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  • 12 August 2009

    Küßt ich ihn tot?

    Allzu empfindsame Geister sollten sich das Folgende ersparen. Es berichtet von den letzten Momenten im Leben der Penthesilea, in der gleichnamigen Tragödie von Heinrich von Kleist. Hier gibt’s den Text im Rahmen des Gutenbergprojektes.

    Im Krieg um Troja (etwa 1200 Jahre vor Christus), der mit dem Raub Helenas durch Paris begonnen und nach und nach die gesamte Ägäis in Mitleidenschaft gezogen hatte, kommen die Amazonen den von den Griechen bedrängten Trojern zu Hilfe. Dabei geht es nur scheinbar um Helena. Der wirkliche Grund dieses, fast könnte man sagen: dieses ersten Weltkrieges, ist ein wirtschaftlicher. Die Kontrolle über die Durchfahrt durch die Dadanellen und damit einer der wichtigsten Handlungswege dieser Zeit verspricht einen prosperierenden Staat, Reichtum und Wohlstand.

    Mit Penthesilea, der Königin der Amazonen, und Achill, dem griechischen Helden schlechthin, treffen pars pro toto zwei Personen aufeinander, zwischen denen sich der dramatische Konflikt aufbaut. Die enorme Brutalität mit der er sich bei Kleist entlädt, ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass hier nicht nur zwei Menschen aufeinander stoßen, sondern andere, sehr viel machtvollere Umstände.

    Es stoßen mit den Personen zwei Geschlechter aufeinander und zwei Herrschaftsstrukturen: Achill, als Inbegriff der Männlichkeit und nahezu unverletzlich – außer an seinen Fersen -, ist Vertreter des Patriachats, Penthesilea hingegen eine Vertreterin des Matriarchats, vielmehr der Gynäkokratie – der Herrschaft der Frauen -. Außerdem stoßen zwei Kulturstufen aufeinander, die Griechen bilden die Hochkultur unter den Völkern der Ägäis. Das Volk der Amazonen, das aus dem kleinasiatischen Raum stammt, aus dem Kaukasus, gehört hingegen zu den primitiven Völkern. Ohne Männer lebend, überfallen sie, um die Nachkommenschaft zu sichern, andere Völker, rauben deren Männer, zeugen Kinder mit ihnen und schicken deren Väter dann wieder zu ihren eigenen Völkern zurück. Die Jungen werden unmittelbar nach der Geburt getötet oder weggegeben, den Mädchen wird in der Pubertät eine Brust amputiert, damit sie mit Pfeil und Bogen umgehen können. Die individuelle Partnerwahl ist den Amazonen verboten. Eine Amazone muss einem Mann im Kampf begegnen. Wenn sie als Siegerin aus dieser Konfrontation hervorgeht, kann sie mit dem Besiegten tun was sie will. Und was die Amazonen von den Besiegten wollen, ist eindeutig: sie wollen sie lieben; sie wollen mit ihm schlafen. Diese Frauen wollen lieben und geliebt werden, aber die Gesetze lassen dies nicht zu. Liebe ist nur unter dem Patronat der Gewalt denkbar. Und das verstehen natürlich die Gegner im Kampf nicht, dass diese Frauen Gewalt anwenden, weil sie das Gegenteil davon wollen.

    Die Mutter der Penthesilea hatte ihrer Tochter auf dem Totenbett prophezeit, dass sie sich in Achill verlieben werde. Damit steht Penthesilea an einer historischen Zäsur. Denn mit der Liebe, und mit der Sehnsucht nach einem bestimmten Liebesobjekt – also nicht mehr einem Mann, den der Zufall einer Amazone im Kampf zuführt – beginnt Penthesilea ihre Individualisierung. Schlafen kann man zur Not mit jedem, aber lieben kann man nicht jeden. „Ich sage vom Gesetz der Fraun, mich los und folge diesem Jüngling hier”, formuliert sie. Und sie zahlt den denkbar höchsten Preis dafür: sie bezahlt mit ihrem Leben.

