24 September 2009
Aléa
Mein Vater ist ein gebildeter Mensch. Und er hat einen ausgefallenen Humor. Er hielt das vor 26 Jahren bestimmt für einen guten Witz, als er den Nachnamen seiner Frau Magdalena Torik annahm und seine Tochter Aléa nannte.
Alle Buchstaben meines Vornamens finden sich auch in dem Vornamen meiner Mutter. Mein Vorname ist die zweite Hälfte des Namens meiner Mutter, mit einem weggefallenen Konsonanten, einer Synkope oder Elision: Aléa oder Elia vielmehr Elija im Hebräischen אליהו – Elijahu. Dieser Name „Mein Gott ist der Herr (JHWH) also Jahwe, steht dann auch am Kreuz Christi. In der christlichen Auffassung kehrt Elija als Johannes der Täufer wieder und damit als derjenige, der das baldige Erscheinen des Messias prophezeit. Auch in der chassidischen Überlieferung ist Elija derjenige, der einen anderen ankündigt, der ihm folgt. Außerdem hat Elias eine auditive Ähnlichkeit mit der Ilias, dem großen Werk des Homer, das vor allem vom Zorn des Achill berichtet. Der vor den Mauren Trojas Hektor zu Tode schleift und dem dann, von Paris und Deiphobos erschlagen, Polyxena geopfert wird, die schöne Schwester der Kassandra. Kassandra, die Hellseherin, die Dinge ankündigt, die noch nicht sind. Aber nicht nur der Zorn ist ein Kennzeichen des Achill, auch seine Schnelligkeit (in der Regel im Kampf). Deswegen bestreitet er auch jenes ominöse Wettrennen gegen die Schildkröte, so berichtet es jedenfalls Zenon von Elea. Wörtlich aus dem Hebräischen übersetzt heißt Alea “Die Aufsteigende”. Alea ist auch verwandt mit Eulalia, was sich aus den beiden Silben eu (gut) und lalein (reden) zusammensetzt, also die gut Redende oder die Sprachgewandte. Soviel zu meinem Vornamen.
Ich hatte, wenn ich richtig verstehe, niemals die Wahl und nie die Aussicht, anderes zu unternehmen als etwas mit Sprache.
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Geschrieben: September 24th, 2009 unter Allzupersönliches, mittel











