29 Juli 2009
Nichts ist vor der Liebe sicher
Ich war erst wenige Monate in Bukarest und hatte bereits eine unglückliche Liebe hinter mir. Vielmehr war ich mittendrin. Es war kein Ende in Sicht. Nicht einmal ein Anfang vom Ende. Ich hatte den festen Vorsatz, nie wieder einen Mann an mich heran zu lassen. Sollte es ihn je geben, so würde ich ihn auf Distanz halten und ihm höchstens die Fingerspitzen anbieten. Ich wollte dieses Gefühl von Liebe nicht mehr. Die Grenzen meines Körpers, dachte ich, seien sicher. Ich wollte nicht mehr in der Mitte meiner Existenz getroffen werden. Ich wollte diese Wehrlosigkeit nicht mehr. Die Verletzungen, die Kränkungen, die Rätsel, die der andere einem aufgibt, die Unsicherheit, die Fragen und die Verzweiflung. Die Euphorie und das Glück, auch das wollte ich nicht mehr. Ich hatte davon gekostet und es sagte mir nicht zu. Glück und Unglück lagen mir zu nah beieinander. Grenzenlos nah beieinander. Fingerspitzen, so nahm ich damals an, sind, anders als die Augen oder das Herz, vor solchen Empfindungen sicher. Aber das war ein Irrtum: Nichts ist vor der Liebe sicher.
Mitten im Kummer um den einen kam ein anderer. Vielmehr nicht mittendrin, sondern am Rand. In diesem Moment, da die Liebe an seinem einen, zukünftigen Rand erneut auftauchte, war der Kummer, den sie an seinem anderen, dem vergangenen Rand, bereitete, bereits vergessen. Ich war den ganzen Tag mit meinem Kummer beschäftigt gewesen. Mit meiner Leere. Dann stieß ich mit jemandem auf dem Bürgersteig zusammen, beinahe jedenfalls. Und plötzlich gab es ein Gegenüber. Ein Gegenüber, der spontan meine Hand ergriff. Ein anderer hätte mich angeschaut. Später habe ich erkannt, dass dieser Mann mich nicht anschaute, weil er nie jemanden anschaute. Weil er blind war. Mehr war nicht geschehen. Das war der Moment in dem die beiden folgenden Jahre lagen.
Das Ende unserer Beziehung kam ebenso überraschend wie ihr Anfang. Eine Woche nach der Trennung saß ich bereits im Zug nach Berlin. In diesen Tagen lag ich oft bewegungslos auf meinem Bett und betrachtete die Decke. Manchmal schaute ich aus dem Fenster auf die Straßenkreuzung, die ich zweieinhalb Jahre vom Schreibtisch betrachten konnte. Zwei Jahre zuvor hatte Marian meine Hand genommen. In diesen Tagen vor und nach der Trennung habe ich seine losgelassen. Die Fahrkarte nach Berlin besaß ich bereits als ich zum letzten Mal zu ihm ging. Ich brauchte das Gefühl, dass ich aus seiner Wohnung heraus käme. Und das mich seine Verzweiflung und seine Tränen nicht zum Bleiben zwingen würden. Ich brauchte die Versicherung, dass mein Leben nach der Trennung von Marian weitergehen würde. Selbst dann, wenn das seine still stünde.
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Geschrieben: Juli 29th, 2009 unter Allzupersönliches, Confusion sexuelle, lang