    Penthesilea weiß dass sie, sowie sie Achill begegnet, ihn lieben wird. Aber sie kennt das Gefühl der Liebe noch gar nicht. Es trifft sie dann auch mit unerhörter Gewalt. Es trifft sie auf eine Art, die man eher als eine männliche bezeichnen möchte: sie ist rasend vor Begierde. Sie will dieses Liebesobjekt mit aller Macht und Gewalt. Und die wendet sie an, um zum Ziel zu kommen: sie geht bei jeder Gelegenheit mit dem Schwert, dem Dolch und dem Bogen auf ihn los und am Ende sogar mit Hunden und Elefanten. Erst in der 15. Szene lässt sie davon ab, als sie einem Irrtum aufsitzend, sich als vermeintliche Siegerin im Zweikampf mit Achill wähnt. In dieser Situation sind jene Bedingungen erfüllt, die sie versteht: der Gewinn eines Mannes durch seine Überwindung. Sie erzählt Achill die Geschichte der Amazonen und spricht von ihrer Liebe. Sie schaut voll Neid auf die Liebeskultur der Griechen. Sie sehnt sich danach, eine weibliche Rolle zu beziehen und nicht länger mit den maskulinen Attributen ausgestattet zu sein.

    Als Amazone, als Vertreterin ihres Volkes, muss sie Achill, um ihn lieben zu dürfen, unterwerfen. Als Liebende hingegen ist sie dem eigenen Gefühl unterworfen. Und gegen dieses Gefühl, das sich ja auf Achill bezieht, kann sie nicht ankämpfen. Diese einander widersprechenden Umstände bringt sie nicht zusammen. Sowie sie erkennen muss, dass sie einem Schein unterlegen und Achill der Sieger im Zweikampf gewesen ist, und sie Gefangene der Griechen, verliert sie vollständig die Kontrolle über sich und ihr weiteres Tun. Aus dem verlorenen Zweikampf schließt sie, dass sie auch Achill verloren hat.

    Das Schicksal nimmt seinen unerbittlichen Lauf als die Amazonen ihre Königin aus den Händen der Griechen befreien und Penthesilea den Geliebten erneut verliert. Sie, die die Handlung bisher immer weiter getrieben hat und dem Liebesobjekt auf den Fersen (!) geblieben ist, erscheint mit einem Mal lethargisch und willenlos. Achill aber bietet ihr durch einen Boten die Wiederaufnahme des Kampfes an. Durch die Erzählung Penthesileas hat er verstanden, dass eine Amazone sich einen Mann erkämpfen muss. Und weil er auch verstanden hat, dass Penthesilea ihn liebt, und er sie seinerseits, stellt er sich, mit der Absicht zu unterliegen, dem erneuten Kampf. Aber Penthesilea, gerade erst durch den Schein getäuscht, zieht ihm mit dem ganzen „Schreckenspomp des Kriegs” entgegen. Und besiegt ihn. Nachdem sie Achill einen Pfeil durch den Hals geschossen hat, zerfleischt sie ihn auf bestialische Art und Weise.

    Der Grund für diese furchtbare Entwicklung ist darin zu suchen, dass Penthesileas Selbstbild auseinander fällt. Deswegen legt sie erheblichen Wert auf jenes Bild, dass Achill von ihr hat. Als der in jener 15. Szene nach ihrem Namen fragt, geht sie gar nicht darauf ein. Erst als er ihr das Bild zurückspiegelt, das sie sie selbst hat, erst als er ihr dies Selbst bestätigt, nennt sie ihren Namen. Der Name ist ihr ebenso unwichtig wie ihre Funktion als Königin: sie fragt nach ihren Zügen, nach ihrer Eigenheit und nach ihrer Individualität.

    Penthesilea weiß, dass, wenn sie untergeht, die Amazonen ihr folgen werden: „Der Tanäis Asche, streut sie in die Luft”: Tanäis war die Uramazone, die erste Königin. Mit dem Bruch gegenüber dem Vermächtnis und der Verpflichtung der Amazonen den althergebrachten Gesetzen gegenüber, geht dieses Volk unter. Sie weiß, dass sie, in mehrfacher Hinsicht, die Erste ihres Volkes ist. Die Amazonen sind das unterlegene Volk und das Matriarchat das unterlegene Herrschaftsmodell. Nicht, weil die Herrschaft der Frauen schlechter wäre als jene der Männer. Sondern weil die Widersprüche nicht vermittelbar waren: jene Widersprüche von männlich und weiblich, von Gewalt auf der einen und Liebe, Verständnis und Rücksichtnahme auf der anderen Seite, von Außen und Innen, von Selbst- und von Fremdwahrnehmung.

