30 Juni 2009
Leichtsinn
Wieder einmal ein Wort, das nur noch pejorativ, also bedeutungsverschlechternd, gebraucht wird. Es scheinen, im Vergleich zu den vielen Abstiegen, wenig Worte einen Aufstieg und eine Verbesserung zu erfahren. Das Paradebeispiel dafür ist die Unverschämtheit. Das Wort wird heute negativ empfunden, eigentlich aber beschreibt es etwas positives: weder verschämt noch verklemmt. Das Wort ist unversehens in die Sphäre des Moralischen geraten. Und wenn man da einmal drin ist, kommt man so leicht nicht wieder heraus. Eher zieht einer sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf.
Wer leichtsinnig die Straße überquert, riskiert Leib und Leben; Wer leichtsinnig mit anderen ins Bett geht, Hepatitis und HIV. Wer leichtsinnig ist, der denkt nicht nach, der bedenkt nicht, reflektiert nicht und überlegt sich nicht die Auswirkungen seines Handelns. Leichtsinnig wird die Zukunft aufs Spiel gesetzt. Wer leichtsinnig ist, ist unverantwortlich sich selbst und anderen gegenüber. Wenn man das einmal weg schlägt, die Farbe abkratzt, wenn man das Palimpsest von seinen Übermalungen und Neuerungen und Überschreibungen befreit, dann kommt etwas Wunderschönes zum Vorschein: leichtes Sinnes sein, freudig, heiter, beseelt, unbeschwert und frohen Mutes.
Nicht weit vom Leichtsinn entfernt, ist ein anderes Wort angesiedelt: Glück. Wie so oft, weiß ich nicht mehr wo ich das gelesen habe, mein Hirn ist eine Ansammlung von Residuen und Resten. Die Menschen aus Bangladesch, stand dort, sind die glücklichsten auf der Welt. Umfragen sind leicht auszuhebeln, wenn man nach ihren Bedingungen fragt. Die kenne ich in diesem Fall nicht, aber es wundert mich auch nicht, dass gerade die Ärmsten der Armen sich als glücklich bezeichnen. Nicht, weil sie weniger zu verlieren haben als die Reichen. Sondern weil sie ein anderes Verständnis von Glück und Leichtsinn haben: ein weniger beschwerliches.
Wenn auch nicht jede Zeile gleich erhellt:
geschehn aus unablässigem Bestreben.
Aléa hat’s hierher gestellt,
und zwar soeben.
Geschrieben: Juni 30th, 2009 unter mittel, Worte, nichts als Worte











