20 Juli 2009
Gelotologie
Gelotologie gehört zu den Worten, die in diesem Jahr neu in den Duden aufgenommen werden. Die Gelotologie ist die Wissenschaft, die sich mit den Auswirkungen des Lachens beschäftigt (näheres hier oder hier). Manche Auswirkung kann man an sich selbst spüren, dazu braucht es keine Wissenschaft. Andere sind vielleicht nicht so einfach erfahrbar. Wie wird man wohl Gelotologin: kann man sich da bewerben? Muss man bestimmte Voraussetzungen mitbringen? Spezialisiert man sich im Laufe der Jahre? Twittern und Exzellenzcluster gehören ebenfalls zu den Worten, die es in die neue Auflage des Duden geschafft haben.
Schön, wenn neue Worte dazukommen. Euch ein herzliches Willkommen! Seht zu, dass ihr in aller Munde seid. Sonst fliegt ihr bei der nächsten Gelegenheit wieder raus. Ihr wärt nicht die ersten. Um manche Worte ist es schade. Bevor sie den Duden verlassen müssen, werden sie einige Jahre mit dem Zusatz „veraltet” bezeichnet. Auch Worte haben eine Geschichte, sie werden geboren, werden älter, reifer und ruhiger, erwachsen, wie man gemeinhin sagt, später werden sie dann milde und schließlich müde. Man nimmt sie kaum noch wahr, so zurückgezogen leben sie. Sie betrachten die Aufregungen der Welt nur noch mit verminderter Anteilnahme. Und dann sterben sie und nur wenige Angehörige derselben Wortfamilie, ein paar Bekannte und Freunde, wen man im Leben so kennen gelernt hat, stehen trauernd ums Grab herum. Sie weinen die eine oder andere Träne und wissen, dass sie dasselbe Schicksal ereilen wird.
So ist es gerade der Cochonnerie ergangen. Ihr Tod war absehbar. Sie hat die letzten Jahre ihres Lebens in zunehmender Einsamkeit verbracht, mehr siechend als seiend. Nun stehen die wenigen alten Freunde am Grab, der Prästidigitateur und der Pönitenziar. Sie wissen, dass sie die Nächsten sind, die abtreten müssen. So ist das in den Wörterbüchern des Lebens. Cochonnerie: ich habe dich nicht gekannt. Aber ich wünsche dir, wo immer du jetzt bist, im Paradies der verstorbenen Worte vielleicht, dass du‘s dort gut hast. Frei von allen Beschwerlichkeiten und aller Mühsal des diesseitigen Lebens.
Angesichts dieses beklagenswerten Todes begrüße ich hier voller Empathie das neue Leben: die Gelotologie. Ich freue mich über dich. Wenn du dich anständig aufführst und mir nicht, wo ich dich im Arm wiege, auf die Bluse kotzt, werde ich Sorge um dich tragen, solange ich lebe. Und ich hoffe, dass du dann, wenn es eines Tages soweit sein wird und die Aleatorik ihren letzten Gang geht, tun wirst, worum willen ich dich groß gezogen habe und was du am besten kann; also was du am besten erforschen kannst: das Gelächter an meinem Grab.
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Geschrieben: Juli 20th, 2009 unter lang, Worte, nichts als Worte