    Ich zitiere die letzten Verse der Tragödie, und die letzten Worte im Leben der Amazonenkönigin. Verse, da Penthesilea erkennen muss, was sie im Rausch getan hat. Dieser letzte, der 24. Auftritt, ist äußerst ergreifend. Penthesilea taumelt, äußerlich wie innerlich. Sie sieht die Leiche des Achill, sie erkennt seine furchtbaren Verstümmelungen. Und sie will wissen, wer das getan hat, sie fordert Rechenschaft für dieses Tun. Sie weiß nicht, dass sie es selbst war: weil sie dieses Selbst nicht findet. Das ist ihr abhanden gekommen und sie muss es erst wiederherstellen. Diese Wiederherstellung ist zu verstehen als ein Zurückgewinnen ihrer Handlungsfähigkeit. Sie stellt ihr Selbst und ihr Selbstbild her, indem sie sich tötet. Und zwar, tatsächlich (!), mit nichts als ihren Worten. In vollkommener Übereinstimmung von Rede und Handlung erschafft sie ihr Selbst: indem sie sich, oder besser gesagt dieses Selbst, vernichtet.

    Wir werden hier Zeugen der wunderlichen Bewusstwerdung einer Tat, der Anerkennung dieser Tat und dem anschließenden Suizid, der mit den Worten beginnt: „Denn jetzt steig ich in meinen Busen nieder”. Diese zehn Zeilen gehören sicher zum Besten, was die deutsche Dramatik zu bieten hat. Da spürt man etwas von der ungeheuren Macht der Sprache. Mehr als einem lieb sein kann.

    Dramatis personae sind: Penthesilea, die erste Priesterin, die Oberpriesterin, Meore und die Freundin Penthesileas, Prothoe. Vor den Füßen der Frauen liegt der blutige Leichnam des Achill.

