18 September 2009
Kultbücher II
Ich weiß nicht, was ein Kultbuch ist. Die Frage ist, ob der Kiepenheuer & Witch Verlag gerade eines im aktuellen Programm hat: „Infinite Jest” von David Foster Wallace, „Unendlicher Spaß”.
Ich habe das vor einigen Tagen in meiner Besprechung, in meiner Anmoderation der zwanzig longfishlist Titel für den Deutschen Buchpreis nicht erwähnt, ich habe vielmehr offen von Roberto Bolaño und seinem hochgelobten Roman „2666″ gesprochen; ich hätte nicht gesagt, dass die oberen zweihunderttausend Leser in Deutschland für „Unendlicher Spaß” in Frage kommen, ich hätte das anders formuliert, etwas genauer nämlich, ich hätte gesagt, dass die oberen einhundertneunundneunzigtausendeinhundertneunundneunzig Leser dafür in Frage kommen, wenn nicht, ja, wenn ich es nicht bereits in Händen gehalten hätte.
Ich vermute, bei der Seltenheit mit der ein Mensch in seinem Leben in so eine Situation gerät, dass er ein Kultbuch in Händen hält, es auch in meinem eigenen Leben nicht viele Gelegenheiten geben wird, wo mir das noch einmal passiert. Mit anderen Worten: ich habe den Bolaño noch einmal an die Seite geschoben und Wallace den Vorzug gegeben. Ich weiß zwar nicht, was ein Kultbuch ist, aber ich vermute ganz stark, ich bin sogar sehr sicher, dass nicht die Autoren, und auch nicht die Verleger mit ihrem Marketing, sondern nur die Leser aus einem Buch ein Kultbuch machen können. Ich mache jetzt also mit, beim kultivieren dieses ominösen Buchs. Und da ich ja sowieso, was das Lesen betrifft, lieber an den großen Schrauben drehe, bin ich bei dem Buch wohl genau richtig.
Wo wir schon einmal bei Schrauben sind, hier noch eine kleine Anekdote von David Foster Wallace, aus einem Artikel des Spiegel, nach Wallace Selbstmord im vergangenen Jahr. David Foster Wallace ruft seinen Vater an, weil die Reifen an seinem Auto einen Plattfuß haben und er wissen will, wie man sie wechselt. “Wie bekomme ich das Rad vom Auto runter?”, fragte er am Telefon. “Du musst die Schrauben gegen den Uhrzeigersinn drehen”, sagte der Vater. Stille. Dann: “Ich habe meine Uhr nicht dabei, Papa.”
Und auf diesen Mann lasse ich mich jetzt ein. Der Himmel stehe mir bei!
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Geschrieben: September 18th, 2009 unter Auf dem Fischmarkt, lang











