29 September 2009
Der Herzog von Charost
Dies ist die Geschichte vom idealen Leser.
Der Herzog von Charost ist auf dem Weg zum Schafott. Ich kann mich nicht an sein Vergehen erinnern, ob er, nach damaligem Verständnis, zu Recht oder zu Unrecht verurteilt wurde. Er sitzt hinten auf einer Pritsche und liest seelenruhig in einem Buch. Dann kommt der Wagen an den Ort an dem das Urteil vollstreckt werden soll. Und dieser Mann, diese Heroe der Lesekultur, was macht er, Minuten bevor er guillotiniert wird? Er macht, bevor er das Buch zuschlägt, ein Eselsohr hinein! Die Wahrscheinlichkeit, dass er die Dekapitation, die gewaltsame Abtrennung des Kopfes vom Rumpf; die Wahrscheinlichkeit, dass er seinen Tod überlebt, ist ja nun wirklich denkbar gering. Aber für den Fall, dass es doch so sein sollte, könnte er, kopf- und leblos wie er dann nun einmal ist, gleich an der Stelle weiterlesen, wo er, zu seinem Unbill, die Lektüre hatte unterbrechen müssen.
Ich würde gerne wissen, was er da gelesen hat. Das kann eigentlich nur Shakespeare gewesen sein. Die Frage ist natürlich: Komödie oder Tragödie?
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Geschrieben: September 29th, 2009 unter Belle-e-triste, mittel











