geschrieben, dass diese Beziehung mit diesem Mann noch nicht lange her ist und dass ich gerade kein Interesse habe an einer neuen. Ich will dir lediglich die Richtung vorgeben, in der das bei mir – emanzipierte Frau, aber nicht so emanzipiert, dass ich die Männerposition gleich noch mit abdecke – läuft.

    Das Wort begatten, das du beklagst hast, das hat mich für durchaus einen schönen Klang, auch wenn es dreckig ist. Da steckt das Wort Gatte drin und Göttergatte. Göttergatte ist für mich ein wunderschönes Wort. Ich kann Worte nur nach ihrem Klang beurteilen, was die meisten Muttersprachler nicht können. Außer sie sind Lyriker oder Lyrikerinnen. Oskar Pastior kommt aus derselben Stadt wie ich, hat auch auf Deutsch geschrieben, war mit Herta Müller befreundet und ist posthum mit dem Büchnerpreis ausgestattet worden, ausgezeichnet wollte ich sagen. Es gibt tausende andere. Ich kann Göttergatte geil finden.

    Du merkst mir den Ärger an! Und trotzdem, und vielleicht sogar gerade deswegen, mir tut Aufregung gut, mein Herz hält das aus: Ich würde mich freuen, wenn du bisweilen etwas zu sagen hast!

    Herz-lich
    Aléa

    Kommentar von Aléa Torik
    Datum/Uhrzeit 9. November 2009 um 00:50

    Lieber Kristan,

    (folgende Wort habe ich an deine mailadresse geschickt, aber die existiert offentlichtlich nicht mehr. Dafür kann es verschiedene Gründe geben)

    es täte mir wirklich leid, wenn ich dich verschreckt habe. Aber ich war lediglich ehrlich, wie du auch. Ich hoffe, du meldest dich noch mal zu Wort. Du bist jedenfalls herzlich willkommen. Und in den Kommentaren muss man auch keine Romane schreiben. Man kann da ganz kurz etwas notieren. Wenn man das will!

    Herzlich
    Aléa

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