    „PENTHESILEA
    Was! Ich? Ich hätt ihn -? Unter meinen Hunden -?
    Mit diesen kleinen Händen hätt ich ihn -?
    Und dieser Mund hier, den die Liebe schwellt -?
    Ach, zu ganz anderm Dienst gemacht, als ihn -!
    Die hätten, lustig stets einander helfend,
    Mund jetzt und Hand, und Hand und wieder Mund -?
    PROTHOE
    O Königin!
    DIE OBERPRISTERIN
    Ich rufe Wehe! Dir.
    PENTHESILEA
    Nein, hört, davon nicht überzeugt ihr mich.
    Und stünds mit Blitzen in die Nacht geschrieben,
    Und rief es mir des Donners Stimme zu
    So rief ich doch euch beiden zu: ihr lügt!
    MEROE
    Laß ihn, wie Berge, diesen Glauben stehn;
    Wir sind es nicht, die ihn erschüttern werden.
    PENTHESILEA
    Wie kam es denn, daß er sich nicht gewehrt?
    DIE OBERPRISTERIN
    Er liebte dich, Unseligste! Gefangen
    Wollt er sich dir ergeben, darum naht‘ er!
    Darum zum Kampfe fordert‘ er dich auf!
    Die Brust voll süßen Friedens kam er her,
    Um dir zum Tempel Artemis‘ zu folgen.
    Doch du -
    PENTHESILEA
    So, so -
    DIE OBERPRISTERIN
    Du trafst ihn -
    PENTHESILEA.
    Ich zerriß ihn.
    PROTHOE
    O meine Königin!
    PENTHESILEA
    Oder war es anders?
    MEROE
    Die Gräßliche!
    PENTHESILEA
    Küßt ich ihn tot?
    DIE ERSTE PRIESTERIN
    O Himmel!
    PENTHESILEA
    Nicht? Küßt ich nicht? Zerrissen wirklich? Sprecht?
    DIE OBERPRISTERIN
    Weh! Wehe! ruf ich dir. Verberge dich!
    Laß fürder ewge Mitternacht dich decken!
    PENTHESILEA
    - So war es ein Versehen. Küsse, Bisse,
    Das reimt sich, und wer recht von Herzen liebt,
    Kann schon das eine für das andre greifen,
    MEROE
    Helft ihr, ihr Ewgen, dort!
    PROTOE ergreift sie
    Hinweg!
    PENTHESILEA
    Laßt, laßt!
    Sie wickelt sich los, und läßt sich auf Knien vor der Leiche nieder.
    Du Ärmster aller Menschen, du vergibst mir!
    Ich habe mich, bei Diana, bloß versprochen,
    Weil ich der raschen Lippe Herr nicht bin;
    Doch jetzt sag ich dir deutlich, wie ichs meinte:
    Dies, du Geliebter, wars, und weiter nichts.
    Sie küßt ihn.
    DIE OBERPRISTERIN
    Schafft sie hinweg!
    MEROE
    Was soll sie länger hier?
    PENTHESILEA
    Wie manche, die am Hals des Freundes hängt,
    Sagt wohl das Wort, sie liebt ihn, o so sehr,
    Daß sie vor Liebe gleich ihn essen könnte;
    Und hinterher, das Wort beprüft, die Närrin!
    Gesättigt sein zum Ekel ist sie schon.
    Nun, du Geliebter, so verfuhr ich nicht.
    Sieh her: als ich an deinem Halse hing
    Hab ichs wahrhaftig Wort für Wort getan;
    Ich war nicht so verrückt als es wohl schien.
    MEROE. Die Ungeheuerste! Was sprach sie da?
    DIE OBERPRISTERIN
    Ergreift sie! Bringt sie fort!
    PROTHOE
    Komm, meine Königin!
    PENTHESILEA, sie läßt sich aufrichten.
    Gut, gut. Hier bin ich schon.
    DIE OBERPRISTERIN
    So folgst du uns?
    PENTHESILEA
    Euch nicht.
    Geht ihr nach Themiscyra, und seit glücklich,
    Wenn ihr es könnt -
    Vor allem meine Prothoe -
    Ihr alle -
    Und – - – im Vertrauen ein Wort, das niemand höre,
    Der Tanäis Asche, streut sie in die Luft!
    PROTHOE
    Und du, mein teures Schwesterherz?
    PENTHESILEA
    Ich?
    PROTHOE
    Du!
    PENTHESILEA
    Ich will dir sagen, Prothoe,
    Ich sage vom Gesetz der Fraun mich los,
    Und folge diesem Jüngling hier.
    PROTHOE
    Wie, meine Königin?
    DIE OBERPRISTERIN
    Unglückliche!
    PROTHOE
    Du willst – ?
    DIE OBERPRISTERIN
    Du denkst -
    PENTHESILEA
    Was? Allerdings!
    MEROE
    Oh Himmel!
    PROTHOE
    So laß mich dir ein Wort, mein Schwesterherz -
    Sie sucht ihr den Dolch abzunehmen.
    PENTHESILEA
    Nun denn, und was? – - Was suchst du mir am Gurt?
    - Ja so. Wart, gleich. Verstand ich dich doch nicht.
    - – Hier ist der Dolch.
    Sie löst sich den Dolch aus dem Gurt, und gibt ihn Prothoe.
    Willst du die Pfeile auch?
    Sie nimmt den Köcher von der Schulter.
    Hier schütt ich ihren ganzen Köcher aus.
    Sie schüttet die Pfeile vor sich nieder.
    Zwar reizend wär es, von einer Seite -
    Sie hebt einige davon wieder auf.
    Denn dieser hier – nicht? Oder war es dieser – ?
    Ja, der? Ganz recht – Gleichviel! Da? Nimm sie hin.
    Nimm alle die Geschosse zu dir hin.
    Sie rafft den ganzen Bündel wieder auf, und gibt ihn Prothoe in die Hände.
    PROTHOE
    Gib her.
    PENTHESILEA
    Denn jetzt steig ich in meinen Busen nieder,
    Gleich einem Schacht, und grabe, kalt wie Erz,
    Mir ein vernichtendes Gefühl hervor.
    Dies Erz, dies läutr‘ ich in der Glut des Jammers
    Hart mir zu Stahl; tränk es mit Gift sodann
    Heizätzendem der Reue, durch und durch;
    Trag es der Hoffnung ewgem Amboß zu,
    Und schärf und spitz es mir zu einem Dolch;
    Und diesen Dolch jetzt reich ich meine Brust:
    So! So! So! So! Und wieder! – nun ists gut.
    Sie fällt und stirbt.
    PROTHOE, die Königin auffassend.
    Sie stirbt!
    MEROE
    Sie folgt ihm, in der Tat!
    PROTHOE
    Wohl ihr! Denn hier war ihres fernern Bleibens nicht.
    Sie legt sie auf den Boden nieder.
    DIE OBERPRISTERIN
    Ach! Wie gebrechlich ist der Mensch, ihr Götter!
    Wie stolz, die hier geknickt liegt, noch vor kurzem,
    Hoch auf des Lebens Gipfeln rauschte sie!
    PROTHOE
    Sie sank, weil sie zu stolz und kräftig blühte!
    Die abgestorbne Eiche steht im Sturm,
    Doch die gesunde stürzt er schmetternd nieder,
    Weil er in ihre Krone greifen kann.”